Im Fokus der Öffentlichkeit und der Medien standen am Weltcup-Wochenende die Weltbesten. Das heisst aber keineswegs, dass nicht auch die besten Schweizer Nachwuchsläuferinnen und -läufer richtungsweisend gefordert waren.
Das Konzept von Swiss Orienteering sah es so vor: Die grössten Schweizer Talente erhielten in Locarno nicht nur die Gelegenheit, die Weltbesten zu bewundern. Sie hatten sich ebenso zu beweisen. Die beiden Nationalen Läufe – das Mitteldistanz-Rennen am Samstag und der Sprint am Sonntag – bildeten bei den D/H20, den D/H18 und D/H16 Mitentscheidungsgrundlage im Hinblick auf die Selektion für die Junior*innen-Weltmeisterschaften (JWOC) sowie die Jugend-Europameisterschaften (EYOC) im Sommer. Die beiden Resultate bilden nicht allein die Grundlage zum Selektionsentscheid: Bei den D/H20 und den D/H18 kommt eine Langdistanz am 17. Mai sowie ein Berglauf am 16. Mai als Grundlage hinzu; bei den D/H16 nur die Langdistanz.
Offenkundig aber: Das Weltcup-Wochenende bildete für die Nachwuchshoffnungen wegweisenden Charakter. Und unbestritten für alle ist: Die Erfolgreichen haben sich in eine vorzügliche Ausgangslage gebracht. Dabei profilierten sich etablierte wie auch neue Namen. Wir stellen einige ins Zentrum.
Die Selbstkritik des Seriensiegers
Zu den Etablierten zählt Matthieu Bührer. Der bald 21-Jährige, der sich ebenso als Berg-, Cross- und Strassenläufer für höchste Aufgaben aufgedrängt hat, dürfte sich zum vierten (und letzten) Mal qualifizieren für die JWOC. Bührer erfüllte bei den Selektionsrennen seine persönliche Vorgabe souverän. Statt zweimal unter die besten Zwei, siegte er zwei Mal. Damit aber sind die Ansprüche des dreifachen Junioren-Weltmeisters nicht befriedigt. Kritisch hielt er fest: «Nach zwei Dritteln des Mitteldistanz-Rennens verlor ich die Nerven und beging einen dummen Fehler.» Im Sprint siegte er überzeugend.
Beruhigend für Bührer, dass das Middle-Malheur auf dieser Ebene passierte. «Geschieht das an den JWOC, hab ich keine Medaille», sagte er. Um Medaillen will er erneut kämpfen, vor allem um goldene. Fünfmal (inkl. Staffeln) hat er die Möglichkeit, anzutreten. Erfolgsaussichten scheinen immer gut. Gleichzeitig aber besonders fordernd: Die Junioren-WM findet in Schweden statt. Dem Heimvorteil der Skandinavier gilt es zu begegnen.
Spannende Konstellationen und ein Niggli-Doppel
Aussichten auf die begehrten internationalen Einsätze im Nachwuchsbereich haben sich etliche offengelassen. Und gerade am Sprint-Sonntag in Ascona für spannende Konstellationen gesorgt. So präsentierten sich bei den D20 Rahel Good und Leonie Mathis zeitgleich auf dem ersten Platz. Gleichzeitig aber lief Mira Weder dieselbe Bahn bei den D18 vier Sekunden schneller – und brachte sich ernsthaft ins Gespräch für die JWOC. Ebenso tat dies die letztjährige Jugend-Europameisterin über die Langdistanz, Lotta Lütti. Als vierte Läuferin blieb sie im Sprint unter der 15 Minuten Grenze. Am Vortag über die Mitteldistanz hatte Rachel Marxer Rahel Good noch auf Platz 2 verwiesen.
Und zum Schluss zwei Fakten von den H16 und D16 mit bekannten OL-Namen. Bei den D16 gewann die Tochter der 23-fachen Weltmeisterin Simone Niggli und deren Ehemann Matthias Niggli - Anja Niggli, sowohl am Samstag wie am Sonntag. Und deren Zwillingsbruder Lars siegte am Samstag im Waldrennen ebenso. Am Sonntag aber sah er sich im Sprint durch Linus Pusterla, dem Sohn des früheren Nationaltrainers Reto Pusterla, geschlagen – nachdem am Vortag die Reihenfolge zwischen den beiden jungen Männern an der Spitze noch umgekehrt gelautet hatte.
Resultate: 5. Nat. Mitteldistanz, 6. Nat. Sprint
Fotos: 5. Nat. Mitteldistanz, 6. Nat. Sprint
(Text: Jörg Greb, Fotos: Veranstaltende Nationale OL)
