Noah Rieder
"Zum zweitletzten Posten hättest Du die Umfahrungsroute  nehmen
müssen" meint Nationaltrainerin Schaffner. Brändli: "Ja, ich weiss,
schon gesehen..."
Noah Rieder
Simon Brändli, dreifacher Medaillengewinner mit seinem
Medaillensatz
In einem gegen Ende dramatischen Wettkampf konnte sich Simon Brändli seine dritte Medaille an diese Titelwettkämpfen erkämpfen. Allerdings benötigte Brändli heute auch eine gute Portion Glück, um einen dreifachen finnischen Sieg zu verhindern: Samuel Pokala, der zweifache Weltmeister schien auf sicherem Weg, seinen dritten Titel einzufahren, bevor ihm zum zweitletzten Posten ein fataler Fehler unterlief

Die Langdistanz in einem Waldgebiet rund um Kuortane bot alles, was diesen Sport so spannend macht. Verschiedene Unterlagen von befahrbarem Wald, sandigem Untergrund über sehr schnelle Waldwegpassagen wechselten sich laufend ab und forderten den Fahrer physisch wie mental alles ab. Herausfordernde Routenwahlprobleme auf der rund 40 Kilometern langen Strecke trugen ihren Teil zu einem packenden Wettkampf bei. Nach rund drei Vierteln der Strecke lagen noch fünf Fahrer mit Medaillenchancen innerhalb von einer Minute.

Dann die Schweizer Schrecksekunden: Brändli bekundete zum Posten 25 im Postenraum Mühe und verlor gegen 30 Sekunden. Eine weitere Medaille schien gefährdet. Zur gleichen Zeit führte im Ziel der Finne Andre Haga vor seinem Landsmann Pokala, der allerdings auf der langen Routenwahl zu Posten 26 einen fatalen Fehlentscheid traf: sich auf der richtigen Route befindend wendete er und wählte eine suboptimale Route über einen schlecht befahrbaren Pfad. Dieser taktische Fehler kostete ihn beinahe drei Minuten und eine sicher geglaubte (Gold)medaille.

Überhaupt dieser zweitletzte Posten: Die Fahrer mussten sich zwischen einer kürzeren, direkten Route mit viel O-technischer Arbeit und kleineren Wegen oder einer massiv längeren Umfahrungsroute entscheiden, über welche auf ungefähr 6 Kilometern gut 1,5 Kilometer (!) mehr zu bewältigen waren. Brändli wählte zwar die langsamere „Direttissima“ und benötigte in der Folge auch ein wenig Glück, damit er aber trotzdem die Bronzemedaille in Empfang nehmen durfte. Neben dem Missgeschick von Pokala hielt diese Teilstrecke nämlich ein weiteres Drama bereit: der Russe Anton Foliforov, welcher sich ebenfalls im Kampf um zumindest diese Bronzemedaille befand, hatte auf dieser Teilstrecke einen Kettenriss zu verzeichnen, musste aufgeben und erreichte niedergeschlagen zu Fuss das Ziel.

Im Rennen der Junioren wusste der Lysser Noah Rieder wieder zu überzeugen. Zwar startete er ein wenig zögerlich ins Rennen, wählte zu Posten 2 eine zu defensive Route und handelte sich bis zur ersten Zwischenzeit eine schon relativ grosse Hypothek ein. Im weiteren Verlaufe des Rennens konnte er sich aber stetig steigern und kämpfte sich vom zwischenzeitlich 13. Rang auf den 5. Range vor und durfte somit ein weiteres Diplom in Empfang nehmen.

Am Donnerstag stehen in Finnland zum Abschluss der Weltmeisterschaften die Staffeln auf dem Programm. Um den Finnen, Tschechen und Russen die Medaillen streitig zu machen, müsste bei den Schweizern alles zusammenlaufen. "Doch wer weiss, vielleicht gelingt uns ein Exploit und wir können die drei Nationen herausfordern" meinte Brändli im Interview auf die entsprecheden Frage.

Ranglisten, Live Stream (Web-TV), Live GPS, Live-Resultate, Karten, Fotos der Langdistanz:
https://orienteering.sport/event/world-mtb-orienteering-championships-2021/long/


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