Fabian Aebersold gewinnt an der OL-EM in Litauen Bronze über die Mitteldistanz und damit seine zweite Medaille innerhalb von zwei Rennen. Gleichzeitig beendet er den Gesamtweltcup erstmals auf Rang drei. Simona Aebersold verpasst als Sechste eine weitere EM-Medaille, gewinnt aber zum dritten Mal in Folge den Gesamtweltcup.

Fabian Mitteldistanz Zieleinlauf
Fabian Aebersold sichert sich Bronze


Timo Tantanini
Timo Tantanini musste die Spuren ziehen

Die Mitteldistanz führt nochmals in den Petroškai-Wald, der bereits Schauplatz der Langdistanz war. Dichte Vegetation und stellenweise eingeschränkte Sicht erschweren die Navigation. Als Erster nimmt Timo Tantanini das Rennen auf und trifft im grünen Wald noch auf keine Spuren der Konkurrenz. «Es war cool, mit Nummer 1 in den Wald zu gehen. Aber man kann nicht wegdiskutieren, dass es sehr grün war und noch keine Spuren hatte», sagt der Schweizer. Zweimal muss er kurz suchen, grössere Fehler bleiben aus.

Zweite EM-Medaille für Fabian Aebersold

Fabian Aebersold startet schnell ins Rennen. Zwei Minuten hinter ihm geht Langdistanz-Europameister Kasper Harlem Fosser auf die Strecke. Aebersold läuft lange praktisch allein, während Fosser bereits mit dem Tschechen Tomas Krivda unterwegs ist. Bis zum 15. Posten gelingt Aebersold nach eigener Einschätzung ein nahezu perfekter Lauf. In der Lichtung zieht es ihn etwas zu weit nach rechts. Kurz darauf sieht er den hinter ihm gestarteten Fosser. «Das hat etwas der Motivation geschadet», sagt Aebersold. Er bleibt ruhig, nimmt zum 18. Posten zwar nicht die beste Route und bringt seinen Lauf danach direkt vor Fosser ins Ziel.

Noch ist Bronze nicht gesichert. Anton Johansson übernimmt unterwegs Rang zwei und beendet das Rennen 25 Sekunden vor Aebersold. Später ist Miika Kirmula unterwegs, der zwischenzeitlich nur wenige Sekunden hinter dem Schweizer liegt. Doch dem Finnen unterläuft beim 17. Posten ein Fehler. Damit steht Aebersolds zweite EM-Medaille innerhalb von zwei Rennen fest.

«Es ist unglaublich. Ich bin an diese EM ohne Einzelmedaille an einer Meisterschaft gekommen und jetzt sind es zwei», sagt Aebersold. Nach Silber über die Langdistanz habe er nicht erwartet, dass es in der Mitteldistanz nochmals so gut klappen würde.

Fosser gewinnt nach der Langdistanz auch die Mitteldistanz, Johansson wird Zweiter. Für Aebersold endet gleichzeitig der individuelle OL-Weltcup mit einer Premiere: Er steht erstmals auf dem Podest des Gesamtweltcups und beendet die Saison auf Rang drei. «Dass es jetzt gerade der dritte Platz ist, ist sehr cool», sagt er.

Auch Daniel Hubmann beschreibt, wie viel Konzentration die Mitteldistanz verlangt: «Man war richtig gefordert. Man musste immer dranbleiben, immer mitlesen.» Er wird 18., Matthieu Bührer klassiert sich als zweitbester Schweizer auf Rang 14.

Dritter Gesamtweltcupsieg in Folge für Simona Aebersold

Im Frauenrennen verlieren zahlreiche Läuferinnen Zeit. Simona Aebersold unterläuft beim sechsten Posten ein deutlicher Fehler. Trotz des Zeitverlusts bleiben ihre Chancen auf eine Medaille bestehen. Beim 14. Posten zieht es sie erneut zu weit nach rechts. Danach wählt sie einen Umweg über einen Weg statt der direkten Variante. Im Ziel liegt sie auf Rang sechs.

Auch Tove Alexandersson verliert viel Zeit am Posten 6 und beendet die Mitteldistanz auf Rang 39. Hanna Lundberg kommt am besten durch das Rennen und gewinnt ihren ersten Einzel-Titel an einer EM oder WM. Silber geht an Pia Young Vik, Bronze an Venla Harju.

Für Simona Aebersold ist mit der Mitteldistanz auch der individuelle OL-Weltcup abgeschlossen. Bereits nach ihrem Silber in der Langdistanz stand fest, dass ihr die Gesamtführung nicht mehr zu nehmen ist. Sie gewinnt die Jahreswertung zum dritten Mal in Folge. «Das sagt mir, dass ich konstant über mehrere Jahre hinweg laufen kann, dass das Training gut ist», sagt Aebersold. Nach der Sprintsaison sei ihr die Umstellung auf die Waldsaison gut gelungen.

Cheftrainer Remo Ruch zieht nach den beiden Einzelrennen mit drei Schweizer Medaillen eine positive Bilanz: «Mit den drei Medaillen bis jetzt dürfen wir sehr zufrieden sein.» Die Teamleistung in der Mitteldistanz sei etwas schwächer ausgefallen als jene in der Langdistanz. Am Sonntag wird die EM mit den Staffeln abgeschlossen – nochmals im Petroškai-Wald. Ruch erwartet erneut ein schwieriges Rennen.

Die Teamaufstellung für Morgen: Damen: Schweiz 1 mit Sofie Bachmann, Natalia Gemperle, Simona Aebersold; Schweiz 2 mit Inès Berger, Alina Niggli, Corina Hueni; Schweiz 3 mit Annick Meister, Sanna Hotz, ...

Herren: Schweiz 1 mit Daniel Hubmann, Matthieu Bührer, Fabian Aebersold; Schweiz 2 mit Tino Polsini, Riccardo Rancan, Reto Egger; Schweiz 3 mit Timo Tantanini, Martin Hubmann, ...

Die Männerstaffel startet um 10.45 Uhr, die Frauenstaffel um 12.45 Uhr Schweizer Zeit. Die Rennen werden ab 10.40 Uhr live im IOF Web-TV übertragen.

Resultate Mitteldistanz

Männer: 1. Kasper Harlem Fosser (NOR) 32:56. 2. Anton Johansson (SWE) 34:30 (+1:34). 3. Fabian Aebersold (SUI) 34:55 (+1:59). Ferner die Schweizer: 14. Matthieu Bührer 36:41 (+3:45). 18. Daniel Hubmann 37:03 (+4:07). 34. Riccardo Rancan 39:00 (+6:04). 39. Reto Egger 39:55 (+6:59). 45. Timo Tantanini 41:01 (+8:05). 47. Martin Hubmann 41:16 (+8:20). 51. Tino Polsini 42:06 (+9:10).

Frauen: 1. Hanna Lundberg (SWE) 33:20. 2. Pia Young Vik (NOR) 33:36 (+0:16). 3. Venla Harju (FIN) 34:03 (+0:43). Ferner die Schweizerinnen: 6. Simona Aebersold 36:05 (+2:45). 22. Natalia Gemperle 38:00 (+4:40). 27. Alina Niggli 39:23 (+6:03). 34. Sofie Bachmann 39:59 (+6:39). 38. Sanna Hotz 40:19 (+6:59). 46. Corina Hüni 41:51 (+8:31). 58. Ines Berger 46:16 (+12:56). 60. Annick Meister 48:57 (+15:37).

 

(Text: Ieva Simmen, Interviews: Severin Müller, Foto: Simon Buser)