An der Heim-EM schafft Christian Spoerry den Exploit: Er gewinnt die erste Schweizer Ski-OL-Medaille an Europameisterschaften und läuft in der Langdistanz in einem nahezu perfekten Rennen hinter dem Schweden Erik Rost auf den zweiten Platz.

Im Massenstartrennen konnte Christian Spoerry von Beginn weg an der Spitze mitlaufen. Nach der ersten von drei
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Christian Spoerry unterwegs zu Silber
Schlaufen lief er zusammen mit Gion Schnyder in der Spitzengruppe durch die Biathlonarena auf der Lenzerheide. Noch wagte aber kaum jemand an einen solchen Exploit zu glauben. Doch Spoerry konnte auch auf der zweiten Schlaufe mit der Spitze mithalten und passierte die Arena erneut an dritter Stelle mit rund 20 Sekunden Rückstand auf den Russen Andrey Lamov, den späteren Bronzemedaillengewinner, und Erik Rost – einem für uns Schweizer «altbekannten» Ski-OL-Champion. Wir erinnern uns: An den Junioren-WM, welche 2005 in S-chanf stattfanden, holte der Schwede viermal Gold!

Spoerry entschied, den Ski für die letzte Runde zu wechseln, und das bezahlte sich aus. «Zu Beginn der letzten Schlaufe fühlte ich mich zwar sehr müde, doch bald schon spürte ich, dass ich einen sehr schnellen Ski hatte», erzählte der überglückliche Spoerry im Ziel. So konnte er auf der Schlussschlaufe zu Lamov aufschliessen. Während Rost im letzten harten Aufstieg bereits einen formidablen Vorsprung hatte, lieferten sich Spoerrry und Lamov dahinter ein Kopf-an-Kopf-Rennen. «Ich lief vor Lamov und kontrollierte das Tempo; denn ich wusste, dass ich in der Abfahrt den schnelleren Ski haben würde.» Spoerry ging den Zweikampf mit viel Selbstvertrauen an und liess den Russen in der Schlussabfahrt und auf der Zielgerade hinter sich. 18 Sekunden hinter dem Überflieger Erik Rost lief der in Schweden wohnhafte Zürcher jubelnd auf den zweiten Platz.

Damit erfüllte er sich an den Heim-EM einen Traum und erreichte sein bestes Resultat seit dem sechsten Rang an
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Spoerry (rechts) setzt sich im Zieleinlauf gegen Lamov durch
den EM 2010 in Bulgarien. «Diese Leistung kann nicht hoch genug gewertet werden», freute sich auch Betreuer Christian Aebersold. «Die Athleten an der Spitze haben läuferisch und technisch ein sehr hohes Niveau – eindrücklich wie Christian hier mitgelaufen ist!». Die Athleten hatten eine Strecke von mindestens 21 Kilometern (je nach Routenwahl) mit 500 Metern Höhendifferenz und 36 Posten zurückzulegen. Erik Rost benötigte dafür gerade mal knapp 63 Minuten. «In den letzten Jahren hatte Christian im Winter immer wieder mit Erkältungen zu kämpfen, doch diese Schwäche hat er nun in den Griff bekommen. Zudem haben die Schweizer Athleten in den letzten Jahren auch im mentalen Bereich viel gearbeitet», so Aebersold.

Beinahe hätten die Schweizer Männer für einen Doppel-Exploit gesorgt. Bis zur Rennhälfte fast noch stärker als
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Spoerry, Rost und Lamov
Spoerry war Gion Schnyder unterwegs. Die erste Schlaufe beendete er an dritter Stelle, und auch auf der zweiten Schlaufe lief er ganz vorne mit, bis ihm eine falsche Route zum Verhängnis wurde. «Zum zweitletzten Posten der Runde wählte ich eine steile Scooterspur, die mir direkter schien – sie war aber langsamer als die schnelle Spur links um den Hügel rum», erzählte Schnyder nach dem Rennen. Auch Schnyder wechselte den Ski nach der zweiten Schlaufe. Auf der dritten Schlaufe war er dann wieder gut unterwegs, doch die Spitze war weg und Schnyder beendete das Langdistanzrennen mit drei Minuten Rückstand auf dem 16. Rang.

Auf den 26. Rang lief Andrin Kappenberger, der sich vor dem Start «überhaupt nicht gut fühlte». Der Zürcher Sportlehrer lief aber technisch gut und kam aber immer besser ins Rennen. Der vierte Schweizer, Sven Aschwanden (40.), verlor nach einer guten ersten Schlaufe den Anschluss und musste dann viel alleine laufen. Aufgrund eines Stockbruchs verlor er ebenfalls Zeit: «Zum Glück passierte das nicht allzu weit vom Materialdepot im Gelände.»

Das Frauenrennen wurde von den Russinen dominiert. In einer Zeit von genau 63 Minuten am schnellsten legte
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Carmen Strub
Tatyana Oborina die 18 Kilometer und 420 Höhenmeter zurück. Zwar ging Silber an die Tschechin Hana Hancikova und Bronze an die Schwedin Josefine Engstrom, doch auf den Rängen vier bis sechs folgten aber drei weitere Russinen: Polina Frolova, Iuliia Tarasenko und Kseniya Tretyakova. Als beste Schweizerin rangierte sich Carmen Strub mit 5:41 Rückstand auf dem zwanzigsten Rang. «Mehr lag heute nicht drin. Das war zwar sicher kein megasuper Rennen, ich machte aber kaum Fehler und muss daher zufrieden sein mit dem Lauf», sagte die etwas enttäuschte Strub. Auch Veronique Ruppenthal (27.) hatte kaum Fehler zu beklagen, hatte aber «physisch recht zu kämpfen». Allgemein wurde das Rennen als physisch recht anspruchsvoll wahrgenommen. Die Spuren waren zwar angesichts des knapp bemessenen Schnees gut und schnell, an einigen Stellen im Wald kamen aber Vegetation und Steine zum Vorschein und verlangten von den Läuferinnen und Läufern volle Konzentration. (Text Brigitte Wolf, Fotos Martin Jörg)

Resultate
Männer (17.5 km Länge, 500 m Steigung, 36 Posten)
1. Erik Rost (Schweden) 62:42
2. Christian Spoerry (Schweiz) 63:00
3. Andrey Lamov (Russland) 63:01
4. Staffan Tunis (Finnland) 63:03
5. Eduard Khrennikov (Russland) 63:09
6. Stanimir Belomazhev (Bulgarien) 64:12
7. Tuomas Kotro (Finnland) 64:28
8. Peter Arnesson (Schweden) 64:36
9. Oyvind Watterdal (Norwegen) 64:38
10. Ove Saetra (Norwegen) 65:06
Die weiteren Schweizer:
16. Gion Schnyder 65:48
26. Andrin Kappenberger 68:03
40. Sven Aschwanden 76:33

Frauen (15.1 km Länge, 420 m Steigung, 29 Posten)
1. Tatyana Oborina (Russland) 63:00
2. Hana Hancikova (Tschechien) 63:13
3. Josefine Engström (Schweden) 63:14
4. Polina Frolova (Russland) 63:20
5. Iuliia Tarasenko (Russland) 63:24
6. Kseniya Tretyakova (Russland) 63:25
7. Audhild Bakken Rognstad (Norwegen) 63:44
8. Marjut Turunen (Finnland) 63:51
9. Mervi Pesu (Finnland) 64:12
10. Magdalena Olsson (Schweden ) 64:13
Die Schweizerinnen:
20. Carmen Strub 68:41
27. Véronique Ruppenthal 77:45

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