Im Mitteldistanzrennen, welches mit Massenstart ausgetragen wird, sichert sich Corsin Boos Bronze an der Junioren-WM. Auch für Gian-Andri Müller resultierte endlich die erstrebte Medaille an der Jugend-EM. Beide Rennen wurden in einer packenden Schlussphase entschieden.

„Ich bin so froh hat es endlich geklappt. Ich musste mich mental zusammenreissen. Nach den beiden ersten Einzelläufen wollte ich endlich ein gutes Resultat laufen.“ So tönte der glückliche Corsin Boos nach seinem Mitteldistanzrennen. Im Langdistanzrennen kollidierte er bei hohem Tempo mit einem Norweger und musste das Rennen aufgeben. Auch vor dem Start heute hatte er noch Schmerzen im Rippenbereich. Doch nun ging es für den Luzerner endlich auf und er konnte seine erste individuelle Junioren-WM-Medaille sichern. Auch Andri Jordi in derselben Kategorie ist mit seinem Resultat zufrieden, hätte aber auch noch Luft nach oben gehabt. Er belegte den sechzehnten Rang. Den beiden ist im morgigen Staffelrennen eine gute Leistung zuzutrauen, die beiden werden nämlich vom frischgebackenen EM-Dritten im Jugendrennen unterstützt.

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Die Schweizer Medaillengewinner: Corsin Boos (links) und Gian-Andri Müller (rechts)
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Corsin Boos sprintet seiner Bronzemedaille entgegen

Gian-Andri Müller gab sich im Ziel zunächst bescheiden, auch im Mitteldistanzrennen wäre aus seiner Sicht mehr möglich gewesen. Der junge Schwyzer war in den vorangegangenen Rennen mehrfach vom Pech verfolgt. Im Sprint war es ein Zusammenstoss mit einer anderen Läuferin und in der Mitteldistanz ein Skibruch, die ihm die anvisierten Einzelmedaillen verunmöglicht haben. Müller konnte sich gut im Feld positionieren und eine gute Anfangsphase an den Tag legen. Mit einem Schweden zusammen begab er sich an der Spitze auf die Schlussschlaufe, wo er wegen einigen Routenwahlfehlern von zwei Verfolgern eingeholt wurde. In der zweitletzten Abfahrt verlor er zudem seinen Stock, sodass er den Anschluss zum Spitzentrio kurzzeitig verlor und wieder zulaufen musste. Im Schlusssprint bergauf konnte er sich noch auf den dritten Rang vorkämpfen. Die weiteren Schweizer Jugendläufer liefen allesamt in die Top 20. Flavio Ehrler wird 16., Jan Lauenstein 18. und Corsin Müller 19. Der Sieger bei den Junioren ist heuer Isak Lundholm aus dem Austragungsort Umeå. Die schöne Geschichte am Rande ist, dass er an der Rangverkündigung die Medaille von seinem Vater umgehängt kriegte, der zugleich als Organisator waltet.

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Gian-Andri "Gianni" Müller läuft zu seiner langersehnten Einzelmedaille

Im Feld der Jugendläuferinnen läuft Alina Niggli nach zwei Medaillen auf einen Diplomrang und wird Fünfte. „Ich hatte eigentlich einen schlechten Lauf aber das Resultat war gut“, meint die Langdistanz-Europameisterin. Sie war etwas nervös als sie an Anfang des Rennens an der Spitze lief und sie den Ton angeben musste. Daraus entstanden Fehler und sie musste die Führung abgeben. Der Sieg ging, wie bereits im Sprint, an Iuliia Khrennikova aus Russland. Der Name Khrennikov wird später in diesem Bericht nochmals auftauchen.
Die beiden weiteren Schweizerinnen Justine Hamel und Elin Neuenschwander kamen fast zusammen ins Ziel und belegten die Ränge 19 und 20. Beide waren sie schon am Start in einen Massensturz verwicklet und beide waren sie sehr enttäuscht über ihre Resultate. „Das war ein Lauf zum Vergessen“, resümierte Neuenschwander. Justine Hamel wurde in eben jenem Sturz regelrecht von anderen Läuferinnen begraben, darauf folgten weitere Fehler. Sie fand dann aber doch noch ins Rennen und konnte sich etwas für den misslungenen Start rehabilitieren. 


Die Juniorinnen konnten heute nicht mehr im selben Masse wie an den Vortagen überzeugen. Beste Schweizerin wird Lea Widmer auf dem 17. Rang. „Mein Rennen war ein Chaos, es war sehr hektisch“, sagt Widmer. Auch sie war bereits am Start in einen Sturz verwickelt und verlor dort fast eine halbe Minute Zeit. Probleme mit den Stöcken und weitere Fehler stahlen ihr Denkkapazität, wie sie selber sagt. Der Zeitrückstand zur Spitze ist allerdings sehr klein. So summiert auch Eliane Deininger das Ergebnis. Die Ostschweizerin belegte den 20. Rang, ist aber sehr erstaunt, dass sie trotzdem nicht allzu viel Zeit verliert. Sie war durch den Sturz auf der schmalen Startspur, im den auch Widmer involviert war, blockiert und verpasste so den Anschluss zur Spitze. Dasselbe passierte ihr bereits im Vorjahr, weshalb dieser Lauf gleich doppelt frustrierend ist. Dahinter klassieren sich Natalja Niggli auf dem 27. Rang und Delia Giezendanner auf dem 29. Rang. Das Geburtstagskind Flurina Müller verfehlte einen Posten und wurde daraufhin nicht klassiert.

Im Rennen der Herrenelite gelang Gion Schnyder ein Befreiungsschlag nach zwei durchwachsenen Resultaten. Er wird in einem packenden Finish starker Vierter. „Ich bin geduldig ins Rennen gestartet und wartete auf die Momente wo ich eigene Routen laufen konnte. Nun konnte ich endlich Selbstvertrauen tanken und mir bestätigen, dass die Form stimmt“, sagt Schnyder nach seinem Lauf. Nicola Müller gelingt ebenso ein gutes Rennen, er klassierte sich auf dem 15. Rang. Er konnte mit anderen Läufern sehr gut zusammenarbeiten und seine Gruppe oft von hinten kontrollieren, es unterliefen ihm so keine Fehler. Er lief weite Teile seines Rennens mit dem 46-jährigen Russen Eduard Khrennikov. Dieser schlug seinen Arm mit dem SI-Badges derart kraftvoll an die massiven Holzposten, dass die Einheit zu Boden fiel und dem dicht hinter ihm laufenden Müller der Stempelvorgang misslang. Er musste, wie auch zweimal vorher schon im Rennen, wenden um zu stempeln. Dies kostete Zeit und er verlor den Anschluss an die Spitze. Khrennikov tat es seiner Tochter Iuliia gleich und gewann das Rennen. Drittbester Schweizer wird Lukas Deininger auf einem 44. Rang. Er erwischte einen sehr schlechten Start und hatte mental Mühe, sich ins Rennen zu arbeiten. Die Enttäuschung im Ziel war gross. Direkt hinter ihm klassierte sich Lars Widmer, der kurz vor Schluss auf einer eisigen Abfahrt stürzte und mit einem blutigen Gesicht die Ziellinie querte. Er zeigte sich dennoch zufrieden, er konnte seine Taktik durchziehen und trotzdem von anderen Läufern profitieren. Severin Müller nahm beim ersten Kartenwechsel seine dritte Karte aus der Kartenwand, was er dann beim zweiten Kartenwechsel merkte. Trotzdem lief er das Rennen zu Ende, erwartungsgemäss wurde er aber nicht klassiert.

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Gion Schnyder kämpft sich zu einem vierten Rang 

Am morgigen Tag findet das letzte Rennen der Woche statt. Die Rennen in Nordschweden werden mit der Staffel abgerundet. Nach milden Temperaturen zum Wochenstart werden nun zweistellige Minustemperaturen und strahlender Sonnenschein erwartet. Wie auch die Mitteldistanz findet der Wettkampf in einer provisorischen Arena im Wald ausserhalb des Weilers Abborrtjärn statt. 

(Text Lukas Deininger, Fotos Christian Aebersold)

Website: http://umeaok.se/wcup2020/
Resultate Weltcup: https://eventor.orienteering.org/Events/ResultList?eventId=6660&groupBy=EventClass
Resultate Junioren-WM: https://eventor.orienteering.org/Events/ResultList?eventId=6664&groupBy=EventClass
Resultate Jugend-WM: https://eventor.orienteering.org/Events/ResultList?eventId=6668&groupBy=EventClass

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