Swiss Olympic und die Schweizer Sportverbände haben in Bern ihre Vernehmlassungsantwort auf die «Gesamtschau Sportförderung des Bundes» präsentiert. Bei der Pressekonferenz vertrat Verbandspräsident Jürg Hellmüller Swiss Orienteering als einer von fünf eingeladenen Schweizer Sportverbänden.

In der Vernehmlassungsantwort bemängeln die Verbände einerseits, dass die Prioritäten falsch gesetzt wurden und andererseits, dass die Fördermittel zu spät fliessen. Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung riskiere die Schweiz, in Zukunft keine Chance auf Podestplätze mehr zu haben. Mit dem Sportförderpaket schlägt die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände einen nachhaltigen und effizienten Athletensupport vor. Einen Tag vor dem Ende des Vernehmlassungsverfahrens «Gesamtschau Sportförderung des Bundes» hat Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, Stellung zum Sportförderkonzept genommen. Anlässlich der Medienkonferenz im Bellevue Palace Bern sagte Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild: «Die ‹Gesamtschau Sportförderung› mit ihren drei Konzepten ist eine kraftvolle Vision zur Stärkung des Sports in der Schweiz. Sie muss als Einheit gesehen werden und unbedingt als Gesamtpaket vom Parlament verabschiedet werden, allerdings mit den richtigen Prioritäten.»
 
Falsche Prioritäten des Bundes
Swiss Olympic war seit 2013 in die Erarbeitung der «Gesamtschau Sportförderung» des Bundes, insbesondere beim Leistungssportkonzept, eingebunden. Zum Schluss des breit angelegten Beteiligungsprozesses zur Entwicklung der «Gesamtschau» bestand ein Konsens zwischen den Stakeholdern: Der Bund unterstützt die Sportverbände mit dringend benötigten Subventionen von 15 Millionen Franken jährlich. Die in die Vernehmlassung geschickte «Gesamtschau» beinhaltet nun jedoch bloss jährliche Bundesinvestitionen in der Höhe von 1,6 Millionen Franken und mittelfristig von 8,5 Millionen Franken. Damit hat der Bund in den Augen des Schweizer Sports die Prioritäten falsch gesetzt, denn die Fördermittel werden bereits heute dringend benötigt und nicht erst in zehn Jahren. Schon heute fällt die Schweiz bei der Spitzensportförderung im internationalen Vergleich ab.
 
Sportförderpaket für einen nachhaltigen Athletensupport
Zusammen mit den Schweizer Sportverbänden schlägt Swiss Olympic daher eine bessere Priorisierung der Massnahmen zugunsten eines effizienten Sportförderpakets für die Athletinnen und Athleten vor. Fördergelder zur Professionalisierung des Trainerwesens, für eine verbesserte Verbandsunterstützung und für dezentrale, sportartspezifische Infrastrukturen sollen die Athleten auf ihrem Weg an die internationale Spitze bestmöglich unterstützen. Des Weiteren unterstrich der Sportdachverband die Tatsache, dass eine Leistungssportkarriere bereits in jungen Jahren altersspezifisch aufgebaut werden muss. Um auch beim Nachwuchssport die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, werden jährlich zusätzlich 20 Millionen Franken an Jugend+Sport-Nachwuchsfördermitteln benötigt. Swiss Olympic und die Mitgliedsverbände sind überzeugt, dass mit diesen Massnahmen viel bewirkt werden kann. Ebenfalls betonen sie, dass das Sportförderpaket sofort statt erst 2028 benötigt werde, wenn die Schweiz nicht den Anschluss an die internationale Spitze verlieren wolle.
 
Viel zu wenige Bundesstellen für Spitzensportler
Im internationalen Vergleich fällt die Schweiz auch betreffend Bundesstellen für Spitzensportler zurück. Deutschland hat über 800 Spitzensportler in der Bundeswehr angestellt.
Österreich unterstützt auf dieselbe Weise 170 Athleten. Die Schweiz beschäftigt demgegenüber 18 Sportler mit einem 50-Prozent-Pensum bei der Armee und zwölf bei der Grenzwache. Wie Jörg Schild aufzeigte, wären mindestens 100 Spitzensportler-Vollzeitstellen bei der Armee nötig, und es bräuchte einen Ausbau des Kontingents an WK-Diensttagen um auf internationalem Niveau mithalten zu können.
Um die Notwendigkeit dieser Sportlerstellen zu begründen, zitierte er Max Peter, Präsident der Sporthilfe: «Die Situation der meisten Schweizer Spitzensportler kann mit jener der Working Poor verglichen werden: In der Schweiz kann nur ein Drittel der Spitzenathleten vom Sport leben. Über 40 Prozent der Schweizer Eliteathleten verdienen weniger als 14'000 Franken im Jahr, geben dafür aber weit mehr als 100 Prozent Einsatz.» Der Präsident von Swiss Olympic fügte an: «Die grosse Doppelbelastung zwischen Erwerbsleben und enormem Trainingsaufwand hemmt jede Sportkarriere.»
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