Die für den OL-Weltcup neue Disziplin mit Prolog am Vormittag und Jagdstart am Nachmittag sorgte für die gewünschte Dramatik. Joey Hadorn auf Rang sechs und Sabine Hauswirth als Siebte sorgten für die besten Schweizer Resultate.

Bei den Frauen waren die Abstände zuvorderst in der Rangliste nach dem Prolog bereits beträchtlich. Überfliegerin Tove Alexandersson aus Schweden startete mit einem Vorsprung von fast drei Minuten in das Jagdstartrennen, lief kontrolliert und liess die Konkurrentinnen kaum näherkommen. Mit den zwei Siegen in Norwegen konnte sie ihre Führung im Gesamtweltcup weiter ausbauen und wird höchstwahrscheinlich im Weltcupfinal in Tschechien ihren fünften Gesamtweltcupsieg feiern können. Rund drei Minuten hinter Alexandersson lieferten sich ihre Teamkollegin Karolin Ohlsson und die Russin Anastasia Rudnaya ein packendes Duell mit dem besseren Ausgang für Ohlsson, die nach dem dritten Rang gestern, zum zweiten Mal auf dem Podest steht in diesem Weltcupblock.

Hinter den ersten drei Frauen waren die Abstände geringer. So bildete sich im Laufe des Wettkampfs eine grössere Verfolgergruppe, der auch Sabine Hauswirth angehörte. Die Bernerin hielt sich stets in einer guten Position in der Gruppe und behielt die Nerven, wenn andere Athletinnen angriffen oder verschiedene Routenwahlen nahmen. Am Ende reichte es für Rang sieben, einen Platz besser als ihre Ausgangsposition nach dem Prolog. Ein sehr imposantes Rennen lief die Dritte der EM-Mitteldistanz und nach wie vor Juniorin, Simona Aebersold. Sie liess die fast gleichzeitig startenden Konkurrentinnen gleich zu Beginn hinter sich und lief über grosse Strecken des Rennens alleine. Ganz am Ende konnte sie zu den hintersten Frauen der Verfolgergruppe mit Hauswirth aufschliessen und hätte wohl noch weitere Gegnerinnen hinter sich gelassen, wäre das Rennen etwas länger gegangen. Es reichte zu Rang 17, mit nur einer Minute Zeitverlust im Jadgstart im Vergleich zur Siegerin Alexandersson. Zwei Plätze hinter ihr klassierte sich Sarina Jenzer, die am Nachmittag drei Plätze einbüsste.

20180901 WC Nor men
Fotofinish im Männerrennen


Enger war die Entscheidung im Männerrennen. Der Schwede Johan Runesson, welcher über eine Minute vor seinen Konkurrenten startete, wurde bald von den ersten Verfolgern eingeholt. Weil diese Gruppe, angeführt von Gustav Bergmann kurz vor der Zielpassage einen Fehler im Postenraum machte, kam die nächste Gruppe um Olav Lundanes näher und schloss kurz darauf zu den Führenden auf. So kam es zum Schlussspurt zwischen zwölft Athleten, darunter auch die Schweizer Joey Hadorn, Daniel Hubmann und Matthias Kyburz. Der Schwede William Lind konnte sich durchsetzen, hauchdünn vor Teamkollege Gustav Bergmann und Frédéric Tranchand aus Frankreich.

Bei den Schweizern hatte Joey Hadorn am Ende die besten Beine. Er stürzte sich im Pulk um Platz drei über die Ziellinie und wurde auf der Schlussrangliste als Sechster geführt. „Mitten in die Weltspitze zu laufen ist für mich natürlich sehr erfreulich, aber ich bin mir auch bewusst, dass es heute mehr ein Crosslauf für mich war, wo ich sehen konnte, wie man in diesem Gelände laufen kann. Ich hatte von Beginn weg den Plan mich an den Rücken des unmittelbar vor mir startenden Lundanes zu hängen. Am Ende des Rennens gab es viele Positionskämpfe in unserer Gruppe und spätestens als alle auf dem offenen Feld zum letzten Posten waren fing der Schlussspurt an", so der jüngste Athlet des Schweizer Teams. Nicht über die nötigen Reserven im Zielsprint verfügten Matthias Kyburz und Daniel Hubmann. Kyburz investierte zu Beginn des Rennens viel Energie, um die Lücke zur Gruppe mit Lundanes schliessen zu können, startete er doch über eine halbe Minute hinter dem Lokalmatador. Mit den Rängen neun und elf gab es zwar wieder wichtige Punkte für das Schweizer Duo im Gesamtweltcup, Olav Lundanes verkürzte mit dem fünften Rang von heute den Abstand jedoch erneut ein wenig. Ebenfalls unter die ersten Zwanzig lief Jonas Egger, der sein grandioses Resultat vom Vortag bestätigt.

Ob sich diese Disziplin, welche möglicherweise in einigen Jahren ins WM-Programm aufgenommen wird, durchsetzen kann, wird sich zeigen. Dass die technischen Anforderungen an die Athleten im Jagdstart eher durch taktische und physische Komponenten ersetzt werden, zeigt nicht zuletzt Hadorns Aussage nach dem Lauf. Text: Raffael Huber und Bild


Jagdstart Damen, 5.9km, 200m Steigung, 16 Posten
1. Tove Alexandersson (SWE): 42:18
2. Karolin Ohlsson (SWE): +3:24
3. Anastasia Rudnaya (RUS): +3:35

7. Sabine Hauswirth: +5:48
17. Simona Aebersold: +7:43
19. Sarina Jenzer: +8:10
24. Julia Jakob: +9:20


Jagdstart Herren, 7.6km, 230m Steigung, 19 Posten
1. William Lind (SWE): 45:06
2. Gustav Bergmann (SWE): +0:01
3. Frédéric Tranchand (FRA): +0:02

6. Joey Hadorn: +0:04
9. Matthias Kyburz: +0:11
11. Daniel Hubmann: +0:23
20. Jonas Egger: +4:14
28. Andreas Kyburz: +5:32


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