Die Schweizermeisterschaften über die MTBO-Langdistanz in Lullier (GE) boten spannende Rennen mit knappen Entscheidungen. Noah Rieder sicherte sich bei den Herren mit einer nahezu fehlerfreien Leistung den Titel vor Adrian Jäggi und Silas Hotz. Bei den Frauen gewann Ursina Jäggi den Schweizermeistertitel vor Doppeleuropameisterin Celine Wellenreiter.
An diesem Wochenende machte der Bike-OL Swiss Cup Halt in der Romandie. Im Rahmen des Weekends Genf/Lullier wurden am Sonntag die Schweizermeistertitel über die Langdistanz vergeben. Bereits am Samstag stand mit einer Mitteldistanz der Auftakt auf dem Programm, der den Teilnehmenden in einem abwechslungsreichen und technisch anspruchsvollen Gelände alles abverlangte.
Laufleiter und Bahnleger Nicolas Pinsard präsentierte Bahnen, die dem Charakter einer klassischen Mitteldistanz vollauf gerecht wurden. Längere, schnelle Abschnitte mit grossen Postenabständen wechselten sich mit technisch anspruchsvollen Passagen ab, in denen die Posten dichter beieinander lagen und höchste Konzentration gefordert war. Entsprechend positiv fielen die Rückmeldungen der Fahrerinnen und Fahrer aus.
Dank der Nähe zur französischen Grenze nutzten auch mehrere Spitzenathleten aus Frankreich die Gelegenheit zum Start. Bei den Herren waren mit Armel Berthaud, Pierre Martinez und Paul Debray namhafte Vertreter der derzeit sehr starken französischen Elite am Start. Bereits an den Europameisterschaften in Portugal hatten sie sich packende Duelle mit den Schweizer Athleten geliefert. Und auch bei den Damen gaben sich mit Laurane Meyers und Lou Garcin zwei namhafte Konkurrentinnen aus der «Grande Nation» die Ehre. Die Resultate der Mitteldistanz deuteten bereits an, dass auch in Lullier enge Entscheidungen bevorstanden, denn sowohl bei den Herren als auch bei den Damen lagen die Spitzenzeiten sehr nahe beieinander.
Der Höhepunkt des Wochenendes folgte am Sonntag mit den Schweizermeisterschaften über die Langdistanz. Das Gelände rund um Lullier war mehrheitlich flach und gut befahrbar, was ein ausgesprochen schnelles Rennen ermöglichte. Gerade in solchem Terrain fallen fahrtechnische Unterschiede weniger stark ins Gewicht als in steilen Gebieten. Umso entscheidender waren eine präzise Routenwahl und fehlerfreies Kartenlesen, denn jeder Orientierungsfehler kostete wertvolle Sekunden.
Bei den Herren gelang dies Noah Rieder am besten. Der momentan wohl stärkste Schweizer MTBO-Athlet absolvierte ein nahezu perfektes Rennen. «Eigentlich hatte ich keinen einzigen Fehler. Es war einfach sehr heiss», meinte Rieder nach dem Rennen mit einem Schmunzeln. Vielleicht half ihm auch die spontane Dusche, die ihm die Organisatoren kurz vor dem Start verpassten und die ihm im Hitzerennen eine willkommene Abkühlung verschaffte.
Adrian Jäggi hielt den Rückstand auf den Sieger gering. Die Analyse zeigte, dass sich die beiden Spitzenfahrer mehrfach für unterschiedliche Routen entschieden hatten. «Wir wählten mehrmals verschiedene Varianten, die sich am Ende aber praktisch ausglichen», erklärte Jäggi.
Auch Silas Hotz zeigte ein starkes Rennen und sicherte sich Rang drei. Dabei profitierte er allerdings davon, dass er vom späteren Sieger eingeholt wurde und einen Teil des Rennens gemeinsam mit ihm absolvieren konnte. «Ich hatte wirklich Mühe, Noahs Tempo zu folgen. Und obwohl er vorne fuhr und gleichzeitig die Karte lesen musste, blieb mir kaum Zeit, meine eigene Karte zu kontrollieren», zeigte sich Hotz von Rieders Leistung beeindruckt. Die Schweizer belegten damit die ersten drei Plätze vor dem hochkarätigen französischen Trio, das an diesem Wochenende die Stärke des Schweizer Herrenteams neidlos anerkennen musste.
Bei den Damen setzte sich mit Laurane Meyers zwar eine Französin an die Spitze des Gesamtklassements, doch im Rennen um den Schweizermeistertitel hatte Ursina Jäggi die Nase vorn. Die erfahrene Athletin verwies Titelverteidigerin und Doppeleuropameisterin Celine Wellenreiter mit 30 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei.
Auch bei den Frauen zeigte sich, dass unterschiedliche Routenwahlen den Rennverlauf prägten. «Weder Celine noch ich haben während des ganzen Rennens immer die optimale Route erwischt. Celine verlor vor allem zu den Posten fünf und sechs Zeit, ich hingegen zu den Posten vier und sieben», erklärte Jäggi. Letztlich glichen sich diese kleinen Zeitverluste weitgehend aus. Bronze ging an Arianna Arpagaus, die seit Anfang Jahr als Trainerin der Nachwuchsgruppe des Schweizer Bike-OL-Kaders tätig ist.
Bei den Juniorinnen sorgte die erst 15-jährige Joy Vassalli aus eben dieser Nachwuchsgruppe wie schon im Vorjahr für eine starke Leistung und fuhr auf den zweiten Platz. Diesmal musste sie sich jedoch der klaren Favoritin Malin Röhrl geschlagen geben. Die international auch in dieser Saison äusserst erfolgreiche Nachwuchsfahrerin aus Egnach revanchierte sich damit für ihre Niederlage im vergangenen Jahr und setzte sich mit einem Vorsprung von rund drei Minuten deutlich durch. Den dritten Platz belegte mit Kim Vassalli die ältere Schwester von Joy.
Auch bei den Junioren gab es einen Tessiner Erfolg. Pietro G. Enrile entschied das Duell mit Jann Wittwer für sich und sicherte sich den Schweizermeistertitel.
Hier gehts zu den Ranglisten:
(Text und Bilder: Thomas Bossi)


