Celine Wellenreiter nähert sich mit Rang 9 den Diplomen und Silas Hotz zeigt nach einem verpatzten Sprint eine starke Reaktion im Massenstartrennen

Es war ein anstrengendes Massenstartrennen, welches die Fahrer*innen im westlich von Shumen gelegenen Gelände, durchzogen mit einem dichtem Wegnetz und zwei markanten Gräben, zu absolvieren hatten. Erschwert wurde das Rennen zudem durch den während des Rennens einsetzenden Regens. Und auch für die Daheimgebliebenen waren es zugebenermassen keine einfachen 90 Minuten. Trotz angebotener Fernsehübertragung, GPS-Tracking und Live-Results war es sehr herausfordernd, dem aktuellen Rennverlauf zu folgen. Immerhin Gelegenheit, sich wieder einmal Gedanken über die Erwartungshaltung gegenüber medialer Verfolgbarkeit von sportlichen Anlässen zu machen, insbesondere aus Regionen, welche hinsichtlich infrastruktureller Abdeckung nicht unbedingt privilegiert sind.

Im Endeffekt war es dann aber auch nicht anders als im gestrigen Sprint: bei den Herren gewann überlegen der Tscheche Jan Hasek, der damit endlich seine Ambitionen, welche er schon zu Jugend- und Juniorenzeiten deutlich anmeldete nun auch bei der Elite umsetzen konnte. Und bei den Damen erreichte die Schweizerin Celine Wellenreiter ihren dritten 10. Rang in Folge an einem Weltmeisterschafts-Einzelrennen (Anmerkung: Wellenreiter wurde lange auf dem 10. Rang geführt und erst später aufgrund einer Nichtklassierung einer Konkurrentin als 9. klassiert. Aber so einfach lässt sich der Autor eine billige Pointe nicht vermiesen).

Schweizer Frauen-Team macht Freude

Neben dem schon fast obligaten Top-Ten Platz von Wellenreiter wussten auch Ursina Jäggi (16.) und Jana Lüscher Alemany (22.) zu gefallen. Bei Jäggi wäre zwar noch einiges mehr möglich gewesen, aber vor allem die Entwicklung von Lüscher ist sehr positiv, was insbesondere für ein allfällig angepeiltes Diplom in der Staffel zuversichtlich stimmt.

Wellenreiter erwischte zwar zwei Routenwahlen nicht ideal, da sie sich vom Pulk anderer Fahrerinnen mitreissen liess und „erst später realisierte, dass es wohl besser gewesen wäre, wenn ich nicht mit der Gruppe mitgegangen wäre“. In der Folge unterliefen ihr aber keine weiteren Fehler oder Unsicherheiten und ist deshalb mit ihrer Klassierung (Rang 9 um dies nochmals in aller Deutlichkeit festzuhalten) zufrieden. Da die Mitteldistanz im gleichen Gelände ausgetragen wird, kann sie folgende Erkenntnisse für morgen Donnerstag mitnehmen: „Sicher muss man bei diesen vielen Wegen gut aufpassen um immer den richtigen Weg zu erwischen und auch immer sicher zu wissen, dass man auf der richtigen Kreuzung ist, um abzubiegen“. Dies mag sehr profan und logisch klingen, die Umsetzung auf dem Bike ist aber, bedingt durch das hohe Fahrtempo und die durch den unruhigen Untergrund erschwerte Lesbarkeit der Karte nicht ganz so einfach, wie sich dies der gemeine OL-Läufer vorstellt.

Ursina Jäggi hatte einen hektischen Start und verzeichnete Mühe, die Karte gut im Kartenhalter zu verstauen. „Dadurch war ich auch nicht wirklich vorbereitet auf die erste lange Routenwahl“. Dies war aber nur eine kurze Episode und Jäggi hielt sich bis Posten 13 in der Spitzengruppe. „Zu Posten 14 allerdings habe ich einen falschen Weg erwischt und verliere dort einige Minuten. Ausserdem begann es zu diesem Zeitpunkt auch heftig zu regnen und von da an hatte ich ziemlich Mühe mit der Sicht und der Lesbarkeit der Karte. Durch den Schmutz musste ich auch meine Brille abziehen und mit Dreck in den Augen und Linsen ist es ein wenig uncool“, meinte Jäggi, wollte dies aber nicht als Ausrede gelten lassen, fügte sie doch in ihrer besonnenen Art gleich an, dass dies sicher auch anderen so ergangen sei. Alles in allem sei ihr kein schlechtes Rennen gelungen, allerdings haderte sie schon mit ihrem grossen Fehler, da sie heute physisch hätte mithalten können.

Jana Lüscher Alemany erwischte einen Superstart und die wohl beste Route zum ersten Posten, weshalb sie dort als eine der ersten Elite-Frauen passierte. „Zu Posten 3 dann machte ich einen blöden Fehler bei einer einfachen Abzweigung, war aber wohl einfach ein wenig zu „blaugefahren“. Danach habe ich die Gruppe verloren und war mehrheitlich alleine unterwegs“ fasste Lüscher ihr Rennen zusammen. Mit einem erneut guten Rennen bestätigt sie ihren Aufwärtstrend in den letzten Monaten und lässt auch hinsichtlich Frauen-Staffel auf ein gutes Ergebnis hoffen.

Hotz zeigt starke Reaktion

Nach seinem verpassten Sprint gestern zeigte Silas Hotz eine starke Reaktion und klassierte sich als bester Schweizer im Rang 12. „Ich bin zufrieden mit meinem Rennen, vor allem auf der Schlussschlaufe habe ich zwei, drei Risikorouten gewählt, welche sich aber schlussendlich wohl ausgezahlt haben“, meinte er. „Ausserdem hat es während des Rennens begonnen zu regnen, was uns Schweizern sicher entgegenkommt, da wir alle gute Biker sind. Ich bin definitiv zufrieden“. Bemerkenswert ist auch der geringe Rückstand zum endgültigen Durchbruch: nur gerade 59 Sekunden fehlten Hotz zur Bronzemedaille. Wäre er diese gute Minute langsamer gewesen, wäre er immer noch 14. geworden, was verdeutlicht, wie nahe die absolute Spitze zusammengerückt ist. Und sein Rezept für morgen? „Wie heute: entspannt an den Start gehen, unterwegs Spass haben, das Rennen geniessen und beissen, wo man beissen muss, dann kommt es vielleicht morgen auch wieder so gut“. Oder noch besser!

Wie schon gestern klassierte sich Adrian Jäggi als 16. und war damit erneut zweitbester Schweizer. „Ich bin nicht so ganz zufrieden mit meinem Rennen. Ich fuhr vor allem an Anfang in den Gruppen ein wenig kopflos und habe so auch ein paar „Züge“ verpasst“. Besser erging es ihm im zweiten Teil, wo er meist alleine unterwegs war. „16. Rang ist OK, aber ich hätte mir schon mehr erhofft. Aber ich bin guter Dinge für morgen, insbesondere da es dann vermehrt auch in den Südteil gehen wird, wo es mir ja heute gut gelaufen ist“, zeigte sich Jäggi zuversichtlich für die Mitteldistanz.

„Nicht ideal, aber auch nicht superschlecht“, beschrieb Noah Rieder (Rang 22) sein Rennen. „Zwei, dreimal hatte ich die Konzentration nicht am richtigen Fleck gehabt (Anmerkung der Redaktion: im Gegensatz zu seinem Herzen). Es war einfach ein sehr schnelles Rennen und in diesem hochklassigen Feld ist man mit wenigen Fehlern schon ziemlich weit hinten“. Dennoch habe das Rennen mit den vielen Trails Spass gemacht. „Insbesondere mit dem Regen und dem Schlamm ist es immer eine coole Ambiance…“, fügte Rieder an, eine Meinung welche er vielleicht nicht mit allen Schönwetterfahrern teilt.

Nicht zufrieden mit seinem Rennen (Rang 26) war Flurin Schnyder: „Ich habe immer wieder Fehler gemacht und Abzweigungen verpasst. Mit dem Rang muss ich nach so einem Rennen eigentlich zufrieden sein“. Und die beste Vorbereitung für die morgige Mitteldistanz? „Sicher gut erholen…und ein wenig Baklava essen“, meinte Schnyder und zeigt, dass er seinen Humor sicher nicht verloren hat.

Hier gehts zu den Resultaten

Die weiteren Rennen der WM:

  • Do 12. September Mitteldistanz
  • Sa 14. September Langdistanz
  • So 15. September Staffel

Wichtige Links:

(Text: Thomas Bossi, Interviews vor Ort: Marita Hotz, Startfoto: Kiril Panayotov (vom Sprint))