file Suhr by Night

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7 Monate 3 Wochen her #1696 von Jügi Pleuler
Jügi Pleuler antwortete auf Suhr by Night
Liebe OL-Kolleg:innen

Sorry, ich habe kurzfristig etwas den Faden (nicht aber den Verstand…) verloren. Noch 8 Tage verbleiben bis zum grossen «showdown» im Suhrhard. Also höchste Eisenbahn diesen Wahnsinn zu beenden. Mit aktuell über 2'500 Aufrufen hier im Forum hat die OLG Suhr wahrhaftig exorbitant viel Beachtung für einen Trainings-OL erhalten. Ich bin überzeugt, wir schaffen noch die 3'000er Marke!

Zuerst mal herzlichen Dank an Markus Weber und Roger Vogel, welche mir sehr detailliert die juristische sowie die medizinische Seite, meines ungebrochen grossen Unverständnisses gegen diese Zertifikatspflicht von «Suhr by Night» erklärt haben. Kurz zusammengefasst: Juristisch gesehen kann ich problemlos (ohne weitere Begründung) vom Anlass ausgeschlossen werden, medizinisch gesehen ist das Zertifikat ein (wenn auch schlechter…) Witz. Ich möchte dazu eine dritte Komponente an- und ausführen.

Die von der OLG Suhr hier verpflichtend geforderte Massnahme zeugt von hoher Unmündigkeit und wenig Selbstvertrauen. Es wiederspiegelt jedoch eine gesamtgesellschaftliche Haltung unserer Zeit. Dies übrigens nicht erst seit dieser Medienpandemie. Ich möchte hier nicht für oder gegen Impfungen argumentieren. Höchstens soweit, dass es jedem selber überlassen sein und nicht wie etwa unsere Ruth Humbel fordert ab 65 Jahren zum Obligatorium erklärt werden soll. Das Ganze geht aus meiner Sicht viel tiefer. Ein Zertifikat schützt niemanden von irgendetwas. Es dient lediglich dazu, Menschen glauben zu lassen, sie erhalten dadurch Sicherheit. Sicherheit für was? Sicherheit das Richtige zu tun? Sicherheit andere Menschen zu schützen? Sicherheit sich selber zu schützen? Letzteres wäre die einzig legitime Argumentation. Alles andere ist bereits übergriffig.

Wenn ich heute in Ausschreibungen den Haftungsausschluss von Veranstaltern lese, dann frage ich mich wirklich wo wir gelandet sind und wo wir hinsteuern? Der Abschnitt ist oft länger als der Anmarschweg zum Vorstart an einem OL im Voralpinen. Noch nie im Leben hatte ich den Anspruch an einen Veranstalter, er müsse für meine Handlung oder meine Teilnahme Verantwortung tragen. Mit meiner Anmeldung übernehme ich als mündiger Mensch diese Verantwortung nämlich selber! Das Zauberwort des Lebens heisst: EIGENVERANTWORTUNG! Weder eine Task Force, noch ein Bundesrat, noch ein Gesundheitsdirektor, noch die OLG Suhr sind für meine Gesundheit verantwortlich. Mit einer gelebten Eigenverantwortung lässt sich vieles regeln - auch der Trainings-OL «Suhr by Night». Jeder der maximal 60 Teilnehmer ist EIGENSTÄNDIG (zumindest traue ich das allen zu…) in der Lage, Risiken gegen Nutzen oder Unbehagen gegen Freude einer solchen Teilnahme zu beurteilen. Eventuell entscheidet sich ja ein eher ängstlicher Mensch für einen Start weil bei ihm die (Lebens)Freude überwiegt. Dafür braucht er keine Vorschriften und auch kein Zertifikat. Hirn, Herz und Bauchgefühl reichen aus um dafür eine persönliche Entscheidung zu fällen. Alles darüber Hinausgehende ist Bevormundung.

Roger Vogel hat gefragt, warum ich die OLG Suhr anraunze? Der banalste Teil meiner Antwort lautet, die beiden Läufe vom Januar und Februar finden in unmittelbarer Nähe meines Wohnortes statt. Wären diese Läufe 20 km entfernt, dann hätte ich nicht mal danach geschaut. Der zweite Punkt warum ich tatsächlich etwas angesäuert bin ist, ich habe die OLG Suhr zuerst persönlich wegen diesem Zertifikat angeschrieben. Ich habe bis heute keine Antwort erhalten. Die OLG Suhr nimmt sich ja auch im Forum «vornehm» zurück. Jedoch nur 24 Stunden nach meiner Intervention hat die OLG Suhr ihre Ausschreibung angepasst indem sie diesen ganzen Zertifikats(w)irrsinn noch in roter Farbe zusätzlich markiert hat. Bravo zu so viel Kommunikationsfähigkeit.

Möglicherweise (und ich hätte nie geglaubt mich mit leichter Schadenfreude darauf zu berufen zu dürfen) verhilft mir ja Bundesrat Berset noch zu einem Startplatz am letzten «Suhr by Night» dieses Winters, indem er die Zertifikationspflicht noch vor dem 23. Februar die Aare runter spült. Zumindest so lange bis der nächste Buchstabe im griechischen Alphabet wieder zur «besorgniserregenden» Virusmutante hochgepeitscht wird. Oder mit finsterer Miene ein Notstand der Intensivbettenkapazität verkündet wird, welche in den vergangenen beiden Jahre um rund ein Drittel abgebaut wurde. Spätestens dann wird OL wieder zur Hochrisikosportart erklärt und dienstbeflissene Trittbrettfahrer werden erneut versuchen sich im Massnahmenwahn gegenseitig zu überbieten – aus Fürsorglichkeit und zum Wohle von GESUNDEN Menschen.

Im Zusammenhang mit diesen ganzen Massnahmen habe ich oft das Wort Verhältnismässigkeit gehört. Ohne wissenschaftliche Studie möchte ich hier einen banalen und alltäglichen Vergleich zu Hilfe nehmen. Jeden Tag steigen 10'000 Menschen in volle Züge oder Busse im ÖV - ohne Zertifikatspflicht und meines Wissens ohne Übersterblichkeit. Dasselbe gilt für alle Ladengeschäfte wo genau so viele Menschen regelmässig ihre täglichen Einkäufe erledigen. Sogar mit ganz bescheidenem Denkeinsatz müsste auch der OLG Suhr klar sein, dass ihr Zertifikat letztendlkich wirklich nur ein Witz ist! Leider muss ich an dieser Stelle schmerzlich erkennen, dass gesunder Menschenverstand in der heutigen Gesellschaft immer rarer wird…

Gruss Jügi

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8 Monate 1 Woche her #1686 von Radovan Bürki
Radovan Bürki antwortete auf Suhr by Night
Danke Roger. Ich habe es mit Gewinn gelesen.

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8 Monate 2 Wochen her - 8 Monate 2 Wochen her #1683 von Roger Vogel
Roger Vogel antwortete auf Suhr by Night
Hoi Jügi

Du hast meines Erachtens völlig Recht. Wenn nicht in streng juristischem, so doch in alltagslogischem Sinn. Und trotzdem verstehe ich dich nicht.
Unter anderem, weil du juristisch argumentierst, und meines Erachtens die falschen Leute anraunzst.

Da das Leben komplizierter ist, als man glauben möchte, und um meine Vorbehalte zu begründen, muss ich ausholen. Trotzdem möchte ich versuchen, zu vereinfachen. Vereinfachungen sind ungenau, und deshalb angreifbar. Trotzdem ein Versuch. Es braucht Erklärungen zur Impfung grundsätzlich, zur Impfung gegen COVID, und zum Versuch, einen Anlass COVID-frei zu halten. Es braucht zudem eine Erklärung zur Abschätzung von Risiken von COVID versus der Risiken, die eine Einschränkung der Bewegung bewirkt.

Epidemiologische Massnahmen gegen Virusinfektionen sollten der Gesundheit dienen. Sie müssen deshalb medizinisch begründet sein, nicht juristisch. Auch nicht wirtschaftlich. Auch nicht politisch. Nicht freizeitgestalterisch. Auch nicht ferientechnisch. Nicht organisatorisch. Auch nicht zeitlich. Sondern medizinisch. Medizinisch!
Auch eine Impfung ist ein medizinischer Eingriff. Jeder medizinische Eingriff muss medizinisch begründet sein. Und zwar NUR medizinisch. Medizinisch! Nicht juristisch. Auch nicht wirtschaftlich. Auch nicht politisch. Nicht freizeitgestalterisch. Auch nicht ferientechnisch. Nicht organisatorisch. Auch nicht zeitlich. Sondern medizinisch. Medizinisch!

Für eine Impfung gibt es theoretisch zwei Gründe:
1. Selbstschutz
2. Fremdschutz
Beide Effekte sind grundsätzlich komplett unabhängig voneinander. Können aber zusammenhängen.
Zu 1: Eine wirkungsvolle Impfung mit dem Ziel Selbstschutz soll dich selber vor (schwerer) Krankheit (und Tod) schützen.
Zu 2: Eine wirkungsvolle Impfung mit dem Ziel Fremdschutz soll bewirken, dass ein «Infektiöses Partikel», z.B. ein Virus, von dir nicht mehr an Andere verteilt werden kann, oder wenigstens weniger gut. Z.B. weil sich das Virus in deinem Körper nicht, oder nur schlecht, vermehren kann, oder weil es in deinem Körper nicht lange genug überlebt, um weiter transportiert werden zu können.
Der mögliche Schaden, der durch die Nebenwirkungen einer Therapie auftreten kann, muss global gesehen (wenn auch nicht im Einzelfall, Sorry) kleiner sein, als der mögliche Schaden, der durch die Erkrankung auftreten kann. Global heisst nicht unbedingt «weltweit», sondern kann auch «für eine bestimmte Gruppe» bedeuten, z.B. alte Menschen, oder solche mit BMI über 35.
Das Risiko, überhaupt einen solchen Schaden durch Krankheit zu erleiden, muss zudem «genügend gross» sein. (Dummer Vergleich: Wenn ich nie auf einen Berg steige, so erhöht ein Bergseil meine Sicherheit im Alltag nicht. Vielleicht sogar im Gegenteil. Wenn ich im Strassenverkehr weniger aufpasse, "weil ich ja ein Bergseil habe", dann wird’s vielleicht gefährlich.

Wieder zu 1: Die a) aktuell auf dem Markt vorhandenen COVID-Impfungen bieten DIR SELBER gegen die b) aktuell vorhandenen COVID-Stämme c) innerhalb einer gewissen Zeit einen d) relativ guten Schutz gegen e) Krankheit und Tod, falls du f) überhaupt zur gefährdeten Gruppe gehörst (was f) auch immer heissen mag, und sofern man das wissen kann).
(Eine der Haupt-Überlebensstrategien von Viren und Bakterien ist die, dass sie sich andauernd verändern. So auch COVID. Jede Mutation ist bei dieser Virenart also eine völlig logische, selbstverständliche, und sehr häufige Tatsache. Irgendeinmal werden also den Schriftgelehrten die griechischen Buchstaben zur Bezeichnung der Mutationen ausgehen. (Man könnte chinesische Zeichen vorschlagen, davon gibt’s mehr, aber das würden die Chinesen wahrscheinlich wiederum als Diskriminierung empfinden. Ausgerechnet.) Im Allgemeinen wird bei dieser Virengruppe jede Mutation ansteckender sein, aber auch zu einer leichteren Erkrankung führen. So sind diese Viren halt. Die andauernden Veränderungen führen aber auch dazu, dass derselbe Impfstoff logischerweise je länger je weniger wirkt. So ist das halt mit den Impfstoffen. Die Grippeimpfung muss man ja – so man sie durchführt – auch jedes Jahr mit einem neuen Wirkstoff bzw. einer Wirkstoffmischung wiederholen. Aber natürlich darf man bei jeder neuen Mutation wieder journalistisch rumbrüllen und als Politiker oder Prof. Telegen ernste Interviews geben. Das ist zwar erlaubt. Aber irgendwie krank, finde ich. )

Wieder zu 2: Leider aber bieten die aktuell auf dem Markt vorhandenen COVID-Impfungen gegen die aktuell vorhandenen COVID-Stämme einen extrem schlechten – um nicht zu sagen: Keinen – Schutz vor weiterer Übertragung des Virus.

Kurz: Mit der aktuell vorhandenen Impfung gegen COVID schützt du dich selber, und NUR dich selber «recht gut» gegen schwere Erkrankung und Tod.
Leider schützt du mit den aktuell vorhandenen Impfungen gegen COVID niemanden sonst. Der Fremdschutz ist bei den COVID-Impfungen im Unterschied zu vielen anderen Impfungen, z.B. Grippe, quasi inexistent. D.h. ob du gegen COVID geimpft bist, oder nicht: Du trägst das Vieh weiterhin rum und verteilst es an andere.

Wenn man also a) überhaupt einen Anlass organisieren möchte, der b) so sicher wie medizinisch möglich COVID-frei ist, so ist 1G und 2G – ich beisse mir auf die Zunge – «nicht ganz optimal», denn, wie gesagt, die Geimpften und Genesenen können COVID quasi genau gleich verbreiten, wie Ungeimpfte. (Und das ist komplett unabhängig davon, ob ich zu denjenigen gehöre, die eine mRNA- oder Vektor-Impfung bei sämtlichen Altersschichten (ob tatsächlich gefährdet, wie die Alten, oder komplett ungefährdet, wie die Jungen) befürworte, oder nicht. Es ist einfach so.
Zudem gibt es noch die Impfdurchbrüche, also diejenigen, die trotz Impfung erkranken. Die Geimpften sind aber, wie erwähnt, deutlich besser von schweren Verläufen geschützt. So sie überhaupt für schwere Verläufe gefährdet sind, also z.B. alt, krank oder dick, oder alles zusammen.
Und ja: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es sind und bleiben aber Ausnahmen. Auch wenn man zugegebenermassen nicht weiss, warum die Ausnahmen Ausnahmen sind, das machts wieder ein bisschen komplizierter.)

Was möchte die OLG Suhr denn erreichen (so nehme ich an, ich hab sie nicht gefragt) und was wäre sinnvoll? Was wäre denn eigentlich das medizinische Ziel eines Anlasses mit Beschränkungen? Das Ziel wäre ja selbstverständlich, einen Anlass zu organisieren, bei dem das Virus möglichst nicht zirkuliert, möglichst nicht weiter verbreitet wird, und bei dem möglichst niemand angesteckt wird.

Wenn man schon einen Anlass organisieren möchte, der - so sicher wie medizinisch möglich - COVID-frei ist, so müsste man also selbstverständlich ALLE Teilnehmer innerhalb einer bestimmten Zeit vor diesem Anlass mit einem sehr sensitiven Test auf COVID testen. (Bezüglich "sensitiv" und "spezifisch", und der Sensitivität und Spezifität der Antikörper- und PCR-Tests bei COVID gäbe es wiederum ein Buch zu erklären...). Nur dann, wenn alle negativ getestet sind, kann man einigermassen – innerhalb der Genauigkeit des Testes – sicher sein, dass niemand den Anlass besucht, der COVID übertragen kann. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit logischem und medizinisch sinnvollem Vorgehen.
Die Einzigen also, die - so sicher wie durch einen COVID-Test beweisbar - KEINE Überträger von COVID sind, sind diejenigen, die gerade eben einen Test gemacht haben, also diejenigen des «3ten» G’s, im 3G, oder die «+» im 1G+ oder 2G+. Die 1G (Geimpften) oder 2G (Genesenen) haben schlicht keine Ahnung, ob sie im Moment Überträger sind, oder nicht. (Hier dürfte es in Spezialsituationen bei 3G tatsächlich auch juristisch spannend werden…)

Diese oben genannten Tatsachen möchten unter anderem Impfpflichtbefürworter nicht verstehen. (Dass man übrigens nur noch von «Impfung» spricht, und dabei ganz selbstverständlich nur noch die COVID-Impfung meint, und zwar die COVID-Impfung mit den mRNA- und Vektorimpfstoffen) zeigt ja schon für sich alleine, wie krank die Argumentation geworden ist.)
Diese Tatsachen möchten auch ganze Ländereien, Regierungen, Heerschaaren von Politiker und auch viele Ärzte nicht verstehen.

Lieber reden einzelne Politiker mit betroffenem Gesicht «Klartext» und lamentieren etwas von «Solidarität durch Impfung». Im selben Atemzug wollen aber genau die gleichen Politiker Stücke aus dem solidarisch finanzierten Schweizer Gesundheitssystem herausbrechen. Indem sie z.B. verlangen, dass Ungeimpfte ihren Spitalaufenthalt selbst zahlen sollen. Was für eine unerträgliche, niederträchtige, widerliche Bigotterie!
Ein System ist immer diskutierbar, auch ein solidarisches. Solange der fette couch potato aber für meine sportbedingte Knie-Arthrose bezahlt, und der Raucher für die Psychotherapie der magersüchtigen Ausdauerathletin, sowie derer osteoporosebedingten Knochenbrüche mit 40 als logische Spätfolge; so lange die gesunden Ungeimpften die Therapie der impfbedingten Herzmuskelentzündungen der Spitzensportlerinnen bezahlen; so lange habe ich gefälligst in einem solidarischen System als abstinenter Sportler auch für den Herzinfarkt des rauchenden Alkoholikers zu bezahlen!
Sonst wird es sehr schnell sehr kompliziert (überprüfe doch mal den Nichtraucher…), und sehr unsolidarisch.
Aber man kann es diskutieren. Selbstverständlich.

Von den 65’000-67'000 Menschen, die jedes Jahr in der Schweiz sterben, stirbt ein Drittel!! an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwas weniger als ein weiteres Drittel an Krebs. Ein überwältigender Anteil dieser Erkrankungen könnte man mit Sport (wenigstens) positiv beeinflussen.

Nirgendwo aber habe ich einen kollektiven Aufschrei der Sportverbände gegen die einschränkenden Massnahmen des Bundesrates gehört, nicht mal bei Sportarten, die im Freien durchgeführt werden, wie OL. Ich habe höchstens das Gejammer über die monetären Defizite wegen fehlenden Zuschauern gehört. Aber nichts! Wirklich nichts über die katastrophalen gesundheitlichen Konsequenzen dieser Einschränkungen (Dank derer meine orthopädische Sprechstunde übrigens ausgezeichnet gefüllt ist. Derart viele verschiedene Trümmerbrüche der sich nicht bewegenden Grosis habe ich bisher noch nie gesehen. Auch deren Demenz verschlimmert sich in atemberaubenden Tempo, was selbstverständlich bei den komplett vereinsamten Altersheimbewohnern in Einzelhaft zusätzliche Stürze provoziert. Derart viele schmerzhafte Gelenke, einzig und allein dem Bewegungsmangel geschuldet, und dem fehlenden oder eingeschränkten Zugang zu den Fitnesszentren! Dank Herrn Berset ist mein Einkommen auf Jahre hinaus gesichert, sofern ich Orthopäde bleibe oder auf Psychiatrie umsattle. Als Sportmediziner bin ich hingegen in meinen Grundfesten erschüttert. Die positiven Wirkungen von Sport wurden u.a. schon vor 20Jahren in der Arbeit von Pekka Marti: Bewegung, Sport, Gesundheit ausführlichstens zusammengefasst).

Und hier, Jügi, komme ich endlich zum Punkt.
Dass erstens 2G (bei den aktuell vorhandenen Impfstoffen gegen COVID, bei den aktuell vorhandenen Virenstämmen von COVID) kompletter Bullshit ist. (Der Einzige, der innerhalb der Testunsicherheit kein Virenträger ist, ist der Getestete 3. "G", oder der "+".)
Das zweitens jede Einschränkung, Sport auszuüben – insbesondere im Freien! - unter der Bevölkerung, gelinde gesagt, ein Massaker anrichtet: Diese seit Monaten und Jahrzehnten bekannten und reichlich erforschten Tatsachen möchten, wie erwähnt, die Regierungen vieler Länder, Heerschaaren von Politikern, Myriaden von telegenen Selbstdarstellern, und auch viele Ärzte einfach nicht begreifen.
Niemand der politisch einflussreichen Entscheidungsträger hat bisher mit - einer von mir ersichtlichen - Vehemenz gegen die Einschränkungen für Sport protestiert

Ich habe nun aber wirklich nicht das geringste gegen die OLG Suhr und möchte ihre Fähigkeit zu differenzieren oder individuelle Lösungen zu finden auch nicht schlechtreden, ich meine, wie käme ich denn dazu?
Aber Jügi sag mir doch bitte: Warum glaubst du, dass ausgerechnet die für den 3G-Entscheid Verantwortlichen der OLG Suhr oben erwähnte Tatsachen umsetzen sollten?
(Ich meine, zu welchem Zeitpunkt bist du dir absolut sicher, dass alle anderen die Geisterfahrer sind, und was nützt dir dieses Wissen in der konkreten Situation?)

Und warum raunzst du die arme OLG Suhr an, und nicht – wenn schon – die politisch durchaus zu belangenden und versierten Exponenten des SOLV-Präsidiums, die solchen Blödsinn offenbar dulden, oder schlimmstenfalls sogar noch gutheissen?
Oder warum nicht die etablierten Gesundheitspolitiker, die sich meines Erachtens nicht, oder für mich überhaupt nicht ersichtlich, für den Gesundheitssport im Allgemeinen, und für den OL im Besonderen, innerhalb der COVID-Pandemie einsetzen?

Wie gesagt, du hast in meinen Augen komplett Recht, Jügi. Aber ich verstehe dich trotzdem nicht.

Gruss
Roger
Letzte Änderung: 8 Monate 2 Wochen her von Roger Vogel.

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8 Monate 2 Wochen her - 8 Monate 2 Wochen her #1682 von Markus Weber
Markus Weber antwortete auf Suhr by Night
Werter Jügi

Die Bundesverfassung regelt das Verhältnis zwischen den verschiedenen Zuständigkeiten des Staatswesens (Bund, Kantone, Gemeinden) und sämtliche Gesetze, Verordnungen und Erlasse des Staatswesen sind ihr unterstellt. Damit erhellt sich, das z.B. das Diskriminierungsverbot in Art. 8 der Bundesverfassung (BV) für das öffentliche Recht und seine Vollzugsorgane (Behörden, Gerichte, etc.) Gültigkeit hat. Dies bedeutet auch, dass für Handlungen von Privaten untereinander das Diskriminierungsverbot in der BV keine direkte Wirkung entfalten kann. Es gilt die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) und darin eingeschlossen die Vertragsfreiheit. Du kannst Dich also nicht auf die Bundesverfassung berufen, da diese in diesem Fall keine Rechtswirkung hat. Ausser die OLG Suhr ist eine Behörde, was ich jedoch bezweifle.

Du könntest auf eine Persönlichkeitsverletzung nach Art. 28 Zivilgesetzbuch (ZGB) klagen, wobei Deine Chancen ziemlich klein sind. Du müsstest nämlich belegen, dass die Massnahme der OLG Suhr ausschliessliche gegen Deine Person gerichtet ist. Eine allgemeine Massnahme gegen eine Gruppe (Ungeimpfte) ist zivilrechtlich nicht einklagbar. Zudem könntest Du oder die Gruppe sich ja testen lassen um die Bedingungen zu erfüllen, die Massnahme stellt also keinen alleinigen Hinderungsgrund dar.

Auch die WO hilft Dir nicht wirkliche weiter. Zuerst musst Du unterscheiden zwischen einem Anlass der auf der SOLV-Terminliste steht - nur für diese gilt grundsätzlich die WO des SOLV - und alle anderen Anlässe. Wobei auch in der WO Art. 50 dem Veranstalter die Möglichkeit gegeben wird, über Höchstzahl, Auswahl (z.B. nur Jugend) und Nichtzulassung von Läufer*innen zu entscheiden.

Die OLG Suhr könnte also den Nachweis einer Gelbfieber-Impfung für einen Start von den Teilnehmenden verlangen - vielleicht hat es ja ein Sumpfgebiet im Wald - ohne dass Du etwas dagegen machen kannst.

Ich hoffe diese juristische Antwort befriedigt Dich jetzt auch wenn sie Dir nach wie vor keine Teilnahme ermöglicht.

Markus Weber
Letzte Änderung: 8 Monate 2 Wochen her von Markus Weber.

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8 Monate 2 Wochen her #1681 von Jügi Pleuler
Jügi Pleuler antwortete auf Suhr by Night
Liebe OL-Freunde

Es ist interessant, dass offensichtlich nur «Aussenstehende» zum Thema Zertifikatspflicht für OL-Trainings eine Meinung haben. Wo bleiben hier die «Innenstehenden»? Haben diese vom OL-Verband ein Redeverbot auferlegt bekommen oder reicht ihnen Windschattenfahren - wie es Christoph Salzmann so treffend formuliert hat?

Mit leichtem Erstaunen habe ich die Ausführungen von Julian Bleiker gelesen. Da wir leider beide keine Juristen sind, müssen wir uns wohl weiterhin mit Spekulationen begnügen. Meines Wissens gäbe es in der hiesigen Community jedoch genügend Fachspezialisten - sogar bis in höchste Bundesämter…

Wenn ich der Argumentation von Julian folgen Rechnung tragen will, dann wäre das für alle Veranstalter quasi ein Freipass die abstrusesten Bestimmungen festzulegen. Kann sie diese durchsetzen? Wenn ja, mit welchen Mitteln? Zu meiner Aktivzeit gab es eine WO in welcher beinahe jeder O-Furz geregelt war. Findet sich hier ein Passus darüber, dass Veranstalter in FREIER WILLKÜR Weisungen erstellen dürfen? Müsste es nach 2 Jahren C-Herrschaft nicht langsam Grundlagen im Umgang mit der Pandemie auch von Verbandsseite aus geben? Was wenn die OLG Guggershörnli am nächsten OL-Training in ihren Weisungen vermerkt: «Alle Teilnehmer müssen einen amtlich beglaubigten IQ von 130 vorweisen da ansonsten eine akute Gefährdung 0.5% hochbegabten Mitglieder der OLG Guggershörnli in Kauf genommen werden muss». Ihr findet das absurd? Ich auch, genau so absurd, wie eine Zertifikationspflicht für ein OL-Training mit maximal 60 Personen.

Drehen wir doch den Spiess ganz einfach um. Wie ich in meinem im ersten Beitrag bereits geschrieben habe, freue ich mich auf den Trainings-OL «Suhr by Night» vom 23.02.2022 im Suhrhard. Ich bin motiviert und gewillt und an diesem Anlass teilnehmen - aber ganz sicher nicht mit einem 3G Zertifikat. Sollte ich damit irgendein Gesetz der Schweizerischen Eidgenossenschaft oder des Kantons Aargau verletzen, dann steht es der OLG Suhr frei, mich per «Staatsgewalt» von meinem Ansinnen abzuhalten. Vielleicht wäre hier sogar die Zuhilfenahme der Sondereinheit «Tigris» von Herrn Bundesrat Berset angezeigt? Wenn ich damit jedoch gegen kein geltendes Gesetz verstosse, dann ist und bleibt eine Verweigerung meiner Teilnahme WILLKÜR und DISKRIMINIERUNG!

Man sieht sich
Gruss Jügi

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8 Monate 2 Wochen her #1680 von Julian Bleiker
Julian Bleiker antwortete auf Suhr by Night
Guten Abend zusammen

Ebenfalls als Aussenstehender, vermutlich nicht als zukünftiger Besucher eines Suhr by Night's und als juristischer Laie:

So weit mir bekannt ist, handelt es sich bei Corona-Massnahmen (ob diese nun schützen oder nicht, möge jeder selbst interpretieren), die über die von Bund / Kantonen und evtl. auch einer Gemeinde (z.B. für die Nutzung von Garderoben einer Turnhalle) hinausgehen, um eine privatrechtliche Angelegenheit.

Sprich, wenn die OLG Suhr dies möchte, so kann sie (sie müsste ja nicht) durch die 3G-Bedingung alle Personen von einer Teilnahme ausschliessen, die die 3G nicht erfüllen. Genau gleich wie z.B. ein gut besuchter Nachtclub auch eine Selektion trifft, wen er denn nun hinein lässt... Oder ein OL-Veranstalter bei OL's, welche nicht unter die regionalen bzw. nationalen OL's gemäss WO fallen, nur bestimmte Teilnehmer-Gruppen zulassen könnte (z.B. nur JuniorenInnen, nur SeniorenInnen).

Über Sinn und Unsinn von 2G / 3G bei einer Veranstaltung, die sich grossmehrheitlich im Freien abspielt, lässt sich diskutieren... Aber ein Grundrecht in der Verfassung für eine Teilnahme an OL's gibt es meines Wissens nicht.

Ich sehe die Sache daher ähnlich wie Markus: Wie man denn nun zur P(l)andemie stehen möchte, Massnahmen als sinnvoll oder eben nicht empfindet oder sich durch die Impfung vor diesem C-Käfer schützen oder doch eher seinem Immunsystem vertrauen möchte, jede Handlung hat seine Konsequenzen. Schlussendlich gilt es abzuwägen, welchen Entscheid man treffen möchte, um mit den jeweiligen Konsequenzen zu leben. Diese Freiheit haben wir nach wie vor in unserem Land. 3G abzulehnen, ist eine Möglichkeit, dann ist halt die Nicht-Teilnahme an gewissen Anlässen eine Folge.

Bis bald im Wald
Julian Bleiker
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