Nach einer erfolgreichen Europameisterschaft blickt das Schweizer Bike-OL-Team voller Zuversicht Richtung Weltmeisterschaften in Mora (SWE). In den technisch anspruchsvollen schwedischen Wäldern tritt das breit aufgestellte Schweizer Team mit intakten Medaillenchancen auf die Weltelite. Dabei weckt die Rückkehr der Titelkämpfe nach Schweden auch Erinnerungen an erfolgreiche WM-Auftritte 2022 in Falun.
Die rot bemalten Dala-Pferde sind weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt. Ende August rückt die historische Region Dalarna jedoch nicht wegen ihrer Traditionen, sondern wegen hochklassigem Bike-OL ins internationale Rampenlicht. In Mora werden vom 26. bis 30. August die Weltmeisterschaften und Junioren-Weltmeisterschaften ausgetragen. Für das Schweizer Team ist es der Höhepunkt einer bislang äusserst erfolgreichen Saison.
Die Erinnerungen an die Europameisterschaften in Portugal sind noch frisch. Celine Wellenreiter gewann dort gleich zwei Europameistertitel, Malin Röhrl kehrte mit zwei Silbermedaillen zurück und auch das restliche Team überzeugte mit starken Leistungen. Entsprechend reist die Delegation mit berechtigten Ambitionen nach Schweden.
Gute Erinnerungen an Schweden 2022
Für die internationale Bike-OL-Szene ist Schweden kein unbekanntes Pflaster. Bereits 2022 fanden die Weltmeisterschaften in Dalarna statt - damals in Falun, rund 90 Kilometer südlich von Mora - und sind einigen Mitgliedern des aktuellen Schweizer Teams wohl noch in bester Erinnerung. Flurin Schnyder gehörte damals als Junior mit drei Medaillen zu den erfolgreichsten Athleten seiner Kategorie. Adrian Jäggi und Silas Hotz gewannen zusammen mit Simon Hellmüller Staffel-Silber und erlebten ebenfalls unvergessliche Wettkämpfe. Vier Jahre später bietet sich nun die Gelegenheit, an die erfolgreichen Schweizer Auftritte von Falun anzuknüpfen, diesmal in den Wäldern rund um Mora.
Mora - nicht nur der Vasalauf
Mora gilt als eine der grossen Ausdauersport-Hochburgen Skandinaviens. Die Stadt ist Zielort des legendären Vasaloppet, des weltweit grössten Langlaufrennens, und Austragungsort des Cykelvasan, eines der bedeutendsten Mountainbike-Rennen Schwedens.
Für die Orientierungsläuferinnen und Orientierungsläufer warten rund um Mora ausgedehnte Wälder mit einem dichten Netz von Forstwegen, Pfaden und teils kaum erkennbaren Fahrspuren. Auch hier gilt wie immer im Bike-OL: Wer auch bei hohem Tempo die Karte präzise liest und die richtige Route erkennt, verschafft sich entscheidende Vorteile.
Erfolgreicher Sommer macht Hoffnung
Die Schweizer Athletinnen und Athleten nutzten die Wochen nach den Europameisterschaften intensiv zur Vorbereitung. Viele von ihnen standen beim traditionsreichen O-Ringen in Schweden am Start und konnten dort wertvolle Erfahrungen in skandinavischem Terrain sammeln.
Mit zwei EM-Titeln im Gepäck zählt Celine Wellenreiter auch an der WM zu den Athletinnen, auf die besonders zu achten sein wird. Nach ihrem internationalen Durchbruch in Portugal gehört die Berner Oberländerin inzwischen zum erweiterten Favoritenkreis.
Trotzdem bleibt sie ihrer Linie treu. «Ich bin überzeugt, dass ich zufrieden sein darf, wenn ich meine Leistung abrufen kann, egal, was dabei für Resultate herausschauen.» Gleichzeitig macht sie keinen Hehl daraus, dass sie gerne erneut um die Medaillen mitkämpfen möchte.
Auch Jana Lüscher Alemany reist mit Zuversicht nach Mora. Das O-Ringen sei sehr gut verlaufen und habe viel Spass gemacht. Zusammen mit Wellenreiter bereitete sie sich zuletzt in Norwegen gezielt auf die WM vor. Ihr Ziel sei klar: «Die Karte sauber lesen und gut navigieren. Wenn mir das gelingt, werde ich mit meinen Rennen zufrieden sein.»
Die routinierte Ursina Jäggi setzt etwas andere Schwerpunkte. Die ehemalige Weltmeisterin und WM-Bronzemedaillengewinnerin von 2025 stellt nicht in erster Linie Resultate in den Vordergrund. Vielmehr wünscht sie sich eine erfolgreiche Woche für das gesamte Team, in der möglichst viele Athletinnen und Athleten ihr Potenzial ausschöpfen können. Persönlich möchte sie technisch saubere Wettkämpfe zeigen und physisch ans Limit gehen können, «so dass ich es auf der Karte trotzdem immer im Griff habe». Aus dem O-Ringen nimmt sie vor allem die Gewissheit mit, dass die körperliche Richtung stimmt. Die erfahrene Aargauerin weiss aber auch, dass das WM-Gelände nochmals ganz eigene Anforderungen stellen wird.
Noah Rieder als Trumpf?
Bei den Männern richtet sich der Blick insbesondere auf Noah Rieder. Der Lysser präsentierte sich bereits in Ungarn (1. Weltcuprunde) in starker Form und bestätigte seine Entwicklung an der EM wie auch am O-Ringen eindrücklich. Die vergangenen Wochen verbrachte er grösstenteils in nordischem Gelände und legte dabei viele Trainingsstunden zurück. Diese würden ideale Voraussetzungen für die körperlichen Anforderungen der WM schaffen, ist Rieder überzeugt. Entscheidend werde jedoch sein, auch mental voll fokussiert zu bleiben: «Ich probiere, alle unnötigen und ablenkenden Faktoren auszublenden.» Die WM sei ein riesiges Highlight. Mit seiner aktuellen Form und den positiven Rückmeldungen aus den letzten Rennen sei viel möglich. «Ich weiss, dass ich mit einem idealen Rennen und vielleicht auch etwas Glück ganz vorne mitfahren kann.»
Teamkollege Adrian Jäggi gehört seit Jahren zur erweiterten Weltspitze. Dem ehemaligen Junioren-Weltmeister fehlt bei der Elite zwar noch das ganz grosse Einzelresultat, doch seine Erfahrung und Konstanz machen ihn in jedem Rennen zu einem Kandidaten für einen Spitzenplatz.
Silas Hotz blickt auf eine lehrreiche Woche am O-Ringen zurück. Auf den typisch schwedischen Karten habe er mehrfach Lehrgeld bezahlt. Besonders das Erkennen kartierter und nicht kartierter Spuren sowie das präzise Kartenlesen bei hohem Tempo seien anspruchsvoll gewesen. «Für mich fühlt sich das manchmal nach Glück an. Dass es aber immer die gleichen sind, die es gut können, zeigt, dass es definitiv keine Glückssache ist.» Das es aber auch bei ihm klappen kann, zeigte Hotz eindrücklich im Sprint am O-Ringen, wo er sich als Dritter mitten in der Weltelite klassieren konnte.
Flurin Schnyder sieht den Titelkämpfen mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freut sich der Berner auf die Wettkämpfe in Mora: Das Gelände wirke äusserst spannend, technisch anspruchsvoll und kartentechnisch schwierig, Eigenschaften, die ihm grundsätzlich entgegenkommen. Andererseits kämpft er noch immer mit den Nachwirkungen des Pfeifferschen Drüsenfiebers, das ihn im Winter ausgebremst hatte. «Physisch bin ich noch nicht dort, wo ich gerne wäre. Das braucht einfach Zeit», sagt Schnyder.
Die vergangenen drei Wochen verbrachte er in Schweden, wo er neben zahlreichen Trainingskilometern auch wichtige Kartentrainings absolvierte. Diese hätten ihm zusätzliches Vertrauen gegeben. «Wenn die Rennen technisch werden und die Physis nicht die alles entscheidende Rolle spielt, dann liegen mir die Bedingungen durchaus.» Dass an einem guten Tag vieles möglich ist, hat Schnyder in Schweden in der Vergangenheit ja bereits mehrfach bewiesen.
Röhrl erneut eine Medaillenkandidatin
Bei den Juniorinnen gehört Malin Röhrl einmal mehr zum engsten Favoritenkreis. Die Weltmeisterin über die Langdistanz von 2025 bestätigte ihre internationale Klasse in Portugal mit zwei Silbermedaillen eindrücklich. Nach ihrer bemerkenswerten Konstanz an internationalen Meisterschaften darf sie auch in Mora auf Spitzenresultate hoffen.
Für Jann Wittwer steht dagegen vor allem das Sammeln weiterer internationaler Erfahrungen im Vordergrund. Bereits an der EM konnte er wichtige Erkenntnisse gewinnen. Nun erhält er die nächste Gelegenheit, sich auf höchster Stufe mit der internationalen Konkurrenz zu messen.
Mit dem Selbstvertrauen der erfolgreichen Europameisterschaften, wertvollen Erfahrungen aus Schweden und einem breit aufgestellten Team reist die Schweiz voller Zuversicht nach Mora. Nun gilt es, in den Wäldern von Dalarna die richtige Spur zu finden und bei den Routenwahlen auf das richtige Pferd zu setzen.
Schweizer Aufgebot
Elite Herren
- Noah Rieder (Lyss)
- Adrian Jäggi (Zollikofen)
- Flurin Schnyder (Bern)
- Silas Hotz (Bern)
Elite Damen
- Celine Wellenreiter (Thun)
- Ursina Jäggi (Brittnau)
- Jana Lüscher Alemany (Girona)
Junioren
- Jann Wittwer (Büren an der Aare)
Juniorinnen
- Malin Röhrl (Amriswil)
Das Programm
- Mittwoch , 26. August: Mitteldistanz
- Donnerstag , 27. August: Langdistanz
- Samstag, 29. August: Sprint
- Sonntag, 30. August: Staffel
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(Text: Thomas Bossi, Bilder: Beat Schaffner)


