Die Schneebedingungen zwangen dieses allerdings noch über Nacht, viele Bahnen anzupassen, so dass es schlussendlich zwei Ziele gab. Nach einigen Posten im selben Gebiet wie gestern, ging es für alle über eine pulsbeschleunigende Abfahrt in einen zweiten neuen Geländeteil. Während die Elitekategorien über eine Routenwahl diese gut 100 Höhenmeter hohe Rampe gegen Ende des Laufs in umgekehrter Richtung wieder zu überwinden hatten, beendeten die meisten anderen Kategorien das Rennen im unteren Geländeteil und konnten sich dann stressfrei zurück zum WKZ begeben. Für die Eliteathletinnen und -athleten kam dabei beinahe Tour-de-France-Stimmung auf, als sie sich unter Anfeuerungsrufen den engen Zickzackweg hinaufmühten.
Die neue Schweizermeisterin bei den Damen Elite, Delia Giezendanner, bekundete auf diesem längeren Aufwärtsabschnitt keinerlei Mühe und unterstrich damit ihre bestechende physische Form. Zwar musste sie sich um wenige Sekunden Tove Alexandersson geschlagen geben, die nach (kürzlich leider gescheiterten) Vorbereitungen auf die Skitourenrennen an den Olympischen Spielen in Milano/Cortina im Aufstieg aktuell wohl so stark ist wie noch nie, aber zu dem Zeitpunkt war die Entscheidung um den Tagessieg bereits gefallen und Giezendanner liess sich durch die technischen Posten am Schluss nicht mehr beeindrucken. Davor war sie vorsichtig ins Rennen gestartet, konnte dann aber immer mehr an Sicherheit gewinnen und ihre Physis ausspielen. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Lauf", fasst die Bündnerin zusammen. Derweil erlaubte sich Alexandersson gleich zu Anfang zwei einminütige Fehler, was sie trotz ähnlicher physischer Leistung von Anfang an ins Hintertreffen brachte. Bei Eliane Deininger sah es zu Anfang aus, als wollte sie ihre Vortagestaten trotz Konkurrenzuwachs wiederholen, startete sie doch schneller als Giezendanner und Alexandersson. Dann baute sie auf den laufbetonten Posten unter anderem mit einem Crash aber kontinuierlich ab, bevor sie sich im technischen Schlussteil nochmals fing und Flurina Müller auf dem vierten Platz um nur drei Sekunden schlagen konnte. Da Alexandersson als Ausländerin nicht medaillenberechtigt ist, durfte sich auch Müller noch eine SM-Medaille umhängen lassen, auch wenn sie von einem mittelmässig gelungenen Lauf berichtete.
Auch bei den Herren gab es im Vergleich zum Samstag ein paar Verschiebungen im Klassement. Nicola Müller kürte sich zwar wiederum zum Schweizermeister, dahinter konnte Andri Jordi heute die Finnen Niklas Ekström und Tuomas Outinen aber in Schach halten. Die beiden Schweizer starteten denkbar unsauber ins Rennen - im Anfangsteil waren Scooterspuren und Schnittspuren nur schwer auseinanderzuhalten - und mussten sich von da an bemühen, den Schaden zu beheben. Mit einem beherzten Aufstieg bei dem sie die Finnen um mehr als eine Minute distanzieren konnten, gelang ihnen das vortrefflich. Jordi stieg dabei etwas schneller, musste sich schlussendlich aber um 25 Sekunden geschlagen geben. Corsin Boos konnte derweil lange gut mit den schnellen Finnen mithalten, büsste aber kurz vor dem Kartenwechsel für das hohe Tempo, in dem er die Karte zu früh umdrehte und einige Augenblicke nicht verstand, dass er noch etwas zu gehen hatte, bevor er sich der Rückseite widmen konnte. Mit einem sauberen restlichen Lauf, konnte er sich SM-Bronze sichern, 1:52 hinter Müller.
Zusammenfassend schürt der Ausgang dieses Wochenendes durchaus die Hoffnungen auf Schweizer Top-Leistungen am Weltcup in Bulgarien (23.-25. Januar), wo man wiederum auf die finnischen und schwedischen Delegationen treffen wird
Die Schweizer Ski-OL Saison ist mit diesen Wettkämpfen bereits wieder beendet. An dieser Stelle sei deshalb auch nochmals ein herzliches Dankeschön an alle gerichtet, die uns dieses SM-Wochenende auf der Moosalp sowie die drei Läufe auf dem Ofenpass rund um Neujahr ermöglicht haben. Das war Schweizer Ski-OL von seiner besten Seite.
Text: Andrin Bieri
Bilder: Martin Jörg
