Vor 25 Jahren waren erstmals zehn junge OL-Läufer am Talent Treff Tenero dabei. 2026 vertraten erneut zehn D/H16-Athlet*innen Swiss Orienteering beim Nachwuchslager von Swiss Olympic. Trainings und Gelände haben sich verändert. Was Tenero ausmacht, klingt dagegen erstaunlich vertraut: Sport treiben, Neues entdecken und Menschen aus anderen Sportarten kennenlernen.
Der Talent Treff Tenero (3T) bringt während einer Woche mehrere hundert Nachwuchsathlet*innen aus verschiedenen Sportarten und allen Regionen der Schweiz im Centro Sportivo Tenero zusammen. Neben dem Training in der eigenen Sportart stehen der Austausch und die persönliche Entwicklung im Zentrum.
Kanu auf dem Lago Maggiore, Tennis, Klettern und natürlich OL: So berichteten Simon und Philipp Sauter 2001 vom allerersten Talent Treff Tenero. Zehn Athleten vertraten damals den Schweizerischen Orientierungslauf Verband. Neben den Trainings blieben ihnen auch die gemeinsamen Abendveranstaltungen in Erinnerung.
25 Jahre später ist der 3T längst eine Institution im Schweizer Nachwuchssport. An der Herbstausgabe vom 20. bis 25. September 2026 kamen 524 Nachwuchsathlet*innen aus 28 Sportarten in Tenero zusammen. Seit der Premiere 2001 haben mehr als 20'000 junge Sportler*innen aus 64 Sportarten am 3T teilgenommen.
Mittendrin waren auch dieses Jahr zehn D/H16-Läufer*innen von Swiss Orienteering. Begleitet wurden sie von Ivar Lundanes, Kadertrainer Herren U25, und Andreas Sølberg, Cheftrainer Junior*innen.
Ein Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein
Schon der erste Abend hinterliess Eindruck. Linus Pusterla erinnert sich besonders an die Eröffnungsfeier mit den vielen Nachwuchsathlet*innen in der grossen Turnhalle: «Man spürte die Energie und hatte schnell das Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein.» Ähnlich erlebte es Lynn Steiner. Auch ihr blieb die Eröffnungsfeier in Erinnerung. Einer Teilnehmerin oder einem Teilnehmer von 2001 würde sie deshalb gerne die Frage stellen, welche Erinnerungen nach 25 Jahren noch nachhallen – und was damals anders war. Andri Burkhart würde dagegen zuerst über OL sprechen: Wie viele Trainings gab es 2001? Und waren die Wälder damals noch schöner? Von seiner eigenen Woche würde er vor allem von neuen Freundschaften und gemeinsamen 400-Meter-Sprints erzählen.
OL-Training zwischen Dschungel und Kamera
Natürlich blieb OL der sportliche Mittelpunkt der Woche. Kasimir Graber wurde im bekannten Wald von Arcegno dennoch überrascht: Das Gelände habe sich teilweise angefühlt, «als ob man in einem Dschungel OL macht». Svenja Feurer stiess bei Routenwahl-Sprinttrainings an ihre technischen Grenzen und musste teilweise lange nach einer guten Route suchen. Daneben probierte sie bei einer Challenge auch Biathlon-Schiessen aus – mit für sie überraschend guten Treffern. Für Madlaina Reubi wurde ein OL-Training in Locarno besonders: Eine Mediencrew begleitete die Gruppe, die Jugendlichen durften in Swiss-Kleidern laufen. Für Reubi fiel der Tag zudem auf ihren Geburtstag. Als sie sich später in einer Instagram-Story von Swiss Olympic entdeckte, war die Überraschung perfekt.
Wenn aus anderen Sportarten Bekanntschaften werden
Was Tenero neben dem Training ausmacht, zeigen die Begegnungen ausserhalb des OL besonders deutlich. Lino Meier lernte auf dem Weg zum See zwei Nachwuchsathleten von Swiss Cycling kennen. Scooter wurden gegen eine Runde auf Rennrädern getauscht – und am Bahnhof gab es zum Abschied sogar noch Schokolade und Brot. Minna Gmür und ihre Kolleginnen kamen über einen Fussballplatz mit Fussballerinnen ins Gespräch. Bald ging es darum, wie die verschiedenen Gruppen trainieren und weshalb sie sich für ihre jeweilige Sportart entschieden haben. Danach traf man sich während der Woche immer wieder. Genau dieser Austausch blieb auch Celine Aeschlimann. Vor ihrem ersten 3T war sie noch etwas nervös. «Schon am ersten Abend merkte man, dass es im 3T um mehr als trainieren geht.» Besonders beeindruckte sie, wie offen Athlet*innen anderer Sportarten aufeinander zugingen. Linus Roth beschreibt zum Abschluss eine ähnliche Erfahrung: Hunderte Jugendliche aus unterschiedlichsten Sportarten seien zusammengekommen, trotzdem habe eine gemeinschaftliche Atmosphäre geherrscht. Gespräche mit Menschen, die er gerade erst kennengelernt hatte, wurden zu einem wichtigen Teil seiner Woche.
Höchstleistung, Respekt und Freundschaft
Damit treffen die Erfahrungen der OL-Läufer*innen ziemlich genau den Gedanken, den Swiss Olympic mit dem 3T verbindet. Neben qualitativ hochstehendem Training und sportwissenschaftlicher Unterstützung sollen die Jugendlichen die olympischen Werte Höchstleistung, Respekt und Freundschaft erleben und sich über Sportarten und Sprachregionen hinweg austauschen. Vieles hat sich seit dem ersten Talent Treff Tenero verändert. Doch liest man den Bericht von 2001 neben den Stimmen von 2026, fällt vor allem eine Gemeinsamkeit auf: In Erinnerung bleiben nicht nur Posten, Trainings und sportliche Herausforderungen. Es sind auch die neuen Sportarten, unerwarteten Begegnungen und gemeinsamen Erlebnisse.
Vielleicht wird 2051 jemand die heutigen zehn OL-Läufer*innen fragen, woran sie sich nach 25 Jahren noch erinnern.
Historische Quelle: Bericht 2001: Simon und Philipp Sauter, «Talent Treff Tenero», CHALCHOFA 4*2001, Mitteilungsblatt der OLG Chur.
(Text: Ieva Simmen, Fotos: Swiss Orienteering und Swiss Olympic)


