Zum Abschluss der OL-Europameisterschaften in Tschechien sichert sich «Schweiz 2» mit Florian Howald, Baptiste Rollier und Martin Hubmann die Goldmedaille in der Männerstaffel. Die Frauen verpassten eine Medaille nur knapp und wurden Vierte.

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Das Gold-Trio der Schweizer … 


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… kann den Erfolg im Ziel kaum fassen.
An den Orientierungslauf Europameisterschaften in Tschechien sichern sich die Schweizer Männer die Goldmedaille in der Staffel. Das Team mit Florian Howald, Baptiste Rollier und Martin Hubmann konnte auf der Schlussstrecke in Führung gehen und sich den EM-Titel sichern. Schliesslich gewinnen die Schweizer mit acht Sekunden Vorsprung auf das Team aus Norwegen und 13 Sekunden Vorsprung auf das Gastgeberteam aus Tschechien. Für die Schweiz ist es die insgesamt fünfte Goldmedaille an den diesjährigen kontinentalen Titelkämpfen.

Florian Howald konnte auf der Startstrecke den Rückstand seines Teams in Grenzen halten und gab mit eineinhalb Minuten Rückstand an Baptiste Rollier. Howald berichtete von einem soliden Rennen: «Nur zum elften Posten kam ich etwas zu tief», so der 24-Jährige. Routinier Rollier konnte zwar den Abstand zur Spitze nur unwesentlich verkleinern, machte aber an Rängen gut: Bis zur zweiten Übergabe stiessen die Schweizer vom 13. auf den 5. Platz hervor.

Martin Hubmann konnte auf der Schlussstrecke zur Spitze aufschliessen und lief schliesslich an zweiter Position. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Das Team des vor ihm laufenden Schweden war bereits disqualifiziert, Hubmann rannte plötzlich um die Goldmedaille. Erst beim
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Ein Diplom für Wyder, Hauswirth und Gross.


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Das erfolgreiche Schweizer EM-Team sagt Adieu.
Zuschauerposten wurde der Schwede aus dem Rennen genommen. «Bis ins Ziel realisierte ich nicht, dass wir um den Titel laufen», sagte der 27-jährige Thurgauer. Sein Lauf sei nicht nur physisch, sondern auch emotional fordernd gewesen: «Ich wusste nie, wie ich genau im Rennen stehe, ob ich abgefallen bin oder mein Tempo und meine Entscheide richtig sind.»

Die Goldmedaille dieses Schweizer Teams kommt eher überraschend, ist es doch eigentlich das als Nummer 2 gesetzte Staffelteam der Schweizer Männer. Das erste Team mit Andreas Kyburz sowie den frischgebackenen Einzel-Europameistern Daniel Hubmann und Matthias Kyburz lief zwar ebenfalls einen guten Wettkampf und lief als fünftes Team über die Ziellinie. Für die EM-Wertung zählt jedoch nur die bestklassierte Mannschaft. Dass sich das Schweizer Team 1 hinter den Teamkollegen klassiert, war nicht zu erwarten. Da Daniel Hubmann auf der zweiten Strecke jedoch einen zweiminütigen Fehler beging, war eine Medaille ausser Reichweite geraten.

Aufholjagd von Wyder
Die Schweizer Frauen verpassen im Staffelrennen von Cerná Voda eine Medaille. Das Team mit Julia Gross, Sabine Hauswirth und Judith Wyder musste sich mit dem vierten Rang begnügen. Am Ende fehlen lediglich sechs Sekunden zur Bronzemedaille und damit zum gesetzten Ziel: dem Gewinn von Edelmetall. Das Rennen am Samstagnachmittag war an Spannung kaum zu überbieten. Julia Gross lief auf der Startstrecke ein sehr gutes Rennen und konnte gleichzeitig mit der Russin an erster Stelle an Sabine Hauswirth übergeben. Letztere fiel jedoch weit zurück – die Schweizerinnen verloren den Anschluss an die Spitze.

Schliesslich zeigte Judith Wyder, die an den Titelkämpfen diese Woche bereits drei Medaillen gewinnen konnte, eine beeindruckende Schlussstrecke. Die Bernerin war mit über zwei Minuten Rückstand auf die führenden Teams ins Rennen gestartet, ging in der Folge zwischenzeitlich in Führung, musste diese aber wegen eines Sturzes wieder abgeben und fiel hinter die Medaillenränge: «Ich stürzte in einem Hang auf die Hüfte, es wurde mir gar schwarz vor Augen», sagte Wyder. Danach lief sie unter Schmerzen, zeigte aber nach wie vor eine sehr gute physische Leistung. Auf den letzten rund vier Posten, konnte Wyder nochmals rund 30 Sekunden Rückstand aufholen. Dies reichte jedoch nicht aus, um noch einen Podestplatz erlaufen.

Mit dem Staffelwettkampf gingen die OL-Europameisterschaften in Tschechien zu Ende. Die kontinentalen Wettkämpfe waren für die Schweiz sehr erfolgreich verlaufen. Mit insgesamt fünf Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen führen die Schweizer Orientierungsläufer den Medaillenspiegel mit achtmal Edelmetall an – vor Schweden mit sechs und Russland mit vier Medaillen an. Die Verantwortlichen von Swiss Orienteering zeigen sich mit den EM zufrieden: «Wir können sehr zufrieden sein, zumal wir zwei Medaillen mehr verbuchen konnten, als wir uns zum Ziel gesetzt hatten», sagte Frauentrainerin Vroni König-Salmi stellvertretend fürs ganze Team.
Bereits an den EM vor zwei Jahren in Portugal konnten sich die Schweizer insgesamt acht Medaillen sichern.
(Text: Severin Furter; Bilder: Rémy Steinegger/steineggerpix.com)

Resultate
Cerná Voda (CZE). Europameisterschaften. Staffel.
Männer: 1. Schweiz (Florian Howald, Baptiste Rollier, Martin Hubmann), 106:07 Minuten; 2. Norwegen (Carl Godager Kaas, Eskil Kinneberg, Magne Daehli), +00:08 Minuten; 3. Tschechien (Jan Prcházka, Jan Sedivy, Vojtech Kral), +00:13; 4. Schweden (Jonas Leandersson, Johan Runesson, Martin Regborn), +01:02; 5. Russland (Andrey Khramov, Dmitrii Tcvetkov, Valentin Novikov), +01:54; 6. Österreich (Helmut Gremel, Gernot Kerschbaumer, Robert Merl), +04:55.
Frauen: 1. Finnland (Sari Anttonen, Marika Teini, Merja Rantanen), 102:57 Minuten; 2. Schweden (Lina Strand, Emma Johansson, Tove Alexandersson), +00:04; 3. Russland (Anastasiia Rudnaia, Natalia Vinogradova, Svetlana Mironova), +00:15; 4. Schweiz (Julia Gross, Sabine Hauswirth, Judith Wyder), +00:21; 5. Tschechien (Denisa Kosová, Dana Safka Brozková, Jana Knapová), +04:47; 6. Dänemark (Signe Klinting, Ida Bobach, Maja Alm), +06:34.

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