Nebst dem Weltcup der Elite in Tschechien ist die Weltmeisterschaft der «Masters» in Polen ein weiterer Hotspot im Fuss-OL in der ersten August-Hälfte. Die Region Rzeszow in der Südostecke des Landes ist Austragungsort. Am Wochenende ist mit dem Sprint-OL die erste Entscheidung gefallen. Die eher kleinere Truppe aus der Schweiz kann 6 Medaillen bejubeln. Bemerkenswert die Leistung von Monika Ammann: sie gewinnt zum dritten Mal in Folge bei W65. Es ist ihr 6. WM-Titel im Sprint-OL.
2420 Seniorinnen und Senioren waren am Sonntag beim Sprint-Finale startberechtigt. Das ist eine durchschnittliche Anzahl. Mit über 4200 vor 2 Jahren in Finnland lässt sich diese Zahl nicht vergleichen. Doch Rzeszow liegt nur 90 km von der Grenze zur Ukraine entfernt. Zwar nimmt der Alltag in der Region trotz Krieg im Nachbarland – höchstwahrscheinlich – seinen gewohnten Gang. Dennoch ist es nicht für jeden sonst OL-Begeisterten eine Selbstverständlichkeit, in die Nähe eines Krisengebietes zu reisen. Das spürten bereits die Veranstalter der WMOC 2023 in der Slowakei. Kosice liegt noch näher zur Ukraine. Doch damals gab es noch keine Ereignisse ausserhalb der Ukraine, die mit dem Krieg in Verbindung gebracht werden können.
Schweden vor Finnland und kleinere Schweizer Mannschaft
Die Senioren-WM war in der Wahrnehmung immer das «Lieblingskind» der Finninen und Finnen. Beim Sprint-OL war nun Schweden mit 335 vor Finnland mit 323 Startenden am besten vertreten. Es folgen Norwegen (264), Tschechien (225) und Polen (223) als nächste Länder. Wie gewohnt ist ein solcher Event auch immer ein Magnet für Sportlerinnen und Sportler, die im Austragungsland wohnen. Diese Zahlen werden ab Dienstag bei den Wettkämpfen im Wald noch höher liegen. Denn gemäss der ersten publizierten Liste sind bei den Wettkämpfen im Wald etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr gemeldet als beim Sprint-OL. Schweiz als Nationalität ist mit 59 Teilnehmende kleiner als auch schon. Vor allem beim Sprint-OL sind mehrere «medaillenverdächtige» Läuferinnen und Läufer in Polen am Start. Generell sind die Kategorien wie gewohnt prominent besetzt. M65 (242), M70 (221), W65 (149) und W60 (133) sind je die zwei Kategorien mit den meisten Startenden. Die ältesten Kategorien sind M95 und W90. 42 Nationen sind vertreten.
Sprint-OL: 1x Gold, 3x Silber, 2x Bronze
Schweizerinnen und Schweizer können Sprint-OL! Zumindest zeigt die Medaillenbilanz als Tatbestand, dass die Erfolgschancen bei dieser Disziplin besser sind. Der Weg zu einem Podestrang führte wie gewohnt über den Qualifikationslauf, der am Samstag in der östlich gelegenen, kleinen Nachbarstadt Przeworsk ausgetragen wurde. Nachdem Mitte Woche noch Temperaturen bis 40 Grad herrschten und am Freitag ein teils intensiver Regen für eine deutliche Abkühlung gesorgt hatte, waren die Bedingungen am Wochenende optimal. In den je nach Kategoriengrösse bis 4 Qualifeldern (M65) konnten zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer Spitzenplatzierungen erreichen und sich im A-Final in Position bringen. Allerdings ist offen, wie stark sich insbesondere die besten Sprinterinnen und Sprinter in dieser Qualifikation verausgaben. Eine klare Ansage machten Liselotte Freuler und Johanna Purrer als Siegerinnen der W60-Heats. Ebenso Monika Ammann (W65) und Mario Ammann (M70) als jeweils Zweite. Ernst Moos (M90) wurde Dritter. Rang 4 belegten Markus Schweizer (M60), Daniel Kobel (M65) sowie Ueli Bretscher (M75) und Rang 5 Martin Sacher (M65) und Barbara Egger (W65). Die Zeitabstände waren auf den vorderen Rängen jedoch meist gering. Und Rang 5 oder Rang 10 in der Qualifikation spielt letztlich keine grosse Rolle.
Die Entscheidung fiel am Sonntag im Zentrum der Stadt Rzeszow. Zur grossen Freude der Betroffenen konnten Monika Ammann (1. W65A), Mario Ammann (2. M70A) und Liselotte Freuler sowie Johanna Purrer (2. und 3. W60) das «Ding» durchziehen. Monika Ammann siegte souverän mit 21 Sekunden Vorsprung. Mario Ammann war 18 Sekunden langsamer als der Sieger, aber 4 Sekunden schneller als der Dritte, den wiederum nur 1 Sekunde vom Viertplatzierten trennte. Besondere Spannung versprach das W60-Finale. Liselotte Freuler verpasste den Sieg nur um 4 Sekunden und hielt Johanna Purrer mit 16 Sekunden auf Distanz. Eine grosse Steigerung gegenüber der Qualifikation gelang Priska Gautschi (W65). Der Rückstand von über 3 Minuten am Samstag war nicht die Folge einer «Trödelei». Sie war zuversichtlich, dass sie mit einem guten Lauf – wieder – einen Medaillenrang erreichen kann: Rang 3 bei W65. Zu den Bisherigen mit «Podesterfahrung» gesellte sich Martin Schaffner als Zweiter bei M60. «Endlich hat es geklappt!», sagte er strahlend bei der Siegerehrung. Als Vierter verpasste Ernst Moos eine Bronzemedaille nur knapp. 21 Sekunden fehlten für einen Aufstieg auf das Podest.
Beide Wettkämpfe waren eher läuferisch betont. Es ist spannend, wie unterschiedlich einzelne Protagonisten auch ausserhalb der Medaillenränge die beiden Laufanlagen wahrgenommen haben. Es gab am Sonntag mehrere künstliche Sperren. Sie waren transparent, erzwangen die Aufmerksamkeit der Beteiligten und verlangten punktuelle Anpassungen bei den Routenwahlen. Beachtung verdient die Leistung von Monika Ammann. Sie wurde bereits im Vorjahr in Spanien und 2024 in Finnland Weltmeisterin. Es ist mittlerweile der sechste WM-Titel, aber der siebte Sieg. Denn sie war auch 2019 in Riga/Lettland die schnellste. Damals wurden aber nicht bei allen Kategorien Medaillen verteilt. Monika Ammann startete 2010 erstmals an einer Senioren-WM, gewann 2012 die erste (goldene) Medaille und platzierte sich seither bei 14 Teilnahmen 10-mal auf den Rängen 1-3.
Der Wald ruft
Ab Dienstag stehen die Wettkämpfe im Wald auf dem Programm. Sie beginnen mit der Qualifikation, welche als Langdistanz-OL ausgetragen wird. Das Resultat entscheidet über die Zuteilung zu den Finalfeldern für die Mitteldistanz vom Mittwoch. Ein Platz im A-Feld ist für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer das maximal erreichbare Ziel. Die WM endet am Freitag mit dem Langdistanz-Final.
Rangierungen: 1. Monika Ammann, W65
3. Priska Gautschi, W65 + 0:59
2. Liselotte Freuler, W60 + 0:04
3. Johanna Purrer, W60 + 0:20
2. Martin Schaffner, M60 + 0:09
2. Mario Ammann , M70 + 0:18
4. Ernst Moos, M90 + 1:36
8. Stefan Bolliger, M65 + 1:25
10. Daniel Kobel, M65 + 1:31
Veranstalterwebsite: https://wmoc2026.pl
(Text und Bilder: Mario Ammann)
