Die Schweiz darf an den Bike-OL-Weltmeisterschaften in Mora die Medaillen Nummer 2 und 3 bejubeln. Noah Rieder sicherte sich im Sprint die Bronzemedaille und stand damit erstmals an Titelkämpfen auf dem Einzel-Podest. Malin Röhrl überzeugte erneut und gewann bei den Juniorinnen nach ihrem Langdistanz-Titel die Bronzemedaille.

Der Sprint in Mora begann mit einem kurzen urbanen Abschnitt durch die Stadt, führte anschliessend in ein Waldgebiet mit dichtem Wegnetz und endete nach einer Passage mit Leichtathletikbahn und Fussballfeldern am Ufer des Moraparkensees. Die Routenwahlen waren zwar nicht aussergewöhnlich schwierig, bei den hohen Geschwindigkeiten durfte man sich jedoch im dichten Weggewirr kaum einen Fehler erlauben.

Rieder belohnt sich mit Bronze

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Endlich die langersehnte Medaille: Noah Rieder im Sprint

Genau dies gelang Noah Rieder. Der Lysser war von Beginn an an der Spitze präsent und absolvierte ein nahezu fehlerfreies Rennen. Immer wieder tauchte sein Name bei den Zwischenzeiten in den vordersten Positionen auf. «Es ging mir eigentlich solid gut. Ich konnte von Anfang an ein sauberes Rennen fahren und pushen, was auch nötig war, um vorne mitzufahren», blickte Rieder zufrieden zurück. Entscheidend sei dabei die permanente Konzentration gewesen: «Ich habe jede Abzweigung und alles, was ich voraussehen musste, erwischt.»

Lediglich im letzten Rennabschnitt rund um die Fussballfelder dürfte manchem Schweizer Fan kurz der Atem gestockt haben. Nach dem Übergang beim See und bei der Leichtathletikbahn entschied sich Rieder zweimal für die auf den ersten Blick langsamere Route. «Dort habe ich zweimal die langsamere Route genommen», bestätigte er. Zum Glück hielt sich der Zeitverlust in Grenzen, und Rieder konnte in dieser Phase noch von seinem zuvor herausgefahrenen Zeitpolster zehren. Zum allerletzten Posten baute Rieder schliesslich noch einen kleinen Schlenker ein, da dort ein weiterer Posten in unmittelbarer Nähe stand.

Dass sich im Sprint keine Unsicherheit einschleichen durfte, zeigt ein Blick auf die Rangliste. Nur fünf Sekunden hinter Rieder klassierte sich ein finnisches Trio. Die Leistungsdichte bei den Herren war einmal mehr enorm. Dennoch gelang es dem Finnen Tomi Nykänen, sich an der Spitze durchzusetzen und damit die eindrückliche Dominanz der Nordländer an diesen Weltmeisterschaften fortzusetzen.

Für Rieder überwog nach dem Rennen aber ohnehin die Freude. Nach dem fünften Rang in der Mitteldistanz und Rang neun in der Langdistanz hatte es nun endlich mit der ersehnten Medaille geklappt. «Nein, ich bin echt mega zufrieden und bin happy, dass es nun endlich für eine Medaille gereicht hat», freute er sich. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb allerdings nicht: «Jetzt gibt es dann die Prize-Giving Ceremony, dann wird ein wenig gefeiert.»

Röhrl doppelt nach

Nach ihrem Weltmeistertitel in der Langdistanz legte Malin Röhrl bereits einen Tag später nach. Die Schweizerin gewann bei den Juniorinnen die Bronzemedaille und baute ihre Medaillensammlung in Mora weiter aus.

Lange Zeit lag sogar noch mehr drin. Bis etwa zur Rennhälfte hielt Röhrl Kontakt zur Spitze und befand sich in Schlagdistanz zur späteren Siegerin Liida Lahti aus Finnland. Dann unterlief ihr auf dem Weg zu Posten 11 ein wohl vorentscheidender Fehler. Die Schweizerin überfuhr eine Abzweigung und bemerkte dies erst nach einigen Sekunden. Rund 35 Sekunden gingen dadurch verloren - im Sprint eine kleine Ewigkeit. Vermutlich kostete sie dieser Fehler die Silbermedaille. Trotz dieses Rückschlags zeigte Röhrl eine starke zweite Rennhälfte und sicherte sich verdient ihre zweite WM-Medaille innerhalb von zwei Tagen.

Wellenreiter erneut knapp neben dem Podest

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Nur um 20 Sekunden an Gold vorbei: Celine Wellenreiter

Auch bei den Damen war eine Schweizerin mitten im Kampf um die Medaillen anzutreffen. Celine Wellenreiter gelang ein starkes Rennen und sie hielt lange Kontakt zu den Podestplätzen. Am Ende resultierte jedoch erneut der undankbare vierte Rang.

Die üblichen Verdächtigen bestimmten einmal mehr das Geschehen an der Spitze. Die Finnin Marika Sareela, die Schwedin Gabriella Gustafsson und die Dänin Nikoline Splittorff konnten sich in dieser Reihenfolge leicht von der Konkurrenz absetzen. Wellenreiter blieb ihnen jedoch stets dicht auf den Fersen. Im Ziel fehlten ihr lediglich 20 Sekunden auf den Weltmeistertitel und sieben Sekunden auf die Bronzemedaille.

Dabei zeigte sich die Schweizerin mit ihrem Rennen grundsätzlich zufrieden. Sie sei sauber in den Wettkampf gestartet, habe ihre Routen jeweils frühzeitig planen können und diese grösstenteils auch wie vorgesehen umgesetzt. «Zwei- oder dreimal hatte ich einen kleinen Zögerer, ein- oder zweimal habe ich einen kleinen Weg verpasst», bilanzierte sie. Gröbere Fehler leistete sich die Europameisterin jedoch keine.

Entschieden wurde das Rennen aus ihrer Sicht im Schlussteil rund um das Leichtathletikstadion. Dort übersah Wellenreiter die schnellste Variante. Auf dem Weg zum zweitletzten Posten verlor sie zudem nochmals einige Sekunden, weil sie kurz zögerte, ob eine Passage über Sand erlaubt sei. Eigentlich habe sie es gewusst, räumte sie ein, schliesslich sei dies im Bulletin klar kommuniziert worden. Gerade deshalb schmerzten die verlorenen Sekunden besonders.

Anders als nach der Mittel- und Langdistanz überwog dieses Mal deshalb die Enttäuschung. «Grundsätzlich hatte ich ein sehr gutes Rennen», hielt Wellenreiter zwar fest. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass ohne die kleinen Unsicherheiten im Schlussabschnitt wohl mehr möglich gewesen wäre. «Von daher ist es hart, als eine der Mitfavoritinnen an eine WM zu kommen und dann dreimal mit Rang vier vorliebnehmen zu müssen», meinte sie nachdenklich.

Trotzdem bestätigte Wellenreiter mit drei Diplomrängen in drei Einzelrennen eindrücklich ihre Zugehörigkeit zur absoluten Weltspitze.

Schweizer in den Top 30

Bei den Herren zeigte Adrian Jäggi einen gelungenen Wettkampf. Der Schweizer absolvierte ein solides Rennen und klassierte sich als zweitbester Schweizer auf Rang 24. Mit seiner Fahrt zeigte er sich grundsätzlich zufrieden. «Ich habe eigentlich fast keine Fehler gemacht», bilanzierte Jäggi. Lediglich zu Beginn hätten ihn zwei kleine Unsicherheiten vielleicht zehn bis fünfzehn Sekunden gekostet.

Ansonsten konnte sich der Routinier wenig vorwerfen. Rückblickend habe er das Gefühl, stellenweise vielleicht etwas zu vorsichtig unterwegs gewesen zu sein. «Ja, offensichtlich ist das momentan das, was ich imstande bin zu leisten», ordnete er seine Leistung nüchtern ein. Gleichzeitig zeigte sich Jäggi auch etwas zwiegespalten. Einerseits sei das Rennen sauber und weitgehend fehlerfrei gewesen, andererseits wirke ein 24. Rang auf den ersten Blick dennoch etwas enttäuschend.

Doch wie schon an den Vortagen lagen die Fahrer extrem dicht beisammen, und bereits wenige Sekunden machten zahlreiche Plätze aus. Trotz allem überwog bei Jäggi die positive Stimmung. «Ich konnte es trotzdem geniessen», meinte er nach dem Rennen. Der Fokus richtet sich nun bereits auf die Staffel von morgen Sonntag: «Ich freue mich auf morgen.»

Flurin Schnyder kam das heutige Profil deutlich mehr entgegen als die physisch geprägte Mitteldistanz. Auf die Langdistanz hatte er aufgrund seiner gesundheitlichen Situation verzichtet. Die Mischung aus hoher Intensität und technischem Anspruch spielte dem Berner deutlich besser in die Karten.

Entsprechend gross war die Erleichterung nach dem Rennen. «Ich hatte extrem Freude, dass ich wieder starten konnte», erklärte Schnyder. Den Umständen entsprechend habe er sich gut gefühlt und ein solides Rennen zeigen können. Ganz fehlerfrei blieb zwar auch er nicht. Auf dem Weg zu Posten 10 nahm er eine Abzweigung zu früh und verlor dadurch rund 20 Sekunden. Viel mehr hatte er sich jedoch nicht vorzuwerfen.

Wie bereits an den Vortagen zeigte sich allerdings, dass ihm die körperlichen Reserven derzeit noch fehlen. Er habe gemerkt, dass er physisch kontinuierlich Zeit verliere, analysierte Schnyder selbstkritisch. Vor diesem Hintergrund ordnete er seine Leistungen aber durchaus positiv ein. Trotz Pfeifferschem Drüsenfieber im letzen Winter habe er über die gesamte Saison hinweg konstante Resultate zeigen können.

Mit Rang 29 sorgte er nach schwierigen Tagen für einen versöhnlichen Abschluss der Einzelwettkämpfe (in der gleichzeitig gewerteten U-23 Weltmeisterschaft reichte dies zu Rang 8). Gleichzeitig richtet sich sein Blick bereits nach vorne. Er hoffe nun, sich vollständig zu erholen und über den Winter wieder gut trainieren zu können. «Dann möchte ich nächste Saison wieder voll angreifen», blickte Schnyder optimistisch voraus.

Silas Hotz war ebenfalls lange gut unterwegs. «Ich hatte einen etwas zittrigen Start, hatte es dann aber relativ schnell solid im Griff», blickte er auf die Anfangsphase zurück. Danach sei er wie vorgenommen «immer am Limit» gefahren, bis ihm auf dem Weg zu Posten 12 ein grösserer Fehler unterlief. Dort habe er genau das nicht umgesetzt, was ihm in der Mittel- und Langdistanz noch gut gelungen war: «Bei Unsicherheiten sofort stehenzubleiben.» Stattdessen erwischte er eine falsche Abzweigung und verlor dadurch wertvolle Zeit.

Danach fand Hotz wieder in einen soliden Rhythmus und brachte das Rennen ohne weitere grössere Fehler zu Ende. Etwas enttäuscht zeigte er sich allerdings darüber, dass er auch abgesehen vom Fehler bei Posten 12 kontinuierlich Zeit auf die Spitze verlor. «Ich bin sowohl physisch als auch technisch voll am Limit gewesen», erklärte er.

Im Ziel resultierte Rang 32. «Von daher war der Sprint ein wenig enttäuschend. Aber er hat trotzdem Spass gemacht und bin sehr motiviert auf die morgige Staffel», zog Hotz ein differenziertes Fazit.

Schweizerinnen in den Top 20

Auch Jana Lüscher Alemany und Ursina Jäggi zeigten bei den Damen ansprechende Leistungen. Während Lüscher im Vergleich zu den beiden Vortagen etwas mehr Zeit auf die Spitze einbüsste, gelang Jäggi eine Steigerung. So fanden sich die beiden Schweizerinnen schliesslich unmittelbar nebeneinander in der Rangliste wieder. Auf den Rängen 17 und 18 klassiert, trennten sie im Ziel lediglich fünf Sekunden.

Jäggi zeigte sich mit ihrem Rennen insgesamt einigermassen zufrieden. Zu Beginn habe sie bewusst darauf geachtet, gut auf die Karte zu kommen. Dabei habe sie vielleicht das eine oder andere «Bögli» zu viel gemacht, grössere Fehler seien ihr aber zunächst nicht unterlaufen. Auch zu Posten 16 habe sie etwas Zeit eingebüsst, weil sie leicht zu weit gefahren sei.

Die entscheidende Szene ereignete sich jedoch nach dem Zuschauerposten. Dort verlor die Schweizerin bei einem Posten rund eine Minute. «Den habe ich ziemlich verkackt», meinte sie gewohnt selbstkritisch. Im Sprint sei ein solcher Zeitverlust natürlich besonders schmerzhaft. Abgesehen von dieser Szene zeigte sie jedoch einen soliden Wettkampf und konnte sich im Vergleich zu den beiden Vortagen nochmals steigern.

Entsprechend fiel auch ihr Fazit differenziert aus. Mit Rang 18 erreichte sie ihr bestes Resultat dieser Weltmeisterschaften. «Nicht super, aber auch nicht mega schlecht», fasste Jäggi ihren Auftritt zusammen.

Wittwer im Mittelfeld

Bei den Junioren versuchte Jann Wittwer seinen starken elften Rang in der Langdistanz zu betätigen. «Ich hatte ein gutes Rennen. Ich bin gut gestartet und konnte relativ früh einen anderen Fahrer einholen, der zuvor einen Fehler gemacht hatte», schilderte Wittwer den Auftakt. Danach sei er weiterhin mit hohem Tempo unterwegs gewesen und habe sich dabei kaum Fehler geleistet. «Ab und an hatte ich mal einen Zögerer, aber sonst lief es eigentlich recht schnell und sauber.»

Für zusätzliche Spannung bei Wittwer sorgte der hinter ihm gestartete schwedische Doppelweltmeister Joel Holmgard. Als dieser mit hohem Tempo aufschloss und ihn überholte, versuchte Wittwer, dessen Tempo mitzugehen. «Ich wollte bei ihm bleiben, habe es aber nicht geschafft», musste er anerkennen. Bis auf einen weiteren Routenwahlfehler im Schlussteil blieb sein Rennen jedoch weitgehend sauber.

Am Ende klassierte sich Wittwer auf Rang 21. Die engen Abstände zeigen dabei, wie viel im Sprint bereits kleine Zeitverluste ausmachen: «Es war ein sehr enges Rennen. 30 Sekunden schneller und ich wäre rund sechs Ränge weiter vorne gewesen.» Trotz des etwas ernüchternden Resultats dürfte die Erfahrung gegen die internationale Juniorenspitze für den jungen Schweizer besonders wertvoll sein.

Resultate

Sprint Herren und Damen (ohne Zwischenzeiten)

Sprint Herren, Damen und Junior*innen (mit Zwischenzeiten)

Das weitere Programm

  • Sonntag, 30. August: Staffel

Hier gehts zur offiziellen Veranstalter-Homepage und zum IOF Live-Event Center

(Text: Thomas Bossi, Bilder: Ulf Rask)