Nach einer Verschnaufpause während dem Massenstartrennen und der Staffel war die arktische Kälte am Montag für die abschliessende Langdistanz wieder zurück. Knapp 18 Minusgrade warnte die Stadionanzeige um 9 Uhr als die Serviceteams die letzten Schliffe an den Wettkampfskis vornahmen. Eine Stunde später mochte sich das Temperaturmass noch ein wenig in wettkampffreundlichere Regionen bequemt haben, der Vergleich mit wagemutigen Sternenfahrern ist dennoch nicht abwegig, als die ersten Athletinnen und Athletinnen an der Startlinie Stellung aufnahmen. Buffs in allen Farben und Applikationen, Kältetapes und reflektierende Sonnenbrillen verhinderten den direkten Hautkontakt mit der tödlichen Abwesenheit von Wärme, der sich die tollkühnen Navigatoren aussetzen sollten. Zusätzliche Treibstoffreserven in Form von Energiegels und Skibidons sollten eine sichere Rückkehr garantieren, Überziehschuhe und Fausthandschuhe schützten die besonders gefährdeten Zehen und Finger und die Ground Crew hielt in der Coaching Zone beim Stadiondurchlauf gewärmte Verpflegung bereit.

Wie sich in den nächsten Zeilen zeigen wird, meisterten viele Schweizer diesen Abstecher ins metaphorische Weltall mit Bravour, einige mussten sich der gleichgültigen Kälte des Kosmos oder Konstruktionsdefiziten ihrer Ausrüstung beugen. Glücklicherweise kehrten aber alle zur Erde zurück.

Weltcup

Lulea Nici Long
Nicola Müller


Lulea Eric
Erik Lauenstein

Lulea Fiona
Fiona Ehrler


Lulea Jan2
Jan Lauenstein


Andri Aebi SUI 7th place captured during Middle Distance EYSOC
Andri Aebi

Die heutige Mission für die Elite bestand aus 29 (Herren) bzw. 25 (Damen) Kilometern mit Zeitstart im dichten Spurnetz von Luleå. Nicola Müller, der anfangs Woche noch etwas mit sich gehadert hatte, zeigte ein beherztes Rennen und kam ohne technische Fehler durch. Er zeigt sich erfreut: «Ich hatte super Skis und konnte auf den breiten Loipen sehr gut pushen. Daher wollte ich so häufig wie möglich eine Umlaufroute nehmen und im Feinen Tempo rausnehmen, um immer auf der Karte zu bleiben. So konnte ich endlich einmal hier oben [in nordischem Gelände] einen guten Lauf abliefern.» Müller war durchgehend in Kontakt mit dem Podest, verlor in der zweiten Rennhälfte aber langsam Zeit. Eine feine Routenwahl zum zweitletzten Posten brachte ihn nochmals sehr nahe an Styrk Kamsvag heran, schlussendlich hiess es dann aber trotzdem Schweden (Andrej Lamov) vor zweimal Norwegen (Jörgen Baklid, +0:59 und Styrk Kamsvag, +1:54).
Corsin Müller war drauf und dran, sein fantastisches Resultat vom Vortag zu wiederholen, als einer seiner Schuhe zerbrach und ein Fertiglaufen in der Kälte verunmöglichte. In die Bresche sprang Jan Lauenstein, der mit einem elften Rang sein individuelles Karrierebestresultat erreichte. Der Neuenburger konnte zu seiner Genugtuung aus den Lektionen lehren, die ihm das nordische Gelände bisher erteilt hatte und beschreibt einen fehlerfreien Lauf: «Ich bin sehr stolz auf diesen Lauf. Ich bin langsam und sicher gestartet und konnte dann immer schneller laufen und auch mehr Risiko nehmen. Der Gel ist mir zwar eingefroren, da konnte ich mich nicht optimal verpflegen und gegen Ende hat sich das etwas auf meine läuferischen Kapazitäten ausgewirkt, aber ich bin bis am Schluss ohne Fehler geblieben.»
Gion Schnyder hatte nach einem missglückten Ausweichmanöver Materialprobleme in Form einer ausgerissenen Bindung zu beheben und verlor dabei beträchtlich Zeit. Davon liess der Routinier sich aber nicht beirren und distanzierte den hinter ihm gestarteten Läufer bald wieder. Danach lieferte er sich über lange Zeit ein Duell mit Lauenstein, bevor ihn eine langsamere Routenwahl noch auf den 14. Rang zurückversetzte.
Die weiteren Schweizer hatten teilweise ebenfalls mit Schäden an Mann und Material zu kämpfen und wurden 22. (Corsin Boos), 25, (Andri Jordi), 30. (Gian-Andri Müller) und 44. (Daniel Grätzer).

Auch die Schweizerinnen kamen gezeichnet im Ziel an. Eliane Deininger und Flurina Müller heben beide die ausserordentliche Kälte hervor. Delia Giezendanner wurde Opfer eines Sturzes und brach den Wettkampf mit Kopfschmerzen ab. Eine schwerwiegende Verletzung konnte sie glücklicherweise aber vermeiden.
Deininger hatte einen guten Start und konnte während dem Rennen kurzzeitig von der später Zweitplatzierten Frida Sandberg (Schweden) profitieren und auch die vor ihr gestartete Finnin einholen. Vom zwischenzeitlich fünften Rang fiel sie dann aber noch auf Rang elf zurück und war im Ziel etwas konsterniert über diesen Leistungsabbau. «Es ist wohl ein gutes Resultat und ich bin zufrieden damit, wie ich mich durchgekämpft habe, aber am Schluss hat mir einfach die Energie gefehlt. Zuvor hatte ich noch einen Gel verloren und konnte dann auf den breiten Spuren wirklich gar nicht mehr drücken.» Müller ergänzt: «Es war brutal hart.» Sie meint das der Lauf mit vielen physischen Abschnitten eigentlich gut zu ihr gepasst habe, vergriff sich aber ein paar Mal bei den Routenwahlen. Über den vierzehnten Rang darf sie dennoch zufrieden sein. Dasselbe gilt für Elin Neuenschwander auf Rang 26.

JWSOC

Die Kälte und Länge der Bahn ist für viele U20-Athletinnen und Athleten heute eine Herausforderung.
Nesa Schiller erzielt einen zwölften Rang. Technisch sei sie solide gelaufen. «Gegen Ende erwischte ich ein paar suboptimale Routen, und dann bin ich etwas ins Loch gefallen – wohl wegen der Kälte und weil es einfach unglaublich lang geworden ist. Der Schluss war sehr hart», erzählt Schiller. Trotzdem: Das Resultat, Zwölfte, ist insbesondere in Anbetracht der Umstände zufriedenstellend. Auch Teamkollegin Alvina Kock läuft in dieser anspruchsvollen Langdistanz in die Top15. Rico Maissen wird 18ter bei den Junioren. Er resümiert: «Ich habe mich mega gefreut auf die Langdistanz, und es hat auch mega Spass gemacht.»

Lulea Long Diplom
Jan und Erik Lauenstein mit Diplom


Lulea Team
 Das ganze Team versammelt.

EYSOC

Nun hat es also endlich gereicht für ein Einzeldiplom in den Jugendkategorien: Erik Lauenstein ergattert den sechsten Platz und meint auf die Frage, ob das Rennen streng war: «Das Ende schon, aber sonst nicht.» Davor war ihm zwar ein Routenwahlfehler bewusst, konnte sonst aber sein läuferisches Potential ausschöpfen und die Fehler klein halten. Hinter Lauenstein lief auch Andri Aebi wieder in die Top-10 und zeigt sich mehrheitlich zufrieden: «Mit den Routenwahlen hatte ich aber etwas Mühe, manchmal hat fast keine der Möglichkeiten Sinn gemacht.»
Bei den Jugendläuferinnen belegen Fiona Erler, Lynn Maissen und Eleni Janet die Plätze 10, 15 und 18. Bianca Aebi hatte einen Fehlstempel zu beklagen. Maissen stellvertretend für die Damen 17: «Es war sehr streng, hat aber viel Spass gemacht.»
Die schönen Leistungen an der diesjährigen EYSOC lassen uns durchaus gespannt auch die Zukunft des Schweiz Ski-O Teams blicken.


Damit nimmt nun das grossse Ski-OL Fest im Nordschwedischen Luleå seinen Abschluss. Für die Elite geht es Anfang März mit dem Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft in Japan, weiter.

Text: Andrin Bieri und Lea Widmer, Fotos: Christian Aebersold

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