Am OL-Weltcup in Tschechien siegt Simona Aebersold über die Langdistanz. Ihr Bruder Fabian Aebersold wird Dritter. Daniel Hubmann läuft auf den fünften Rang.
Das typisch tschechische, kontinentale Gelände in der Nähe der tschechischen Kleinstadt Vyšší Brod, mit teils steilen Abhängen und steinigen Partien, war heute Austragungsort des Weltcuprennens über die Langdistanz. Das Rennen bot genau das, was man von einer Langdistanz in diesem Gelände erwarten würde: einige lange Routenwahlen, bei denen sich die Läufer*innen entweder für die direkte Route quer durch das Gelände oder Umlauf-Routen mit längeren Abschnitten auf Waldstrassen und Pfaden entscheiden mussten. Meist gute Belaufbarkeit, auch in den «grünen» Partien, machte die direkte Route oft zur besten Option.
Aufgrund von Gewitterwarnungen gegen Abend wurden die Startintervalle auf 2 Minuten verkürzt, wodurch es zum Zusammenschluss von verschiedenen Läufer*innen kam. Simona Aebersold, amtierende Weltmeisterin über diese Distanz, kam mit der Bahn gut zurecht und kam ohne grösseren Fehler durch. So holte sie bald die 2 Minuten vor ihr gestartete Norwegerin Marie Olaussen auf, später auch Tereza Rauturier sowie weitere Läuferinnen, die fortan auch vom Tempodiktat von Aebersold profitieren konnten. Am Ende gewinnt die 28-jährige Seeländerin mit einem deutlichen Vorsprung von 2:23 Minuten. Olaussen wurde Zweite, Rauturier läuft 4:21 Minuten dahinter auf Rang 3.
«Ich hatte ein paar Unsicherheiten am Anfang, danach gelang es mir aber die Konzentration bis zum Ende hochzuhalten. Ich legte den Fokus heute stark auf den technischen Teil, um Fehler in den technisch anspruchsvolleren Partien zu vermeiden. Es ist schön zu sehen, dass die Umstellung vom Sprint-OL im urbanen Gelände auf den Wald so gut gelaufen ist. Das Rennen heute hat mir bestätigt, dass der Speed und die Form stimmt», freut sich Aebersold über ihren Weltcupsieg.
Paula Gross wird als zweitbeste Schweizerin 19., Sofie Bachmann läuft auf Rang 24. Die weiteren Schweizerinnen verpassen die Top 30.
Enges Rennen um die Podestränge bei den Männern
Bei den Männern zeichnete sich an der Spitze ein Duell zwischen Kasper Harlem Fosser (Norwegen) und Viktor Svensk (Schweden) ab, während die Schweizer Daniel Hubmann und Fabian Aebersold ebenfalls um einen Podest-Rang kämpften. Dieser lief gemeinsam mit Aebersold zum Ende des Rennens ein extrem hohes Tempo, absolvierte die letzten Postenabschnitte ohne Probleme und sichert sich so am Ende seinen ersten Weltcupsieg mit einem Vorsprung von 1:47 Minuten vor Kasper Harlem Fosser, der am Ende Rang 2 belegt. Fosser unterlief zu Posten 29 ein zeitraubender Fehler, was ihn im Rennen um den Sieg weiter zurückwarf. Dahinter zeigte Fabian Aebersold einen starken Schlussteil, konnte Quentin Moulet aus Frankreich noch überholen und den dritten Rang herauslaufen.
«Nachdem diese Saison bisher der Sprint-OL im Fokus stand, war es schon eine sehr harte Langdistanz. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, wie ich das Rennen durchgezogen habe und ohne grosse Fehler durchkam. Ich wollte einfache Routen nehmen, so erwischte ich zwar nicht immer die schnellste Variante, aber konnte Fehler vermeiden. Als ich dann von Viktor Svensk eingeholt wurde, war das sicher nicht das beste Feedback, ich liess mich aber nicht beirren und als ich im Überlauf hörte, dass ich ums Podest laufe, konnte ich nochmals die Führung übernehmen und eine schnelle Schlussrunde absolvieren. Das gibt auch ein gutes Gefühl für die weiteren Rennen und ich weiss nun, dass die technischen Abläufe stimmen und auch physisch die Form passt», berichtet Fabian Aebersold, der vor drei Wochen gemeinsam mit Schwester Simona Aebersold, Natalia Gemperle und Tino Polsini noch Weltmeister in der Sprintstaffel wurde.
Ein starkes Rennen zeigte auch Daniel Hubmann. Der 43-Jährige lief ohne nennenswerte Fehler und dank guten Routenwahlen auf den 5. Rang. «Ich wusste, dass mir dieses Gelände und diese Art von OL, wenn man ein hohes Lauftempo anschlagen muss und es trotzdem technisch anspruchsvolle Posten hat, gut liegt und konnte gut umsetzen, was ich mir vorgenommen habe. Es ist schön zu sehen, dass meine Form gut ist und ich im Wald immer noch vorne mitlaufen kann», so ein zufriedener Daniel Hubmann.
Junior Matthieu Bührer beendet bei seinem ersten Weltcuprennen bei der Elite das Rennen auf dem 13. Rang. Er verliert durch kleinere Fehler vor allem gegen Ende des Rennens einige Minuten. Reto Egger läuft auf den 20. Rang.
Nach einem Ruhetag geht es am Samstag weiter über die Mitteldistanz, bevor am Sonntag die Weltcuprunde mit der Staffel abgeschlossen wird. Dank einem vierten Rang im B-Final qualifiziert sich Benjamin Wey nun auch für den A-Final der Mitteldistanz, wodurch alle 16 Schweizer*innen in diesem Rennen im A-Final vertreten sind. Auch diese Rennen sind live im IOF TV zu sehen.
Resultate
Vyšší Brod. Orientierungslauf-Weltcup. Langdistanz. Frauen (12,9 km, 595 HM, 30 Po.): 1. Simona Aebersold (SUI) 1:36:38 Stunden. 2. Marie Olaussen (NOR) 2:23 Min. zurück. 3. Tereza Rauturier (CZE) 4:21. 4. Pia Young Vik (NOR) 8:30. 5. Lucie Dittrichova (CZE) 9:40. 6. Venla Harju (FIN) 9:58.
Ferner: 19. Paula Gross (SUI) 15:27. 24. Sofie Bachmann (SUI) 16:34. 34. Corina Hüni (SUI) 22:02. 43. Annick Meister (SUI) 25:54. 45. Katrin Müller (SUI) 26:41. 47. Lilly Graber (SUI) 27:19. 53. Alina Niggli (SUI) 35:20.
Männer (15,2 km, 735 HM, 30 Po.): 1. Viktor Svensk (SWE) 95:19 Minuten. 2. Kasper Harlem Fosser (NOR) 1:46 zurück. 3. Fabian Aebersold (SUI) 1:57. 4. Quentin Moulet (FRA) 3:17. 5. Daniel Hubmann (SUI) 3:58. 6. Tomas Krivda (CZE) zeitgleich mit Emil Svensk (SWE) 4:18.
Ferner: 13. Matthieu Bührer (SUI) 7:03. 20. Reto Egger (SUI) 9:21. 30. Tino Polsini (SUI) 13:20. 38. Ueli Werren (SUI) 16:01. 43. Joschi Schmid (SUI) 18:32. B-Final: 4. Benjamin Wey (SUI).
Das Weltcup-Programm in der Übersicht
- Mittwoch, 5. August: Qualifikation
- Donnerstag, 6. August: Langdistanz
- Samstag, 8. August: Mitteldistanz
- Sonntag, 9. August: Staffel
Alle Weltcup-Läufe sind live im IOF Web-TV zu sehen, die Mitteldistanz und Staffel auch mit deutschem Kommentar von Philipp Sauter und Lukas Deininger.
TV-Zeiten:
- Langdistanz ab 11:50-16:00 Uhr (angepasste Zeiten!)
- Mitteldistanz ab 14:00-17:50 Uhr
- Staffel ab 10:50-15:00 Uhr
Live-Resultate, GPS-Tracking und weitere Informationen gibt es auf der IOF-Liveplattform: IOF Live-Center
Mehr Infos rund um den Weltcup finden sich auch auf der Veranstaltungswebsite: www.wcup.cz
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(Text: Annalena Schmid, Foto: Petr Kadeřávek)
