Wie schon gestern musste sich Ursina Jäggi im Kampf um die Bronzemedaille nur knapp geschlagen geben. In der heutigen Langdistanz fehlten ihr mit Rang 4 schlussendlich nur 14 Sekunden aufs Podium

Polen scheint ein gutes Pflaster zu sein: Vor 16 Jahren bestritt Ursina Jäggi dort ihre ersten internationalen Wettkämpfe. Und vor 11 Jahren gewann sie, ebenfalls in Polen, mit Silber im Sprint die letzte von zwei Einzelmedaillen an Europa- oder Weltmeisterschaften. Und so nahe wie dieses Jahr kam sie einer solchen seither nie mehr. Gestern fehlten ihr bei ihrem 5. Rang im Sprint nur neun Sekunden zu Bronze und heute in der Langdistanz bei ihrem 4. Rang vergleichsweise mit 14 Sekunden noch weniger.

Die Fernsehbilder der Liveübertragung machten deutlich: Die von Jäggi kurz vor dem Ziel eingeholte Celine Wellenreiter umarmte diese nach der Zieldurchfahrt, gratulierte ihr begeistert und unterstrich, dass der Brittnauerin eine gute Langdistanz gelungen ist. „Ich hatte ein sehr gutes Rennen und kann mir sicher nichts vorwerfen. Einen bewussten, aber kleinen Fehler hatte ich nur zu Posten 4 zu verzeichnen“, fasst Jäggi zusammen. „Im Vorfeld hätte ich auf jeden Fall unterschrieben für einen vierten Platz“. Auf die Frage nach dem Gefühl unterwegs meinte sie: „Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich die vor mir gestartete Französin überholt habe, allzu schlecht war ich also sicher nicht unterwegs. Nach Posten 15 realisierte ich die Anstrengung und musste mich bewusst konzentrieren, dass ich bis zum Ziel den „Grind“ bei der Sache behielt. Auf jeden Fall ist der 4. Rang ein schönes Resultat“. Celine Wellenreiter zeigte sich gegenüber gestern mit dem 14. Rang leicht verbessert. „Ich machte keine groben Fehler und die Routenwahlen schienen mir auch zu gelingen, was sich aber wohl erst in der Analyse zeigen wird. Allerdings hatte ich auf der zweiten Schlaufe das Gefühl, dass ich das Rennen fast zu langsam angegangen bin und noch vorrätige Energie besitze. Vielleicht habe ich noch ein wenig Mühe mit der Einteilung der Rennen, es war aber auch erst meine dritte Langdistanz auf diesem Niveau“. Jana Lüscher Alemany büsste gegenüber gestern zwei Ränge ein (25.) und hofft nun auf die morgige Mitteldistanz.

Dem Herrenteam blieb ein absolutes Spitzenergebnis verwehrt, zeigte aber wiederum eine sehr stabile und kompakte Leistung. Nach rund einem Drittel des Rennens lag Silas Hotz noch an 6. Stelle, baute aber in der Folge ein wenig ab. Dabei hat er sich völlig verausgabt, hatte eigentlich einen guten Lauf und war enttäuscht, dass es nicht für mehr gereicht hat. Adrian Jäggi seinerseits hatte nach eigener Aussage zum wiederholten Male Mühe ins Rennen zu finden. „Ich hatte zwar ein gutes Gefühl, wählte dann aber zu Posten 6 eine zu offensive, direkte Route, machte aber gegen Schluss in der Ausführung einen Fehler und verlor auf dieser Teilstrecke beinahe 4 Minuten auf die Bestzeit“. Danach gelang ihm aber ein beinahe fehlerfreies Rennen. „Ohne diesen Fehler wäre vielleicht ein Top-Ten Resultat möglich gewesen. Aber weiter nach vorne hätte es nicht gereicht: das Rennen hat zwar Spass gemacht mit einigen spannenden Querrouten, aber für mich war es einfach zu flach mit zu wenig Höhenmetern“, zeigte er sich realistisch. Wie gestern zeigten die Herren eine geschlossene Teamleistung und klassierten sich alle innerhalb 1:50 Min in den Rängen 15 (Jäggi), 18 (Hotz), 21 und 22 (Flurin Schnyder und Noah Rieder).

Schnyder absolvierte in der Vorbereitung einige WER-Rennen in Polen. „Dadurch habe ich sicher ein wenig das Gefühl bekommen, wo es sich lohnt querzufahren. Meine Taktik war eher, das Querfahren zu meiden“, meinte er auf eine entsprechende Frage. Und Noah Rieder schlussendlich beschrieb den Wettkampf wie folgt: „Megahart. Nach einer anfänglichen Querroute wäre ich beinahe gestürzt und musste ein wenig Zeit investieren um meine verschobene Sattelstütze zu richten. Ausserdem erwischte ich wohl einmal nicht die ideale Route, aber im Grossen und Ganzen lief alles OK, es war einfach wirklich megahart.“ Und das Querfahren? „Dies war wohl heute nicht megaentscheidend und vielleicht, wie auch bei meinem Fall eine schlechte Entscheidung. Morgen in der Mitteldistanz wird es eher darauf ankommen. Doch wir haben uns in der Vorbereitung darauf eingestellt“, schaute der Lysser voraus.

Gestern fehlten der Newcomerin Malin Röhrl bei ihrem ersten Einsatz an internationalen Titelkämpfen bei den W17 nur 6 Sekunden zu Bronze. Und mit einem 7. Rang heute hat Röhrl ihr gelungenes Debut bestätigt. „Es lief mir fast ebenso gut wie gestern. Ich hatte nur einen kleinen Fehler zu verzeichnen, konnte aber schnell korrigieren“, meinte sie nach dem Lauf. „Ich freue mich nun sehr auf die Mitteldistanz und hoffe es wird kartentechnisch auch so schwierig wie heute und nicht so einfach wie gestern am Sprint.“

Seine Meriten hat Noé Henseler bei den M17 längst erreicht. Bei den M20 allerdings muss er anerkennen, dass für ihn als Jungspund die Trauben höher hängen. „Es war definitiv härter und länger als noch letztes Jahr. Ich habe eigentlich nicht ganze Zeit gelitten. Ausserdem bin ich auch noch dreimal gestürzt, was mich aus dem Konzept brachte“, zeigte er sich nicht ganz zufrieden mit dem heutigen Tag. Mit seinem 19. Rang konnte er sich zwar nicht ganz in der ersten Ranglistenhälfte halten, allerdings ist zu bedenken, dass er noch volle drei Jahre Zeit hat, sich in dieser Kategorie zu bestätigen.

Hier gehts zu den Resultaten: Men, Women, M20, W17 und zum Livetracking: Men, Women

 (Text: Thomas Bossi, Interviews: Sabrina Meister)