Ab Mittwoch werden in Kääriku im Süden Estlands um die ersten IOF-Medaillen seit elf Monaten gekämpft. Nebst der WM finden auch die Junioren-WM und die Jugend-EM im Ski-OL statt. Die Vorbereitungen liefen bei vielen Schweizer Athlet*innen optimal, mitunter dank Home-Office.

Unter strengsten Vorkehrungen zur Minimierung des Verbreitungsrisikos von Covid-19 können in Estland die Ski-OL-Wettkämpfe durchgeführt werden. Die teilnehmenden Teams mussten sich je nach Möglichkeit bereits eine Woche vor Abreise in Quarantäne begeben und wurden sowohl 72 Stunden vor Abreise sowie direkt bei der Ankunft in Estland mit der PCR-Methode getestet. Danach begaben sich alle Teammitglieder bis zum Erhalt des Ergebnisses im Hotelzimmer in Isolation. Mahlzeiten wurden direkt aufs Zimmer geliefert. Während der Woche herrscht, zusammen mit anderen Massnahmen, strikte Maskenpflicht ausserhalb des eigenen Zimmers, des Rennens oder des Trainings.

Viele WM-Neulinge – auch das Programm selbst
Das Eliteteam umfasst eine Frau und sechs Herren. Von den sieben Startenden haben nur zwei zuvor am einer WM teilgenommen. Lukas Deininger debütierte vor zwei Jahren, Gion Schnyder startete bereits sieben Mal. Für ihn gilt es, die Bronzemedaille von Piteå 2019 über die Mitteldistanz zu verteidigen. In seiner Trainerrolle wird Schnyder von Kaderarzt Christian Aebersold sowie von der Chefin Leistungssport, Christine Lüscher-Fogtmann unterstützt. Das Sextett auf der Herrenseite wird durch die Gebrüder Noel und Corsin Boos, sowie durch Severin und Nicola Müller komplettiert. Letzterer verbindet wie auch Schnyder gute Erinnerungen mit den Rennen in Piteå. Er wurde dort Junioren-Weltmeister im Sprint und gewann Silber über die Langdistanz. Er peilt in Kääriku die Top 10 an. Die Saisonvorbereitung sei für den Medizinstudenten dank den Home-Office optimal verlaufen und er konnte viel auf den Langlaufski im heimischen Einsiedeln trainieren.

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Gion Schnyder beim Skitest im Gespräch mit einem Teamkollegen

Die einzige Frau, welche an der WM für die Schweiz starten wird, ist Eliane Deininger. Für sie wird die Sprintstaffel der wichtigste Wettkampf sein. „Ich möchte dem besten Schweizer immer eine möglichst gute Ausgangslage für seine Strecke geben“, sagt die St. Gallerin. Das Schweizer Team muss dieses Jahr auf Lea Widmer verzichten. Sie verletzte sich bei einem Training an Neujahr am Knie und kann nicht teilnehmen.

Das Programm selbst ist ebenfalls neu für dieses Jahr. Zum ersten Mal wird eine Sprint-WM im Ski-OL durchgeführt. Das Programm wurde bereits an der Studenten-WM oder der Universiade erprobt. Nach dem Sprintrennen wird eine Verfolgung mit den Zeitrückständen des Sprints absolviert. Das Mitteldistanzrennen bleibt erhalten und die Staffel wird durch eine Sprintstaffel ersetzt.

Jugendeuropameisterin neu bei den Junioren
In den Medaillenentscheidungen an der Junioren-WM wird Alina Niggli zu den Favoritinnen gehören, obwohl sie zum ersten Mal in dieser Altersklasse an den Start geht. Sie gibt sich allerdings bescheiden und strebt Rangierungen in den Top Ten an. Das Team um sie wird komplettiert durch ihre ältere Schwester Natalja Niggli sowie Flurina Müller und Delia Giezendanner. Während Eliane Deininger bei der Elite die einzige Frau im Team ist, darf sich Andri Jordi als Hahn im Juniorinnenkorb bezeichnen. Der Berneroberländer Zimmermann-Lehrling konnte von einer guten Vorbereitung profitieren und strebt ein Diplom an. Das Schweizer Team muss leider auf Gian-Andri Müller verzichten, der krankheitshalber nicht nach Estland reisen konnte.

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Das Schweizer Team in Kääriku


Goldmedaillentraum an der Jugend-EM
Das Team für die Jugend-EM weist mit Joel Messerli und Lavio Müller nur zwei Debütanten auf. Die fünf Jungs und die beiden Mädchen gehen mit Ambitionen an den Start. Jan Lauenstein nahm bereits zweimal an einer Jugend-EM teil und peilt heuer eine Goldmedaille in einem Einzelrennen an. Mit ihm zusammen gewann Flavio Ehrler im Vorjahr Bronze im Staffelrennen. Ein Erfolg, den sie dieses Jahr wiederholen möchten. Komplettiert wird das Team durch Lavio Müllers Bruder Corsin. Er strebt zwar TopTen-Resultate an, doch ein Einzeldiplom sei der absolute Traum, sagt der junge Gymnasiast. Seine Vorbereitung verlief aber alles andere als optimal. Im selben Training wie Eliteläuferin Lea Widmer verletzte er sich und brach sich den Arm. Bis vor drei Wochen während einem Monat kein intensives Training absolvieren. Bei den Jugendläuferinnen steht das Damenduo mit Elin Neuenschwander und Justine Hamel am Start. Neuenschwander kämpfte im Herbst mit einem Schlüsselbeinbruch und konnte sich nicht optimal vorbereiten. Trotzdem strebt sie eine Klassierung in den ersten Fünfzehn an. Justine Hamel zielt hingegen auf ein Diplom im Sprint. Ihre Form sein gut. „Dank den vielen Trainingswochenenden und – Lager“, führt die junge Neuenburgerin aus.


Service-Trio aus dem Urserental

Für das Material der neunzehnköpfigen Truppe sind drei Servicemänner in Estland mit dabei. Die Urner Cyrill Russi, Josi Regli und Aldo Senn werden für schnelle Schweizer Skis sorgen. Eine ausführliche Reportage über den Alltag der Wachsmänner wird in der kommenden Ausgabe des Swiss Orienteering Magazines zu lesen sein. Die Bedingungen für die Rennen sind gut und es liegt genug Schnee im Gelände. Dies ist indes keine Selbstverständlichkeit, da in den letzten Jahren Estland kaum mehr Schnee erhielt. Während die Temperaturen in der Vorwoche noch unter -20 Grad Celsius lag, bewegt sie sich nun um den Gefrierpunkt, es liegt ein feuchter Nebel über dem südestnischen Wald. Dies macht die Materialpräparation nicht einfach, doch das Schweizer Team kann auf ausgezeichnetes Servicepersonal zählen.

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Elin Neuenschwander (rechts) und Alina Niggli (Mitte) beim Skitest mit Servicemann Josi Regli

Alle Kategorien starten am Mittwoch mit dem Sprintrennen, wobei die Elitekategorie die Wettkampfwoche um 09:30 Schweizer Zeit (10:30 Lokalzeit) eröffnen wird.
Die Wettkämpfe der Elite-WM werden live übertragen, der Stream kann hier aufgerufen werden: https://orienteering.sport/event/world-ski-orienteering-championships-2021/welcome/

Link zur Veranstalterwebsite: https://wsoc2021.peko.ee/
Link zu den Startlisten und Resultaten der WM: https://eventor.orienteering.org/Events/Show/6482
Link zu den Startlisten und Resultaten der Junioren-WM: https://eventor.orienteering.org/Events/Show/6488
Link zu den Startlisten und Resultaten der Jugend-EM: https://eventor.orienteering.org/Events/Show/6489

(Text Lukas Deininger, Fotos Christian Aebersold)

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