An den Bike-OL Europameisterschaften in Polen überrascht Malin Röhrl bei den W17. Wie schon beim Sprint erreichte die Ostschweizerin in der Mitteldistanz einen erfreulichen 4. Rang. Bei den Damen musste die bisher überzeugende Ursina Jäggi einen kleinen Rückschlag in Kauf nehmen

Malin Röhrl hoffte nach der Langdistanz auf ein schwieriges Rennen. Zwar stelle sich die Mitteldistanz als sehr physisch und technisch nicht allzu anspruchsvoll heraus, dennoch konnte Röhrl wie schon im Sprint überzeugen. Und wieder fehlte mit 26 Sekunden nicht viel zur absoluten Überraschung. „Es war ein sehr schöner Wald, die Wege waren gut sichtbar und auch die Karte war sehr gut gezeichnet. Ausser einem kleinen, ein wenig ärgerlichen Fehler bin ich gut durchgekommen“, meinte Röhrl. Sie habe schon gehofft, an dieser EM vorne mithalten zu können, „dass es nun gleich zu drei Top-Ten Plätzen gereicht hat, hätte ich aber nicht gedacht.“ Auf jeden Fall waren ihre ersten internationalen Titelkämpfe „eine coole Erfahrung“.

Bei den Damen wusste Ursina Jäggi bisher mit den Rängen 4 und 5 zu überzeugen. Heute nun musste sie einen kleinen Rückschlag hinnehmen. „Mein Rennen war nicht sehr toll. Ich hatte ein wenig Respekt vor dem Querfahren.“ So summierten sich einzelne kleine Fehler: „Zu Posten 9 beispielsweise konnte ich mich nicht so recht entscheiden ob links oder rechts durch und wählte mit einer Mittelvariante wohl die schlechteste Lösung.“ So verlor sie bis zur ersten Zwischenzeit viel Zeit und lag damit schon entscheidend zurück. In der zweiten Hälfte gelang ihr aber ein stabiler Lauf und sie arbeitete sich so noch auf Rang 11 vor.

Auch nicht zufrieden war heute Celine Wellenreiter: „Vor allem im Mittelteil verpasste ich oft kleine Wege und zeigte Unsicherheiten, welche mich jeweils zwischen 20 und 40 Sekunden kosteten. Zudem habe ich sicher eine Routenwahl verpasst.“ Diese Fehler summierten sich, was Wellenreiter ärgerte, da “heute aufgrund meines Rückstandes sicher mehr möglich gewesen wäre.“

Jana Lüscher Alemany war mit ihrem Rennen weniger glücklich als an den Vortagen: „Zu Beginn fuhr ich ein wenig zu viel quer und musst immer wieder sich verhakende Äste entfernen. Zum Glück blieb aber das Fahrrad heil. Und zu Schluss verpasste ich noch eine Abzweigung und verlor entsprechend Zeit.“ Grundsätzlich war sie aber mit ihren Leistungen an der EM zufrieden. Zudem gelang ihr einmaliges: in den Live Results war ihre Endzeit schneller als ihre Zwischenzeit. Dies veranschaulicht ein wenig die technischen Probleme, welche die Veranstalter bisher mit den Zeiten hatten. Es war nicht immer leicht, als Aussenstehender dem aktuellen Rennverlauf zu folgen. Besonders schade und auch ein wenig unbegreiflich war, dass das Live Tracking jeweils erst nach den Wettkämpfen aufgeschaltet wurde.

Die Herren zeigten wie schon in den Tagen zuvor eine kompakte Gesamtleistung, wobei der ganz grosse Exploit ausblieb. Mit den Rängen 15 (Jäggi), 19 (Hotz), 21 (Rieder) und 25 (Schnyder) wurden die Resultate der Vortage bestätigt. Silas Hotz konnte sich nicht ganz von der gestrigen Langdistanz erholen. „Ich spürte heute, dass mir die Langdistanz alles abverlangt hatte.“ Lange war er aber sehr gut unterwegs. Gegen Ende verlor er beim Querfahren einerseits aufgrund einer problematischen Kartierung andererseits aufgrund eines selbstverschuldeten Richtungsfehlers noch rund 2 Minuten. „Mit diesem Zeitverlust resultierte deshalb wieder nur ein mittelmässiges Resultat“, war er immer noch ein wenig enttäuscht.

Adrian Jäggi erwähnte „dass es ein wie erwartet sehr physisches Rennen war. Wohl niemand kam ganz ohne Fehler durch, weil es doch immer auch ein Abwägen zwischen Vollgas fahren und den Kopf-bei-der-Sache-haben ist.“ Wie schon in der Langdistanz hätte er gerne mehr Höhenmeter gehabt, war aber grundsätzlich nicht unglücklich über die Mitteldistanz.

Um alles auzureizen hätte Noah Rieder vielleicht noch die eine oder andere Querroute mehr wählen können: „Im Gegensatz zu gestern, wo es vor allem um Routenwahl und Umsetzung ging, boten sich heute einige Querrouten an, da der Wald auch offener war. Sicher ein spannenderes Rennen als die Langdistanz.“

Ein schwierigeres Rennen erhoffte sich Flurin Schnyder. „Es hatte zwar schon schwierige Teile, dennoch war es aber vor allem ein physisches Rennen.“ Und zum ungewohnten Querfahren bemerkte er, dass „ich mehr quergefahren bin, als ich mir zu Beginn der EM vorgenommen hatte, da die Querrouten teilweise sehr viel kürzer waren, als die Strecke auszufahren. Dies ist mir aber nicht immer perfekt gelungen.“ Mit seinen konstanten Resultaten immer um die Top-Twenty darf der Berner in seiner ersten Elite-Saison aber sicher zufrieden sein.

Bei den Junioren gelang Noé Henseler ein ein solides Rennen. „Ich startete sehr gut und schnell ins Rennen, was sich auch in den Zwischenzeiten zeigte“. Nach einem kleinen Fehler wurde er vom nach ihm gestarteten und physisch starken Franzosen Augustin Leclere eingeholt und versuchte, anzuhängen. Unglücklicherweise übersah er nach Posten 14 während des Kartenlesens einen Baumstrunk, stürzte, musste sein Vorderrad richten, was ihn rund 2 Minuten und vor allem den Kontakt zum Franzosen kostete. „Ich leide schon noch ein wenig, der Rücken schmerzt aber, es ist OK.“ Schlussendlich platzierte er sich mit Rang 16 exakt in der Mitte seiner bisherigen Rangierungen (13. Im Sprint und 19. In der Langdistanz) – deshalb vielleicht auch der Name Mitteldistanz.

Zum Abschluss der EM wird am Sonntag noch die Mixed Staffel abgehalten. An der letzten EM in Portugal gelang der Schweiz in der Besetzung Noah Rieder, Ursina Jäggi und Adrian Jäggi mit dem Gewinn eine faustdicke Überraschung. Aufgrund der bisherigen Resultate an dieser EM sind aber andere Nationen sicher zu favorisieren, allen voran die dominierenden Tschechen und Finnen. Und auch die Damen und Herren aus Litauen zeigten mit diversen Medaillengewinnen, dass ihnen das Gelände in Polen liegt. Doch wie wir alle wissen haben Staffeln ihre eigenen Gesetze: noch ist die Schweiz in Polen nicht verloren!

Hier gehts zu den Resultaten: Men, Women, M20, W17 und zum Livetracking: Men, Women

(Text: Thomas Bossi, Interviews: Sabrina Meister)