Dritte WM-Entscheidung und zwei weitere Schweizer Medaillengewinne an der OL-WM in Italien: Mit 1:27 Minuten Rückstand auf Thierry Gueorgiou (FRA) gewinnt Daniel Hubmann über die Langdistanz seine zweite Silbermedaille an diesen Titelkämpfen. Und nach zweimal Gold holt Judith Wyder diesmal Bronze, 50 Sekunden hinter der Russin Svetlana Mironova und 19 Sekunden hinter der Schwedin Tove Alexandersson.

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Daniel Hubmann

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Judith Wyder

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Fabian Hertner

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Matthias Kyburz

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Baptiste Rollier hinter Sieger Thierry Gueorgiou

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Sarina Jenzer
Im gut belaufbaren, aber sehr hügeligen Terrain rund um den WM-Zentralort Lavarone sorgte die Schweizer Equipe nicht nur für die Medaillen Nummer vier und fünf, sie erreichte auch eine sehr gute Teambilanz mit den Rängen 4 (Fabian Hertner), 5 (Matthias Kyburz) und 7 (Baptiste Rollier) bei den Männern sowie einem 8. Rang bei den Frauen durch Sarina Jenzer, die einen weiteren Diplomrang um lediglich drei Sekunden verpasste. "Siebter und dabei schlechtester Schweizer, das ist schon verrückt", brachte es Rolliers' Trainer Alain Berger auf den Punkt. Und dass neben Wyder auch Hertner, Kyburz und Jenzer ihr bestes WM-Ergebnis realisierten, zeigt, wie stark sich die Schweizer auch in dieser Disziplin in Szene zu setzen vermochten.

Anfänglich hatte es so ausgesehen, als würde Fabian Hertner sogar zu seiner ersten Langdistanz-Medaille kommen. Doch im Schmetterling startete Hertner zum falschen Posten und verlor dabei rund zwei Minuten. "Ich habe zuvor schon bei einer Routenwahl eine Minute verloren. Doch der grosse Fehler war, zu Posten 23 statt 20 zu laufen", sagte Hertner. Dass er am Ende den Podestplatz um 1:30 Minuten verpasste, dürfte ihn wohl zusätzlich ärgern.

Kein Hadern gab es diesmal für Daniel Hubmann, der ein technisch sicheres und fehlerfreies Rennen lief. "Heute kann ich wirklich nicht sagen, wo ich mir den Rückstand eingehandelt habe", musste Hubmann die Niederlage gegen Thierry Gueorgiou eingestehen. Der Franzose übernahm schon nach rund einem Fünftel der Strecke die Leaderposition und lief ungefährdet zu seinem dritten Langdistanz-Titel nach 2011 und 2013 sowie dem insgesamt 12. WM-Gold.

"Physisch musste ich von Beginn weg kämpfen, es hat sich nie richtig gut angefühlt", sagte Hubmann. Nachdem er bei vier Fünfteln der Renndistanz nur 38 Sekunden hinter Gueorgiou gelegen hatte, wuchs die Differenz im Schlussteil noch um fast eine Minute an. "Ich habe versucht noch Tempo zu machen, aber es ging nicht mehr. Geholfen hat mir der vier Minuten früher gestartete Matthias Kyburz, den ich eingeholt habe, und der mich über den letzten Abschnitt gezogen hat", sagte Hubmann und verglich den zweiten Silbergewinn mit dem Sprint: "Heute bin ich sehr zufrieden, weil ich mein Bestes gegeben habe. Das Sprintergebnis wurmt mich aber immer noch." Für den Langdistanz-Weltmeister von 2008 und 2009 ist dies der 15. WM-Podestplatz und die insgesamt sechste WM-Silbermedaille.

Nachdem die früh gestartete Svetlana Mironova (RUS) eine äusserst starke Marke gesetzt hatte, kristallierten sich unter den Spitzenläuferinnen lediglich Tove Alexandersson (SWE) und Judith Wyder (SUI) noch als mögliche Sieganwärterinnen heraus. Sowohl Alexandersson wie Wyder vermochten auf der Schlussschlaufe den Abstand zu Mironova zu verringern, doch ganz an die Russin, die in einem WM-Einzelrennen noch nie in den Top Ten klassiert war, kamen sie nicht mehr heran.

"Eigentlich hatte ich unterwegs das Gefühl, nicht richtig vorwärts zu kommen, aber ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich kämpfen muss", kommentierte Wyder ihre läuferische Leistung. "Aber es war äusserst hart. Ich fror an den Armen, die fühlten sich an, als wären sie eingeschlafen. So etwas ist mir noch nicht passiert", sagte die Bernerin. Zudem rammte sie sich einen kleinen Ast in die rechte Hand und musste den grossen Splitter während des Rennens rausziehen. "Als ich beim dritten, wohl einfachsten Posten einen Fehler gemacht und über eine Minute eingebüsst hatte, wählte ich auf dem nachfolgenden langen Teilstück bewusst eine sichere Route", erklärte die nun dreifache WM-Medaillengewinnerin ihre Taktik, um zu einer sicheren Fortsetzung zu kommen.

Die übrigen Schweizer waren grösstenteils ebenso zufrieden, auch wenn sie den erhofften Podestplatz nicht erreichten. "Vielleicht bin ich etwas verhalten gestartet. Auf dem langen Teilstück von Posten 14 zu 15 bin ich unsauber gelaufen, und bei Posten 21 geriet ich etwas zu weit rechts und verlor gegen 30 Sekunden", bilanzierte Matthias Kyburz. "Aber ich konnte nun endlich einmal eine Langdistanz bis zum Ziel durchziehen, deshalb bin ich auch zufrieden." Ohne Fehler vermochte Baptiste Rollier die 16,4 km lange Strecke mit 820 m (!) Steigung zu absolvieren. "Aber es war extrem hart. Im letzten Anstieg war ich völlig flach, hatte auch Krämpfe."

Den 7. EM-Rang über die Langdistanz zu bestätigen vermochte Sarina Jenzer als Achte. "Am Anfang bekundete ich etwas Mühe, ins Rennen zu kommen, ich hatte das Gefühl, nie voll parat zu sein", bilanzierte sie ihren Rennverlauf. "Den achten Posten sah ich zunächst nicht und büsste einige Sekunden ein, ansonst war der Lauf jedoch gut. Man musste einfach permanent am Kartenlesen sein, manchmal auch stehenbleiben", sagte Jenzer.

Als Zwölfte nicht ganz in die Top Ten schaffte es Ines Brodmann. "Zweimal, zu Posten 12 und 14, bin ich nicht sauber gelaufen. Schlimm war es dann, als mich Krämpfe plagten, wie ich sie zuvor noch nie hatte. Das tat dermassen weh, ich konnte nicht mehr richtig laufen", sagte Brodmann, die im Zieleinlauf stürzte und wegen der Krämpfe fast nicht mehr aufstehen konnte. Für Julia Gross endete das WM-Debüt über die Langdisanz mit Platz 17. Zwei schlechte Routenwahlen kostete sie entscheidende Minuten. "Ich bin zu dort zu direkt gelaufen", sagte Gross. (Text Nicolas Russi, Fotos Rémy Steinegger)

Resultate

Lavarone (ITA). OL-Weltmeisterschaften. Langdistanz.


Männer (16,36 km/820 m Steigung/33 Posten): 1. Thierry Gueorgiou (FRA) 1:34:45. 2. Daniel Hubmann (SUI) 1:27 zurück. 3. Olav Lundanes (NOR) 2:24. 4. Fabian Hertner (SUI) 3:54. 5. Matthias Kyburz (SUI) 5:27. 6. Fredrik Johansson (SWE) 5:31. 7. Baptiste Rollier (SUI) 6:34. - 73 klassiert.

Frauen (11,0 km/495 m Steigung/23 Posten): 1. Svetlana Mironova (RUS) 1:19:44. 2. Tove Alexandersson (SWE) 0:31 zurück. 3. Judith Wyder (SUI) 0:50. 4. Mari Fasting (NOR) 2:22. 5. Goril Ronning Sund (NOR) 2:54. 6. Annika Billstam (SWE) 2:56. Ferner: 8. Sarina Jenzer (SUI) 5:21. 12. Ines Brodmann (SUI) 6:11. 17. Julia Gross (SUI) 8:04. - 59 klassiert.
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