Mit Julia Gross auf Rang 3 und Matthias Kyburz als Vize-Europameister über die Langdistanz ging die EM 2018 im Tessin zu Ende. Für das Schweizer Team war es ein einziges Surfen auf der Erfolgswelle: Elf Medaillen, davon fünf Mal Gold gewann das Schweizer Team – besser geht es nicht.

Den Auftakt zum letzten Wettkampf über die Langdistanz in Tesserete machten die Frauen. Die relativ früh18 EOC2018 Julia Gross L gestartete Julia Gross setzte dabei auf den 11,3 Kilometern eine erste Marke – eine Marke, die am Schluss mit der Bronzemedaille belohnt wurde. Denn neben der völlig entfesselten Schwedin Tove Alexandersson und der in der Schweiz lebenden Russin Natalia Gemperle kam niemand mehr an die Zeit von Gross heran.

„Technisch bin ich gut gelaufen, und ich konnte immer pushen. Ich habe gezeigt, dass ich es drauf habe und bin mit meinen EM-Leistungen sehr zufrieden. Aber einen Vergleich, ob das Staffel-Gold oder die Einzel-Bronzemedaille für mich mehr zählt, will ich nicht machen", sagte eine überglückliche Julia Gross.

Sabine Hauswirth zeigte in ihrem ersten Lauf über die Langdistanz seit ihrer Verletzung eine erstaunliche Leistung: Obwohl sie tempomässig nicht mit den Besten18 EOC2018 Hauswirth L mithalten konnte, schaffte sie es auf den 4. Rang, 2.16 Minuten hinter Gross. „Technisch war mein Lauf völlig in Ordnung, aber mir hat heute einfach ein höherer Gang gefehlt – schneller ging nicht", sagte Hauswirth im Ziel. „Aber nach zweieinhalb Monaten ohne Lauftraining durfte ich ja auch kein Wunder erwarten."

Lokalmatadorin Elena Roos wusste nicht so richtig, ob sie sich freuen sollte oder nicht. Rang 10 mit etwas über elf Minute Rückstand entsprach nicht wirklich ihren Erwartungen. „Ich habe einen gröberen Fehler bei Posten 7 gemacht, als ich einen Weg hinauf statt hinuntergelaufen bin. Ich konnte mich auffangen, kurz danach holte mich aber Natalia Gemperle ein. Ich habe seit ein paar Tagen Rückenschmerzen, die mich nicht physisch, aber mental etwas gehemmt haben. Aber ein 10. Rang ist keine Katastrophe", sagte die Tessinerin.

Mit Lisa Holer auf Rang 17 und Sarina Jenzer als 20. klassierten sich alle Athletinnen des Schweizer Team in den Top 20 – ein sehr starkes Teamergebnis.

Endlich: Erste Long-Medaille für Matthias Kyburz

Sogar noch etwas stärker als die Schweizer Frauen schlossen die Männer diese Langdistanz ab: Mit Matthias Kyburz18 EOC2018 Kyburz L als Silbermedaillen-Gewinner, den Gebrüdern Hubmann auf Rang 5 (Daniel) und 6 (Martin) sowie Fabian Hertner auf Rang 8 waren die Schweizer das dominierende Team in der Königsdiziplin Langdistanz, die im heutigen Wettkampf auf 14,9 Kilometern mit über 900 Höhenmetern gespickt war.

Lange Zeit lag dabei Matthias Kyburz in Führung, er der noch nie an einem internationalen Wettkampf über die Langdistanz eine Medaille gewinnen konnte. Gegen den immer stärker aufkommenden Olav Lundanes reichte es dann aber nicht ganz: Rang 2, endlich die erste Medaille!

„Es ist genial, da ist sie endlich, meine erste internationale Medaille auf der Langdistanz. Ich habe im Schlussabstieg nach Tesserete einen Posten verfehlt, das hat mich sicher eine Minute gekostet, und ganz am Schluss im Hang bin ich nicht so gut gelaufen. Zudem spürte ich gegen Schluss, dass ich auf Krämpfe aufpassen muss. Meine EM-Bilanz mit vier Starts, vier Medaillen, je zweimal Gold und Silber ist einfach perfekt."

Lange Zeit in der Spitze vertreten war auch Daniel Hubmann, der aber im letzten Drittel verschiedentlich Zeit einbüsste und so auf den für ihn enttäuschenden 5. Rang lief. Ich habe den 25. Posten lange gesucht und wahrscheinlich auch einen gröberen Routenwahlfehler gemacht. Ich muss das zuerst analysieren, aber der Rang ist enttäuschend, klar", sagte Hubmann gefasst. Er bezeichnet seine EM-Bilanz als okay, aber nicht überragend.

Deutlich zufriedener war sein jüngerer Bruder, der bisher vor allem in Sprint-Wettbewerben für Furore gesorgt hatte.18 EOC2018 Martin Hubmann L In den Bergen rund um Tesserete lief er ein konstantes Rennen, war immer mehr oder weniger um den 6. Rang herum klassiert. „Ich bin sehr zufrieden, wie ich technisch durchgekommen bin. Es war ein gutes Gefühl, als ich Emil Svensk eingeholt habe. Er war physisch stärker, ich technisch. Dadurch konnte ich voll pushen, das war vor allem mental sehr gut. Gegen Schluss hatte ich leichte Krämpfe, weswegen ich um den Kontakt mit Svensk kämpfen musste", sagte Hubmann.

Neben Routinier Fabian Hertner, der lange Zeit nahe bei den Besten lief und 8. wurde, lief Joey Hadorn eine frühe Bestzeit. „Es war ein cooles Rennen. Ich wusste, dass es hart werden würde und habe bewusst versucht, die steilen Anstiege, wo immer möglich zu umlaufen. Auf dem Strich zu laufen war meistens nicht die schnellste Variante und hätte zuviel Kraft gekostet", sagte ein sichtlich zufriedener Hadorn. Andreas Rüedlinger, der als Nicht-Kaderathlet die Selektion als Höhepunkt bezeichnete, wurde 46.

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