Mirjam Würsten und Sanna Hotz bereiteten für Alina Niggli ideal vor. Vom zweiten Platz stürmte die unwiderstehliche Niggli zu Staffel-Gold und deklassierte dabei die Konkurrenz. Die drei anderen Schweizer Staffelteams nehmen mit den Plätzen vier (H16), fünf (H18) und sechs (D18) ein Diplom nach Hause.

Die Reisen an die Jugend-EM kommen meist einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang gleich. Besonders in diesem Jahr wusste Delegationsleiterin Mirjam Pfister nicht, mit welchen Erfolgen die Schweizer EYOC-Auswahl aus Bulgarien heimkehren würde. Das Team war international bis auf fünf Athletinnen und Athleten unerfahren. Angesichts der Ausgangslage überraschte das Schweizer Team mit vielen Top-Platzierungen. Es lieferte den Nachweis, dass die Schweiz auch im Nachwuchs weiter zu den besten Nationen zählt. Vor allem was die Breite anbelangt, wie die abschliessende Staffel offenbart: In sämtlichen vier Kategorien klassierte sich die Schweizer Staffel unter den ersten sechs. Den Höhepunkt besorgten ganz zum Schluss die D16-Läuferinnen mit ihrer Goldmedaille.

Auch die D18-Läuferinnen waren lange Zeit in Tuchfühlung mit den Medaillenplätzen. Mit Katja Brütsch entpuppte sich in Bulgarien die einzige Juniorennationalkader-Athletin als Leaderin der D18-Läuferinnen. Auch in der Staffel unterstrich sie ihr Potenzial: Die Schaffhauserin entschied die Startstrecke im Sprint für sich. Es war für Brütsch der dritte konstante Lauf auf höchstem Level im dritten Wettkampf. Im Sprint hatte die 17-Jährige eine Silbermedaille, über die Langdistanz ein Diplom gewonnen. Am Ende beklagten ihre Teamkolleginnen Siana Senn und Corina Hüni den einen Fehler zu viel, als dass es für eine Medaille gereicht hätte.

Ohne es zu bemerken auf Gold-Kurs

Da alle vier Kategorien nah aufeinander starteten, entwickelte sich die EYOC-Staffel zu einem hektischen Wettkampf. Die kurzen Strecken inklusive Schlussschlaufe trugen ihres zu einem unübersichtlichen Rennverlauf bei. So war sich Alina Niggli als Schlussläuferin der D16-Staffel beim Zieleinlauf nicht einmal bewusst, dass sie so eben die Goldmedaille mit über viereinhalb Minuten Vorsprung eingefahren hatte.

Schon Startläuferin Mirjam Würsten berichtete, sie habe weitgehend einen Sololauf absolviert. Die Bahnen waren sehr stark gegabelt – als Folge gab es grosse Abstände. „Erst durch die Trainer erfuhr ich, dass ich als zweite übergeben hatte", sagte Würsten. Sie hatte ideal für Sanna Hotz vorgelegt. Denn diese vermisste das fehlende Staffelfeeling keine Sekunde und zog in Ruhe ihren eigenen Lauf durch. „Ich war froh, mich nicht um andere kümmern zu müssen", sagte Hotz nach dem grossen Erfolg. Es war für die Aargauerin nach den nicht wunschgemäss geglückten Sprint und Langdistanz ein Befreiungsschlag. „Wir sind alle drei konstante Läuferinnen. Ich wusste, dass wir ein zufriedenstellendes Resultat erreichen können."

Aus den Erwartungen ein zufriedenstellendes Resultat zu schaffen, wurde ein Goldlauf. Hierfür sorgte die momentan stärkste D16-Läuferin Alina Niggli. An zweiter Stelle ging die Läuferin von ANCO auf die Schlussstrecke. Die Nichte von Simone Niggli machte den eineinhalbminütigen Rückstand auf die Tschechin wett, ohne dies zu bemerken. „Ich hatte das Gefühl, langsam unterwegs zu sein, aber fand mich technisch gut zurecht", sagte die 15-Jährige. Nigglis Gefühl täuschte sie: Ihr Lauf glich einer Machtdemonstration, wies sie doch letztlich viereinhalb Minuten Vorsprung auf die Konkurrenz aus.

Männerteams hinter der Spitze

Die beiden Männer-Staffelteams verloren von der Startstrecke weg den Kontakt zu den Medaillenplätzen. Beide arbeiteten sich mit soliden Läufen sukzessive vor und die an der EYOC überzeugenden Janis Hutzli (H16) und Jonas Soldini (H18) sicherten auf der Schlussstrecke das Diplom ohne Mühe und konnten Boden gut machen. Mit Rang vier respektive fünf rundeten sie das hervorragende Teamergebnis ab.

Drei OL-Wettkämpfe binnen 72 Stunden hatten noch nicht alle Kraftreserven gekostet. Die Schweizer Delegation holte nicht gegen Schweden, sondern gegen Norwegen, den WM-Achtelfinal vor und gewann diesen souverän. Dann gabs Glacé und ein Bad im Hotel-Pool bei gelöster Teamstimmung. Die Schweizer Delegation kehrt mit einer Gold-, zwei Silber-, einer Bronzemedaille und sieben Diplomen heim. Jonas Soldini, Katja Brütsch und Alina Niggli gewannen je zwei Diplome und eine Medaille. (Text: Yann Schlegel)

Das Schweizer Team landet morgen Abend um 20:10 von Belgrad kommend auf dem Flughafen Kloten. Sie freut sich über einen herzhaften Empfang von Angehörigen und Fans.

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