Der KO-Sprint in Locarno blieb spannend bis zum Schluss. Sogar nach dem Zieleinlauf wurde noch wegen einer möglichen Disqualifikation und Rempeleien diskutiert. Am Ende gewannen aber mit dem Norweger Kasper Harlem Fosser und der Dänin Hedvig Valbjörn Gydesen die dominierenden Figuren des Wochenendes. Simona Aebersold lief auf den zweiten Rang.
Simona Aebersold sah im Final lange wie die sichere Siegerin aus. Sie dominierte das Feld mit den Finalistinnen von der Spitze aus. Am Ende musste sie sich aber der Dänin Hedvig Valbjörn Gydesen knapp geschlagen geben, wobei dieser Sprint dem Namen Knockout alle Ehre machte: Es wurde mit Ellbogen und vollem Körpereinsatz gekämpft. «Meiner Meinung nach war es zu viel Körperkontakt», sagte die zweitplatzierte Simona Aebersold im Ziel. Aber auch: «Ich bin selber schuld, dass ich meine Konkurrentin noch einmal habe aufkommen lassen.»
Die Dänin hatte den Sieg allerdings keineswegs gestohlen, sie hatte bereits am Tag zuvor mit der Bestzeit auf der ersten Sprintstaffelstrecke gezeigt, dass sie in blendender Form ist. Und lief auch im KO-Final stets vorne mit. Es war der erste Weltcupsieg für Gydesen, in ihrem ersten Knockout-Final überhaupt. «Nie hätte ich gedacht, dass so etwas passieren könnte, Locarno meint es gut mit mir», sagte die Siegerin. Am Nachmittag wolle sie noch ein wenig Party machen, bis es dann am Abend zurück nach Dänemark gehe.
Der Final der Männer war auch nach dem Zieleinlauf noch lange nicht entschieden. Kasper Harlem Fosser schlug zwar in einer Spurtentscheidung den Finnen Tuomas Heikkilä knapp. Aber der Norweger hatte während des Rennens möglicherweise ein unerlaubtes Gebiet durchquert, weshalb die Jury lange diskutierte – und schliesslich zu Gunsten von Fosser entschieden. «Es war sehr tricky, aber ich versuchte cool zu bleiben», sagte der amtierende Langstreckenweltmeister, nachdem sein Spurtsieg endlich feststand. Dritter wurde sein Landsmann Eirik Langedal Breivik.
Der Final der Männer fand ohne Schweizer Beteiligung statt. Benjamin Wey und Fabian Aebersold führten lange das Rennen in ihrem Halbfinal an, mussten sich aber am Ende noch überholen lassen und schieden auf den Rängen 3 und 4 aus. Ähnlich knapp wurde es bei Timo Suter: In einem extrem engen Rennen musste er sich im Schlusssprint mit Rang 3 begnügen. Tino Polsini wählte als einziger seines Halbfinals in der sogenannten «runner’s choice» die längere A-Variante und konnte die so entstandene Lücke nicht mehr schliessen. «Ich kann mir nicht viel vorwerfen, ich habe alles gegeben. Im Knockout-Sprint können kleinste Details über ein Weiterkommen oder Ausscheiden entscheiden», sagt Timo Suter stellvertretend für die Schweizer Herren.
Anspruchsvolle Bahnen sorgten für spannende Entscheidungen
Die drei Läufe – Viertelfinal, Halbfinal, Final – stellten die Athletinnen und Athleten vor grosse Herausforderungen. Im Viertelfinal mussten sie zuerst drei unterschiedliche, nacheinander zu laufende Schlaufen rund ums Schloss und das Berufsbildungszentrum Locarno absolvieren. Im Halbfinal bauten die Bahnleger Sergio Cantoreggi und Francesco Guglielmetti eine sogenannte «runner’s choice» ein, die Läuferinnen und Läufer mussten also vor dem Lauf eine von drei ähnlich langen Bahnvarianten wählen.
Der Final schliesslich war gespickt mit diversen Challenges durch Gärten in der oberen Altstadt: beispielsweise mit einer Passage durch eine Schulküche oder einem sogenannten Diamanten, bei dem vier Posten in unterschiedlicher Reihenfolge angelaufen werden mussten. Sämtliche Rennen waren dank diesen Bahnen ausserordentlich spannend.
Heim-EM in Thun als nächster OL-Grossanlass in der Schweiz
Mit dem Knockout-Sprint ging die erste Weltcuprunde der OL-Saison 2026 erfolgreich zu Ende. Sie brachten spannende Rennen, viel Sonne und eine stimmungsvolle Ambiance auf der Piazza Grande. Als nächster OL-Grossanlass in der Schweiz steht die OL-EM 2027 am ersten Oktoberwochenende in Thun an.
Resultate
Locarno. Orientierungslauf-Weltcup. Knockout-Sprint. Männer (1,8 km, 60 HM, 13 Po.): 1. Kasper Harlem Fosser (NOR) 7:09 Min. 2. Tuomas Heikkilä (FIN) 00:01. 3. Eirik Langedal Breivik (NOR) 00:30. 4. Guilhem Verove (FRA) 00:34. 5. Isac von Krusenstierna (SWE) 01:08. 6. Axel Granqvist (SWE) 02:14.
Im Halbfinal ausgeschieden: Timo Suter (SUI), Tino Polsini (SUI), Fabian Aebersold (SUI), Benjamin Wey (SUI). Im Viertelfinal ausgeschieden: Reto Egger (SUI), Florian Attinger (SUI), Daniel Hubmann (SUI).
Frauen (1,8 km, 60 HM, 13 Po.): 1. Hedvig Valbjörn Gydesen (DEN) 8:33 Min. 2 Simona Aebersold (SUI) 00:01 zurück. 3. Maija Sianoja (FIN) 00:01. 4. Victoria Haestad Björnstad 00:15. 5. Pia Young Vik (NOR) 00:56. 6. Malin Agervig Kristiansson (DEN) 00:59.
Im Halbfinal ausgeschieden: Natalia Gemperle (SUI). Im Viertelfinal ausgeschieden: Deborah Stadler (SUI), Lilly Graber (SUI), Paula Gross (SUI).
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(Text: Matthias Lerf, Nik Walter & Annalena Schmid, Fotos: Silvan Schletti & Simon Buser)



