Am Weltcup in Tschechien verpassen die Schweizer Teams in der abschliessenden Staffel die Podestränge. Bei den Frauen laufen Paula Gross, Lilly Graber und Simona Aebersold auf Rang 4, bei den Männern reicht es für Daniel Hubmann, Matthieu Bührer und Fabian Aebersold zu Rang 6.
Mit den Staffelrennen wurde heute die dritte Weltcuprunde der Saison im tschechischen Vyšší Brod abgeschlossen. Mit gleicher Zielarena wie bereits in den beiden Rennen zuvor war das Rennen auch heute wieder geprägt von technisch anspruchsvollen Passagen, etwa in den steinigen Hängen oder den grünen, diffusen Partien. So sorgten denn auch zeitraubende Fehler sowohl bei den Frauen als auch den Männern für die entscheidenden Momente des heutigen Rennens.
Die Frauen verpassen das Podest als Vierte
Auf der Startstrecke der Frauen lagen die Top-Läuferinnen alle nahe beisammen. Am besten löste die Aufgabe die Norwegerin Victoria Haestad Björnstad, die eine kleine Lücke von 13 Sekunden auf die weiteren Verfolgerinnen herauslaufen konnte. Sofie Bachmann für Schweiz 2 zeigte ebenfalls eine tolle Startablösung und übergab nur 22 Sekunden dahinter an 5. Position an Annick Meister. Paula Gross für Schweiz 1 verlor 38 Sekunden und schickte Lilly Graber an 12. Position ins Rennen. „Mein Plan war, immer am Ball zu bleiben, auch von den anderen Läuferinnen zu profitieren und gleichzeitig auf mich selbst zu fokussieren, das ist mir ganz gut gelungen“, schätzt Paula Gross ihre Leistung ein.
Marie Olaussen für Norwegen hatte auf der zweiten Ablösung zwar keinen fehlerfreien Lauf, doch weil auch die anderen Läuferinnen nicht ohne Zeitverluste durchkamen, läuft sie am Ende als Führende mit 45 Sekunden Vorsprung auf die Schwedin Klara Borg ins Ziel. Annick Meister für Schweiz 2 hielt lange gut mit der Spitze mit, musste gegen Ende aber etwas abreissen lassen und übergab an 9. Position an Schlussläuferin Corina Hüni.
Lilly Graber, die gestern mit dem 9. Rang überzeugte und sich so ihren Platz im ersten Schweizer Team verdiente, bekundete heute mehr Mühe. Zwar konnte sie zu Beginn rasch den Rückstand auf die Gruppe rund um Annick Meister (Schweiz 2) auflaufen. Danach unterliefen ihr gleich mehrere zeitraubende Fehler, die sie weit zurückwarfen.
An 13. Stelle mit 5:09 Minuten Rückstand schickte die noch junge Aargauerin letztlich Simona Aebersold auf die Schlussstrecke. „Ich bin sehr enttäuscht von meinem Rennen. Ich war zu den Gabelungsposten 8 und 9 plötzlich alleine, wurde unsicher und habe etwas die Nerven verloren. Ich wollte unbedingt wieder ein so gutes Rennen wie gestern zeigen, aber konnte dem Druck, zum ersten Mal im ersten Team zu laufen, nicht ganz standhalten, das ist sehr schade“, so eine selbstkritische Lilly Graber.
An der Spitze liefen auf der Schlussstrecke die drei Top-Läuferinnen Sanna Fast für Schweden, Pia Young Vik für Norwegen und Lucie Dittrichova für Tschechien um die Podestränge. Doch allen unterliefen an unterschiedlichen Stellen Fehler, sodass das Klassement immer wieder durcheinander gewirbelt wurde. Pia Young Vik kam von allen am besten durch den Lauf und sicherte am Ende Norwegen den Sieg. Mit 1:47 Minuten Rückstand läuft Lucie Dittrichova für das Heim-Team aus Tschechien auf den zweiten Rang. Sanna Fast – sie verlor zu Posten 4 und 6 viel Zeit – rettete sich dank einem guten Schlussteil auf den dritten Platz.
Simona Aebersold setzte zur grossen Aufholjagd an, überholte Läuferin um Läuferin, doch auch sie kam nicht ohne kleinere Zeitverluste durch. Am Ende war der Rückstand zu gross, um noch auf das Podest zu laufen und so resultierte der vierte Schlussrang, 3:23 Minuten hinter den Siegerinnen aus Norwegen und eine Minute hinter den drittplatzierten Schwedinnen. „Ich lief volles Risiko und wollte möglichst viel Zeit gutmachen. Ich habe auch immer mehr Teams gesehen, am Schluss reichte es nicht mehr ganz bis nach vorne. Wir gewinnen als Team und verlieren als Team, heute lief es uns nicht optimal, aber ich bin sicher, nächstes Mal werden wir wieder zurückschlagen“, erzählt Aebersold nach dem Rennen.
Zeitraubender Fehler von Daniel Hubmann wirft Schweiz 1 zurück
Bei den Männern nahm Daniel Hubmann für Schweiz 1 das Rennen in Angriff, für Schweiz 2 war Tino Polsini unterwegs, während Timo Tantanini das dritte Schweizer Team vertrat. Bereits von Anfang an lief Tino Polsini sehr sicher ganz an der Spitze, er traf alle Posten präzise und konnte am Ende gar eine kleine Lücke herauslaufen und als Erster mit 12 Sekunden Vorsprung auf die nächsten Läufer an Reto Egger übergeben. «Ich hatte einen super Lauf, ich konnte mich auf mein eigenes Rennen fokussieren und während andere zögerten, gelang es mir zielstrebig meine Posten anzulaufen», so Polsini. Gut auch Timo Tantanini, der lange in der Spitzengruppe mitlief und am Ende als 14. mit 58 Sekunden Rückstand übergab.
Weniger gut lief es Daniel Hubmann. Er startete kontrolliert, drehte dann auf und lag bei Posten 11 und 12 in Führung. Dann aber kam er etwas von der Richtung ab und lief am 13. Posten vorbei, konnte sich nicht direkt auffangen und verlor rund 2 Minuten. «Ich lag gut im Rennen und war bei Posten 11 erstmals ganz vorne. Zu 13 verlor ich leider die Kontrolle. Ich lief wohl zu offensiv und nahm mir zu wenig Zeit die Karte genau zu lesen. Sehr ärgerlich, denn ich hätte genau die Zeit gehabt, einige Sekunden zu investieren», kommentiert Daniel Hubmann den Fehler. Mit 2:45 Rückstand und an 24. Stelle schickte er Matthieu Bührer für Schweiz 1 ins Rennen.
Auch der Schwede Anton Johansson bekundete Mühe mit diesem Posten, ihm gelang es jedoch den Zeitverlust stärker in Grenzen zu halten, sein entfesselter Teamkollege Gustav Bergman konnte dann auch auf der zweiten Ablösung mit Streckenbestzeit den Rückstand wieder aufholen.
Für die Schweiz zeigte Reto Egger für Schweiz 2 auf der zweiten Ablösung eine starke Leistung. Ohne technische Unsicherheiten gelang es ihm sich in der Spitzengruppe zu halten, am Ende übergab er an 6. Stelle mit 43 Sekunden auf den Norweger Eirik Langedal Breivik, der sich vor Finnland und Frankreich an die Spitze setzen konnte. Matthieu Bührer für Schweiz 1 konnte dahinter den Rückstand auf die Spitze mit einem tollen Lauf verringern. Er holte mit der drittbesten Streckenzeit 14 Ränge auf und übergab am Ende an 10. Stelle mit 2:28 Minuten Rückstand auf die Spitze. «Ich hatte einen wirklich guten Lauf, ich startete etwas später als erwartet und bin deshalb aggressiv losgelaufen. Ich wusste, es war noch nichts verloren, technisch lief es mir gut und auch physisch konnte ich voll ans Limit gehen. So ist es ein gutes Ende von einer coolen Woche, ich bin sehr zufrieden mit meinem ersten Weltcupeinsatz und es hat sehr viel Spass gemacht erstmals mit dem Schweizer Team bei der Elite dabei zu sein», berichtet Matthieu Bührer.
Auf der Schlussstrecke startete Ueli Werren für Schweiz 2 mit der versammelten Weltspitze rund um Viktor Svensk (Schweden 1), Kasper Fosser (Norwegen 1) und Olli Ojanaho (Finnland 1). Der Berner, der erst zum zweiten Mal an einem Weltcup startete, löste seine Aufgabe solide und läuft am Ende auf den 7. Rang – als bestklassiertes zweites Team.
Fabian Aebersold für Schweiz 1 «lief los wie die Feuerwehr», wie es TV-Experte Philipp Sauter kommentierte, um das Unmögliche möglich zu machen, doch auch an der Spitze war das Tempo enorm hoch. Zwar konnte Aebersold am Ende vier Ränge gutmachen und das Team auf den 6. Rang führen – er überholte am Schluss auch noch Ueli Werren vom zweiten Schweizer Team – doch letztlich war der Rückstand bereits zu gross und die führenden Teams zu stark, um noch um die Podestränge mitzulaufen. «Der Plan war eigentlich, sicher zu starten und gut ins Rennen zu finden. Da ich mit etwas mehr Rückstand startete als erhofft, warf ich diesen Plan über den Haufen und startete sehr schnell. Ich traf die ersten Posten gut, aber es schlichen sich dann im Mittelteil ein paar Fehler ein und auch physisch fühlte ich mich nicht super. Alles in allem kann ich trotzdem zufrieden sein, auch wenn wir als Team uns natürlich etwas mehr erhofft hätten», so Aebersold.
Um den Sieg duellierten sich derweilen Kasper Harlem Fosser für Norwegen und Viktor Svensk für Schweden. Svensk setzte beim zweitletzten Posten, als Fosser kurz zögerte, zum entscheidenden Angriff an und sicherte Schweden den Sieg. Dahinter kam es zum Zweikampf um den dritten Rang, welchen der Finne Olli Ojanaho für sich entscheiden konnte. Er verwies den Franzosen Quentin Moulet auf den 4. Rang. Gut auch die Leistung des dritten Schweizer Teams. Timo Tantanini, Joschi Schmid und Benjamin Wey laufen auf den 11. Rang, als bestes Team 3.
Als nächster internationaler Wettkampf stehen Ende September die Europameisterschaften in Litauen an. Auch dort wird über die Mitteldistanz, Langdistanz und in der Staffel im Wald gestartet.
Resultate
Vyšší Brod. Orientierungslauf-Weltcup. Staffel. Männer (5,4-5,6 km, 285 HM, 19-20 Po.): Schweden 1 (Anton Johansson, Gustav Bergman, Viktor Svensk) 1:28:56 Stunden. 2. Norwegen 1 (Lukas Liland, Eirik Langedal Breivik, Kasper Harlem Fosser) 00:13 Min. zurück. 3. Finnland 1 (Miika Kirmula, Topi Syrjalainen, Olli Ojanaho) 1:03. 4. Frankreich 1 (Mathieu Perrin, Lucas Basset, Quentin Moulet) 1:12. 5. Tschechien 1 (Jakub Chaloupsky, Daniel Bolehovsky, Tomas Krivda) 2:06. 4. Schweiz 1 (Daniel Hubmann, Matthieu Bührer, Fabian Aebersold) 4:10.
Ferner: 7. Schweiz 2 (Tino Polsini, Reto Egger, Ueli Werren) 4:27. 11. Schweiz 3 (Timo Tantanini, Joschi Schmid, Benjamin Wey) 7:03.
Frauen (4,9-5,1 km, 235 m, 17-18 Po.): Norwegen 1 (Victoria Haestad Björnstad, Marie Olaussen, Pia Young Vik) 1:42:32 Stunden. 2. Tschechien 1 (Denisa Kralova, Tereza Rauturier, Lucie Dittrichova) 1:47 Min. zurück. 3. Schweden 1 (Freja Hjerne, Klara Borg, Sanna Fast) 2:24. 4. Schweiz 1 (Paula Gross, Lilly Graber, Simona Aebersold) 3:23. 5. Dänemark 1 (Hedvig Valbjörn Gydesen, Annika Simonsen, Eva Ornhagen Joergensen) 3:31. 6. Finnland 2 (Inka Nurminen, Marika Teini, Maija Sianoja) 5:17.
Ferner: 14. Schweiz 2 (Sofie Bachmann, Annick Meister, Corina Hüni) 10:53.
Offizielle Kanäle des Swiss Orienteering Teams
- Webseite: www.swiss-orienteering.ch
- Facebook-Seite: Swiss Orienteering
- Instagram: @swissorienteering
- YouTube: @swissoteam
- Podcast: OLé
- Hashtag: #swissoteam
(Text, zum letzten Mal: Annalena Schmid, Fotos: Vratislav Polívka & Petr Kadeřávek)




