(zu) anspruchsvolle Bahnen in anspruchsvollem Gelände

Die Aufgabe erforderte das Legen je einer Mitteldistanz-Bahn für die Kategorien D16 und HAL für einen Nationalen OL. Dazu mussten einige Vorgaben beachtet werden:

  • Gleicher Start und gleiches Ziel für beide Kategorien
  • Der Start muss von der Zielarena aus erreichbar sein und der Weg an den Start darf nicht durch das Laufgebiet führen
  • Die Siegerzeiten für D16 und HAL sollen den Richtzeiten gemäss WO entsprechen
  • Vollständige Postenbeschreibung

Rahmenbedingungen für D16 und HAL

Gemäss Art. 42 WO betragen für einen Mitteldistanz OL bei D16 die Richtzeit 25’ – 30’ (Anmerkung: Die Richtzeiten wurden im 2015 erhöht, aber die Änderung in der PDF-Version der WO nicht angepasst und war dort mit 20’ – 25’ ausgewiesen à für die Bewertung liessen wir deshalb Richtzeiten von 20’ – 30’ gelten) und bei HAL 30’ – 35’. Die orientierungstechnischen Anforderungen sollen bei D16 auf Stufe 4 von 6 «wenig schwierig» und bei HAL auf Stufe 6 von 6 «sehr schwierig» sein.

Die Aufgabe setzte voraus, dass die Belaufbarkeit mit dem Gelände der beiden Nationalen vom 2. und 3. September 2017 (Bois de la Baume und La Planée) zu vergleichen sei. Die Auswertung dieser zwei Läufen ergibt für D16 einen km-Schnitt von 6.79’/Lkm und für HAL von 5.66’/Lkm. Daraus lassen sich die gewünschten Streckendaten ableiten.

D16 bei einer Richtzeit von 20’ – 30’ = 3.0 Lkm – 4.4 Lkm

HAL bei einer Richtzeit von 30’ – 35’ = 5.3 Lkm – 6.2 Lkm

Bewertung

Die drei Jury-Mitglieder Kurt Schmid, Michael Eglin und Töby Imhof durften die 47 spannenden Bahnvorschläge bewerten. Erfreulicherweise waren unter den 47 Eingaben 10 in der Kategorie «Nachwuchs». Mit Eingaben aus Belgien, Deutschland, Österreich und den USA wird der Bahnleger-Wettbewerb dieses Jahr international.

Auch dieses Jahr beurteilten die Jury-Mitglieder zuerst unabhängig voneinander die Bahnvorschläge unter anderem nach folgenden Gesichtspunkten:

  • Rahmenbedingungen: wurden die Vorgaben eingehalten?
  • Gesamteindruck: liegt eine abwechslungsreiche Mitteldistanzbahn vor?
  • Abwechslung: weisen die Teilstrecken Abwechslung in Bezug auf Teilstreckenlänge, Richtungswechsel und Orientierungstechnik auf?
  • Routenwahlen: hat es 1-2 Teilstrecken mit Routenwahlen?
  • Physische Anforderung: Entsprechen die Bahnlängen der gestellten Aufgabe? Können die bahntechnisch genutzten exponierten Gebiete allen AthletInnen zugemutet werden?
  • Niveaugerecht: entsprechen die Bahnen der geforderten orientierungstechnischen Anforderungsstufe?

Gemeinsam wurden die Bahnen nochmals diskutiert, bewertet und eine Rangliste erstellt.

Tipps der Jury

Dieses Jahr gab es wenige Bahnleger, welche mit beiden Bahnen voll überzeugen konnten. So wurden einerseits von vielen Bahnlegern die Belaufbarkeit falsch eingeschätzt und zu lange Bahnen gelegt.

Andererseits liessen sich viele Bahnleger dazu verleiten, in diesem wunderschönen und anspruchsvollen Gelände auch für D16 technisch schwierige Bahnen zu legen. Gemäss Bahnlegerhandbuch wird die Anforderungsstufe 4 von 6 mit «wenig schwierig» bezeichnet und wie folgt beschrieben:

«Leitlinien müssen mehrheitlich noch vorhanden sein, sie können jedoch vereinzelt schwieriger zu erkennen und zu verfolgen sein, typischerweise grobe Geländeformen. Entlang der Teilstrecken kommen jetzt viele Leitlinienänderungen aller Art vor. Vorausgesetzt werden weiterhin sichere Auffanglinien / -objekte. Der Auffangpunkt muss nicht schon beim Verlassen der Leitlinie sichtbar sein. Der letzte sichere Attack Point darf bei guter Sicht nicht mehr als 200 m vom Posten entfernt sein, bei schlechter Sicht ist die Maximaldistanz entsprechend zu kürzen. Der Posten darf vom Attack Point aus nicht nur mit dem Kompass angepeilt werden können, es müssen genügend Objekte zur Navigation vom Attack Point zum Posten vorhanden sein. Postenobjekte können etwas schwieriger werden, vermehrt kleinere Punktobjekte. Hinter dem Posten soll immer noch eine klare Auffanglinie resp. ein klares Auffangobjekt vorhanden sein.»

Eine Mitteldistanzbahn ist mehr als nur Feinorientierung. Auch, oder erst recht beim Mitteldistanz-OL, braucht es Abwechslung mit unterschiedlich langen Teilstrecken, mit einzelnen Routenwahlproblemen, mit Richtungsvariationen, mit Tempowechseln, etc.

«Die beste Mitteldistanzbahn ist nicht diejenige, die der Läufer fast abmarschieren muss, um keinen Fehler zu machen, sondern diejenige, auf welcher die Faktoren Tempo, Technik, Terrain mit höchstmöglichem Rhythmus variieren und der Läufer konstant Sicherheit und Geschwindigkeit abwägen muss» (Bahnlegerhandbuch)

Aufgrund der Aufgabenstellung – Bahnen für einen Nationalen OL zu legen – müssen auch der Start- und Zielbereich geeignet sein, um eine grössere Teilnehmerzahl zu bewältigen. So sind für die Wahl von Start-, Zielort und auch des letzten Postens genügend Raum einzuplanen. Z.B. ist ein Start an einer engen Stelle oder ein letzter Posten an einem Felsfuss eher weniger gut geeignet.

Die Siegerbahnen

Da kein Bahnleger voll überzeugen konnte, gab es dieses Jahr eine sehr enge Entscheidung. Dirk Deubel aus Österreich war den Schweizer Bahnlegern nur um eine Haaresbreite voraus. Den Ausschlag gab die HAL-Bahn. Wobei auch hier noch ein kleines «aber» besteht. Der Zieleinlauf mit fast 25 Höhenmeter Downhill ist sicher kein Wunschzieleinlauf.

Zur besten D16-Bahn kürten wir die Eingabe von Kilian Imhof. Sie hat uns als sehr gelungen in Bezug auf die gewählten Anforderungen, Abwechslung etc. angesprochen.

Dieses Jahr werden deshalb auf der nächsten Seite nicht beide Bahnen des besten Bahnlegers, sondern jeweils die beste HAL- und D16-Bahn veröffentlicht.

pdfSiegerbahnen

Die Rangliste

Gesamtwertung (Top 10)

  1. Dirk Deubel (Naturfreunde Wien), Wien (Österreich)
  2. Michael Imhof (OL Regio Wil), Balterswil
  3. Kilian Imhof (OL Regio Wil), Balterswil
  4. Bruno Steinegger, Bassersdorf
  5. Thomas Egger (ol norska), Schnottwil
  6. Julian Lüdke (ol norska), Schnottwil (1. Nachwuchs)
  7. Jürg Bosshard (OLG Pfäffikon), Pfäffikon
  8. Martin Egger (OLV Hindelbank), Burgdorf
  9. Marcia Mürner (OL Regio Wil), Bronschhofen
  10. Flavio Poltéra (Quack OK), Domat/Ems

Nachwuchs (Top 5)

  1. Julian Lüdke (ol norska), Schnottwil
  2. Noah Bühlmann (OLV Luzern), Sursee
  3. Miron Rulka (OLG Biberist), Solothurn
  4. Elias Schafer (OLC Omström Sense), Marly
  5. Jasmin Schwammberger (OLG Suhr), Suhr

 

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