Zum Abschluss der Bike-OL-Weltmeisterschaften verpassten die beiden Schweizer Teams einen weiteren Exploit nur hauchdünn. Den Herren fehlte im Schlusssprint gegen Frankreich eine einzige Sekunde im Kampf um Bronze. Die Damen konnten zwar ihren Überraschungscoup aus dem Vorjahr nicht wiederholen, zeigten aber mit Rang fünf und dem Diplom eine stabile Leistung.

Mit dem Staffelwettbewerb ging in Polen eine intensive und hochspannende WM-Woche zu Ende. Wie schon an den Tagen zuvor überzeugten die Organisatoren mit cleveren Bahnen und einem abwechslungsreichen, aber auch kräfteraubenden Gelände. Der sandige Untergrund machte die direkte Linienwahl riskant und verlangte von den Athletinnen und Athleten kluge Entscheidungen - wer die festeren Umfahrungen auf den Trails nutzte, konnte wertvolle Sekunden gutmachen.

Herrenstaffel: Zweimal Sekundenentscheid im Zielsprint – zu Ungunsten der Schweiz

Das Männerrennen bot alles, was ein packender Finaltag verspricht. Kronfavorit Finnland setzte zunächst ein Ausrufezeichen: Vizeweltmeister im Massenstart, Tomy Nykanen, fuhr die Konkurrenz mit einer entfesselten Vorstellung regelrecht in Grund und Boden und übergab mit über drei Minuten Vorsprung. Doch die beiden Routiniers Samuel Pokala und Andre Haga gaben diese komfortable Führung überraschenderweise wieder preis - zu viele kleine Fehler summierten sich. Am Ende nutzte Schlussfahrer Krystof Bogar die Gunst der Stunde und führte die sich im Laufe der Woche enorm steigernden Tschechen erneut zum Titel.

Im Schatten der beiden dominierenden Nationen entbrannte ein Dreikampf um Bronze. Frankreich, die Schweiz und Litauen lieferten sich ein Duell auf Messers Schneide, das erst auf der Zielgeraden entschieden wurde. Adrian Jäggi, der die Schweizer mit einem furiosen Lauf noch einmal in Schlagdistanz brachte, mobilisierte alles - doch Frankreichs Armel Berthaud rettete den dritten Platz mit einer einzigen Sekunde Vorsprung ins Ziel.

Tapfere Schweizer knapp geschlagen, aber mit guter Teamleistung

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Flurin Schnyder übergibt an den sich bedeckt gebenden Noah Rieder

Die Schweizer zeigten dennoch eine geschlossen starke Teamleistung: Flurin Schnyder legte mit einem stabilen Start den Grundstein: „Ich habe mich sehr gefreut in diesem Superteam zu fahren. Ich bin zufrieden mit meinem Lauf, einmal war ich ein wenig unsicher und habe ein wenig Zeit verloren. Aber sonst konnte ich gefühlsmässig gut mithalten und habe ein solides Rennen abgeliefert.“ So konnte Noah Rieder an guter (nationenbereinigter) fünfter Position übernehmen, ganz nach der Schweizer Taktik, sicher zu beginnen und ohne Fehler durchzukommen. „Ich bin sehr sicher gefahren und habe vielleicht an der einen oder anderen Stelle mehr rausgenommen als nötig gewesen wäre, denke aber dennoch, dass dies die richtige Entscheidung war“, meinte Rieder. Auf der letzten Strecke machte Adrian Jäggi das Rennen bis zum Schluss spannend, kämpfte sich beherzt von hinten heran, machte fast zwei Minuten auf die Franzosen gut und zeigte dabei grosse Moral – auch wenn am Ende das letzte Quäntchen Glück fehlte: „Am Anfang konnte ich mit Jonas Maiselis starten, hatte allerdings nicht die gleichen Gabelungen. Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Rennen, kontrolliert und mit gutem Tempo. Danach habe ich immer wieder Leute eingeholt, wenn ich aber im Tram unterwegs war, bin ich meistens vorneweg gefahren, was sich aber gelohnt hat, denn immer sind wieder Leute zurückgefallen“, beschrieb er sein Rennen bis zur Medaillenentscheidung. „Ganz zum Schluss war ich mit Jonas noch zu Armel Berthaud aufgefahren. Zum drittletzten Posten hatte ich ein wenig Rückstand, wollte aber den Sprint nicht von hinten beginnen. Da bin ich voll Risiko gegangen und habe im Wald abgekürzt, was schneller war als die sandige Umfahrungsroute. Da ich aber nicht genau wusste, wo ich wieder auf den Weg kam, machte ich kurz einen Sicherheitsstopp, so dass mich Armel wieder überholen konnte, was wohl entscheidend für die Sekunde Rückstand war. Klar, es ist sehr schade, eine Medaille wäre sicher dringelegen, aber mit dem Rennen bin ich sehr zufrieden. Ich hatte zu anderen Gelegenheiten auch schon Glück, das kommt dann schon wieder.“ Da dürfen wir uns ja schon auf das Jahr 2026 in Schweden freuen.

Damenstaffel: Verdientes Diplom

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Celine Wellenreiter in der Hektik des Staffelstarts

Auch bei den Damen wurde es ein Wettstreit auf höchstem Niveau. Der Kampf um Gold entwickelte sich zum offenen Schlagabtausch zwischen den favorisierten Tschechinnen und den Däninnen – mit dem besseren Ende für Tschechien. Dahinter schien die Schweiz lange auf Podestkurs: Celine Wellenreiter brachte das Team solide, aber mit einem ungewöhnlichen Fehler ins Rennen. „Der Start war ein wenig hektisch, da alle zuvorderst im Feld sein wollten. Als ich mit an der Spitze lag, habe ich leider eine (zum Glück kurze) Schlaufe verkehrt rum abgefahren, und musste diese nochmals absolvieren. Dies kostete mich zwar nur ca. eineinhalb Minuten, aber ich habe dadurch den Kontakt mit dem schnellen Tram verloren. Das Rennen hätte sich vielleicht anders entwickelt, wenn ich Jana an der Spitze hätte ins Rennen schicken können“, bedauerte Wellenreiter das Missgeschick. Jana Lüscher Alemany startete daher alleine in ihren Lauf. Am vierten Posten machte sie einen Fehler, zeigte danach aber einen beherzten Lauf: „Es ist danach ziemlich gut gegangen, ich fuhr eine Zeit auch zusammen mit der Französin und der Schwedin, habe mich aber immer selber orientiert und bin vorneweg gefahren“, meinte sie und übergab schliesslich an vierter Stelle an Ursina Jäggi. Diese hatte keinen idealen Start: „Ich habe schon zum Startpunkt den ersten „Seich“ gemacht, als ich am Vorlesen war. Ich hatte die Pflichtstrecke irrtümlicherweise zu früh verlassen. Danach war das Tram, welches kurz nach mir gestartet ist, schon an mir vorbei.“ Grundsätzlich war es aufgrund der Gabelungen, welche sehr viel ausmachten, schwer einzuschätzen, an welcher Stelle man lag. Auch Jäggi wusste nach einem für sie zufriedenstellenden Lauf nicht, um welchen Platz sie schlussendlich kämpfte: „Beim letzten Überlauf habe ich gehört, dass die Schwedin relativ nahe hinter mir war und habe das Beste gegeben, dass mich diese nicht einholt. Ich hatte keine Ahnung, um welchen Platz wir gefightet haben. Ich bin aber eigentlich relativ zufrieden mit meinem Rennen und finde auch als Team haben wir mit dem Diplom das erreicht, was heute möglich war.“ Die Schweiz musste sich schlussendlich mit Rang fünf zufriedengeben - ein Resultat, das nach der überraschenden Bronzemedaille im Vorjahr dennoch alle Achtung verdient.

Sehr gute Gesamtbilanz an der WM 2025

Auch wenn es am Finaltag nicht ganz zu Edelmetall reichte, hinterliessen beide Teams einen starken Eindruck. Der verpasste Podestplatz bei den Herren mit nur einer Sekunde Rückstand zeigt, wie nah die Schweiz inzwischen an der Weltspitze dran ist – und lässt auf die kommenden internationalen Aufgaben hoffen. Die ganze WM mit fünfmal Edelmetall, drei Diplomen (davon zwei in der Staffel) und weiteren Top-Ten Plätzen belohnte das Team um Nationaltrainerin Christine Schaffner für ihren enormen Einsatz während der letzten Jahre.

Live TV, GPS und Liveresulte: https://orienteering.sport/event/cx80-world-mtb-orienteering-championships-2025/welcome/

Offizielle Webseite des Veranstalters: https://wmtboc2025.pl/en

(Text: Thomas Bossi, Interviews: Sabrina Meister, Bilder: Katrin Remund (Bilder Titel) und Ursula Häusermann (Bilder Text))