Während der Norweger Lars Moholdt den Sprint zum Auftakt der Ski-OL-EM mit fast einer halben Minute Vorsprung für sich entscheiden konnte, war das Rennen weiter hinten deutlich knapper. Gion Schnyder verpasste als Siebter ein Diplom lediglich um zwei Sekunden.
Neunundvierzigkommaeins – Das ist die beachtliche Anzahl Kilometer an Scooter-Spuren, welche die türkischen Organisatoren in das Gelände rund um das Provinzstädtchen Sarikamis gefahren haben. Dazu kommen noch zusätzliche zweiundzwanzig Kilometer Langlaufloipe, die sich von der Zielarena ausgehend durch die lichten Wälder winden und so ein Spurnetz von insgesamt über siebzig Kilometern bilden.

Auf diesem startete die europäische Elite zum ersten von fünf Wettkämpfen, welche die ESOC-Premiere auf türkischem Boden ausmachen werden. Dabei zogen sich die Bahnen über 4.1 km bzw. 3.1 km neben zwei Geländerücken mit sehr dichtem Spurnetz auch über einen flacheren Teil des angrenzenden Waffenplatzes und stellten mit einigen Routenwahlen eine physische sowie technische Herausforderung dar.

Bei den Schweizer Herren kam erwartungsgemäss Gion Schnyder am besten mit den gestellten Aufgaben zurecht. Im dichten Rennen der Männer belegte er den 7. Rang mit 1:01 min Rückstand auf Lars Moholt aus Norwegen (16:30 min Laufzeit). Mit grossen Erwartungen an sich selbst gestartet, verlor er anfangs Zeit mit etwas hastigen Entscheiden und einem nicht ganz wunschgemässen Anwenden des Laufkonzepts. «Mein Konzept geht gut auf, wenn ich mir die Zeit nehme, es umzusetzen», meinte der 33-Jährige etwas frustriert nach seinem Lauf. Trotz der Unzufriedenheit stellt das Resultat an den Rückstandsprozenten gemessen Schnyders bestes internationales Einstehen dar. Die kommenden Wettkämpfe über die Mittel- und Langdistanz werden sich also aus Schweizer Sicht spannend gestalten.

Die weiteren Schweizer Lukas Deininger und Andrin Bieri belegten die Ränge 33 und 35 mit 4:25 min bzw. 5:28 min Rückstand. Für Deininger war der erste Lauf an internationalen Titelkämpfen ein Erfolg. Nur fünf Wochen nach einer Verletzung am Sprunggelenk konnte er abschnittsweise sogar mit den besten mithalten. Der Trainingsrückstand machte sich aber dennoch bemerkbar und noch fehlte es etwas an kartentechnischer Konstanz, um diese guten Zwischenzeiten über den ganzen Wettkampf verbuchen zu können. Bieri bekundete einige Mühe mit dem Einstieg ins Rennen und hatte gegen Schluss nach einer Verfolgungsjagd mit einem anderen Athleten nicht mehr genügend Reserven, um auch die letzten Posten sauber anlaufen zu können. Wie auch die anderen Schweizer will er sich für die kommenden Wettkämpfe noch weiter nach vorne orientieren.

Bei den Frauen glänzte die Juniorin Lea Widmer bei ihrem ersten Eliteeinsatz auf internationalen Loipen mit dem 24. Rang. Nach einem schnellen Start und einer guten Routenwahl auf den ersten Posten, unterlief ihr zwar ein schwerwiegender Fehler auf dem zweiten Abschnitt, mit dem restlichen Lauf zeigte sich die 19-Jährige aber äusserst zufrieden. Trotz grosser Nervosität am Start konnte sie ihr Laufkonzept wie gewünscht umsetzen und fühlte sich vor allem auch physisch sehr gut. Damit verlor sie nur 3:27 min auf die Siegerin aus Russland Alena Trapeznikova (15:24 min Laufzeit) und konnte die anderen beiden Schweizerinnen hinter sich lassen.

Diese machten unterschiedliche Erfahrungen im türkischen Gelände. Laura Diener gab sich nach dem Lauf nicht so ganz zufrieden mit ihrer Leistung. Sie fand zwar zeitweise das angestrebte Laufgefühl und war «meist ziemlich flüssig» unterwegs, verlor aber immer wieder Zeit mit Routenentscheiden. So resultierte nach vielversprechenden Qualifikationsläufen in der Schweiz der eher enttäuschende 27. Rang mit 4:08 min Rückstand.

Positiver erlebte Natalja Niggli ihre Premiere auf internationalem Elitenniveau. Als zweite Athletin gestartet, hatte sie die erst im Rennverlauf entstehenden Schnittspuren noch nicht zur Verfügung und musste sich für mehrere Umlaufrouten entscheiden, welche sich im Vergleich mit den später gelaufenen Zeiten als einiges langsamer erwiesen. Schlussendlich erreichte sie mit einer Zeit von 20:46 min den 30. Rang.

Mit diesem guten Einstand an der ESOC in Sarikamis können im Verlauf der Wettkämpfe und vor allem an den beiden Staffeln noch einige Überraschungen von den Schweizer Athleten erwartet werden. Morgen Donnerstag steht die Sprintstaffel auf dem Programm. Die Schweiz wird mit den drei Teams Widmer/Schnyder, Diener/Deininger und Niggli/Bieri antreten.

(Text Andrin Bieri)

Rangliste: http://www.esoc2019.net/uploads/results/results_all.pdf
Webseite: http://www.esoc2019.net und https://eventor.orienteering.org/Events/Show/5830

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