Anspruchsvolle Bahnlegeraufgabe in Tessiner Gelände am besten erfüllt durch einen ehemaligen Weltmeister

Die Aufgabe erforderte das Legen je einer Langdistanz-Bahn der Damen für die Europameisterschaften, sowie der DAM für einen Nationalen OL. Dazu mussten einige Vorgaben beachtet werden:

· Zuschauerfreundliche Zielarena für EM und gleiche Zielarena für den Nationalen OL

· Siegerzeit DE etwa 80 Minuten und bei DAM sollte die Siegerzeit etwa der oberen Richtzeit der WO entsprechen

· Der Start für die DAM-Bahn muss von der Zielarena aus erreichbar sein und der Weg an den Start darf nicht durch das Laufgebiet führen.

Für die Streckenlänge der DE-Bahn wurde bereits in der Ausschreibung auf das Bulletin 2 der EM 2018 verwiesen, worin die provisorischen Daten mit 9.9 km und 530 m Steigung angegeben sind. Für die DAM-Bahn konnte die Streckenlänge anhand des Hinweises «vergleichbar mit Gelände rund um Lugano» und den Richtzeiten nach Wettkampfordnung Art. 42 (DAM: 40-50 min) berechnet werden. Der Schwierigkeitsgrad für DAM ist ebenfalls gem. WO Art. 42 mit sehr schwierig angegeben.

Bewertung

Die drei Jury-Mitglieder Kurt Schmid, Matthias Merz und Töby Imhof durften die 27 spannenden Bahnvorschläge bewerten, davon leider nur zwei Eingaben der Kategorie Nachwuchs.

Auch dieses Jahr beurteilten die Jury-Mitglieder zuerst unabhängig voneinander die Bahnvorschläge unter anderem nach folgenden Gesichtspunkten:

· Rahmenbedingungen: wurden die Vorgaben eingehalten?

· Gesamteindruck: liegt eine abwechslungsreiche, harmonische Langdistanzbahn mit interessanten Routenwahlen vor?

· Abwechslung: weisen die Teilstrecken Abwechslung in Bezug Teilstreckenlänge, Richtungswechsel und Orientierungstechnik auf?

· Routenwahlen: hat es mindestens 1-2 lange Routenwahlen, bei welchen die Athletinnen sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung gefordert werden? Gibt es zudem interessante Routenwahlprobleme auf kürzeren/mittellangen Teilstrecken?

· Physische Anforderung: Entsprechen die Bahnlängen der gestellten Aufgabe? Können die bahntechnisch genutzten exponierten Gebiete allen Athletinnen zugemutet werden?

Gemeinsam wurden die Bahnen nochmals diskutiert, bewertet und eine Rangliste erstellt.

Tipps der Jury

Häufige Fehler werden zum Teil bereits bei der Wahl des Startpunktes gemacht. So beinhalten einige Bahnvorschläge zum ersten Posten unnötig happige Steigungen, oder massive Downhills – zum Teil sogar in die steilsten Hänge des Laufgebietes.

Fast alle Bahnvorschläge weisen die Charakteristik einer Langdistanzbahn mit einigen längeren Teilstrecken auf. Leider ergibt sich aber nicht immer, dass eine längere Teilstrecke auch eine orientierungstechnische Herausforderung enthält. Für eine Langdistanz sind Routenwahlprobleme erwünscht.

Vor allem lange Teilstrecken um das grosse Felsband im östlichen Laufgelände wurden oft unglücklich gelegt. So gibt es Postenkombinationen, bei welchen nur eine mögliche Route besteht: entweder auf dem kleinen Weg oberhalb des Felsbands, oder entlang der Strassen und Wege am Kartenrand. Auch bei Teilstrecken, welche zwar beide Routen anbieten, ist es sehr schade, dass nach dem Routenwahlentscheid meist nur noch physische Herausforderungen bestehen. Einmal entschieden, gilt es nur noch 2-3 km – und das sind doch immerhin fast ¼ der gesamten Bahn - ohne orientierungstechnische Schwierigkeiten zu rennen. Für eine derart lange Teilstrecke wäre es spannender, wenn es auf den Routen noch Untervarianten geben würde.

Ebenfalls ist zu beachten, dass Routen dem Kartenrand entlang vor allem im Breitensport immer wieder zu Problemen führen können, da einzelne Läufer das Laufgebiet verlassen, und sich durch das Laufen auf Wegen einen Vorteil verschaffen wollen.

Nicht beurteilt wurden mögliche Verpflegungskonzepte, da diese nicht explizit in die Aufgabenstellung aufgenommen wurden. Ebenfalls wurde die Wahl des Startpunktes bei der DAM-Bahn nicht darauf bewertet, ob von diesem Punkt aus auch andere Bahnen eines Nationalen OL's möglich wären.

Zum Teil werden bei der DAM-Bahn gleiche Teilstrecken wie bei der DE-Bahn verwendet. Aufgrund der Aufgabenstellung, dass der Nationale OL mit der DAM-Bahn einen Tag nach dem EM-Lauf stattfindet, ist davon auszugehen, dass diese Teilstrecken und ihre möglichen Routen samt ihren Vor- und Nachteilen bereits bekannt sind.

Die Siegerbahn

Thomas Bührer erreichte mit seinen abwechslungsreichen Bahnen und den gestellten Routenwahlproblemen den ersten Rang. Ebenfalls ist das Gabelungssystem ab Posten 8 gelungen. Es gibt genug Variationen um gemeinsam laufende Läuferinnen zu trennen. Die Bahn verliert zwar durch so viele Posten etwas den Charakter einer Langdistanzbahn, weist aber auch auf diesen kürzeren Teilstrecken noch Routenwahlen auf.

Die Rangliste

Gesamtwertung

1. Thomas Bührer (CA Rosé), Villars-sur-Glâne
2. Thomas Häne (OLG Galgenen), Benken SG
3. Bruno Steinegger, Bassersdorf
4. Kilian Imhof (OL Regio Wil), Balterswil
5. Alain Juan (ANCO), St-Blaise NE
6. Flavio Poltéra (Quack OK), Domat/Ems
7. Thomas Egger (ol norska), Dotzigen
8. Claudio Caluori
9. Mario Meier (OLG Welsikon), Seuzach
10. Yves Nager (RMOC), Spiez

Nachwuchs
1. Julian Bleiker (OL Regio Wil), Degersheim
2. Noah Bühlmann (OLV Luzern), Sursee

 

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