Am Mittwoch, 23. September, beginnen im litauischen Druskininkai die OL-Europameisterschaften in den Wald-Disziplinen. Für die Schweiz stehen je acht Frauen und Männer am Start. Simona Aebersold tritt als Titelverteidigerin über die Wald-Mitteldistanz an und führt den Gesamtweltcup an. Bis Sonntag werden die EM-Medaillen über die Langdistanz, Mitteldistanz und in der Staffel vergeben. Gleichzeitig entscheidet sich, wer den Gesamtweltcup gewinnt.
Nach der Sprint-WM in Genua und dem Wald-Weltcup in Tschechien steht für die internationale OL-Elite der nächste
Saisonhöhepunkt bevor. Die Europameisterschaften finden rund um die litauischen Orte Druskininkai und Lazdijai nahe der belarussischen Grenze statt. Gleichzeitig bilden sie die vierte und letzte Weltcup-Runde 2026. Den Auftakt macht am Mittwoch die Qualifikation, bevor am Donnerstag die ersten Medaillen vergeben werden.
Baltische Wälder fordern präzises Orientieren
Gut belaufbare Kiefernwälder mit weichem Moosboden wechseln sich mit dichter bewachsenen Laubwaldpartien, sumpfigen Bereichen und Lichtungen ab. Auch liegendes Holz kann die direkte Lauflinie erschweren. Das eiszeitlich geprägte Gelände weist zahlreiche Hügel und Senken auf. Bei der Routenwahl müssen die Athlet*innen abwägen, ob sich der direkte Weg durch die Vegetation lohnt oder eine längere, besser belaufbare Variante schneller ist. Die Äquidistanz von 2,5 Metern verlangt zudem eine genaue Interpretation der Höhenkurven.
Die Wetterprognosen deuten auf eher kühle Temperaturen und wiederholte Niederschläge hin. Wie sich die Bedingungen an den einzelnen Wettkampftagen tatsächlich präsentieren, bleibt abzuwarten.
Simona Aebersold startet als Titelverteidigerin
Simona Aebersold gewann Anfang August die Weltcup-Langdistanz in Tschechien und sicherte sich kürzlich den Schweizer Meistertitel über die Mitteldistanz. Ihre Form bestätigte sie auch bei den Selektionsläufen in Litauen, bei denen sie in beiden Disziplinen die schnellste Schweizerin war. Die Mitteldistanz-Europameisterin von 2024 kennt aber auch die Schwierigkeiten des Geländes. «Die Wälder hier sind ziemlich krautig, und die 2,5-Meter-Äquidistanz sind wir uns in der Schweiz nicht so gewohnt», sagte sie nach den Selektionsläufen. «Ich brauche noch ein paar Trainings, um in den Grün-und-Fighter-Modus zu kommen.»
Auch Natalia Gemperle gehört zum Schweizer Aufgebot. Nach ihrer gesundheitsbedingten Weltcup-Pause im August meldete sie sich an den Schweizer Meisterschaften mit Gold über die Langdistanz und Silber über die Mitteldistanz zurück.
Ein starkes und ausgeglichenes Schweizer Männerteam
Daniel Hubmann gehört mit seinen 43 Jahren zu den erfahrensten Athleten im Schweizer Team. Der mehrfache Weltmeister hat wiederholt betont, wie gerne er in den baltischen Wäldern OL läuft.
Fabian Aebersold reist als frischgebackener Schweizer Meister über die Mitteldistanz nach Litauen. Auch bei den Selektionsläufen setzte er sich über die Mitteldistanz durch, während Timo Tantanini die Langdistanz gewann.
Mit Matthieu Bührer und Tino Polsini stehen zudem zwei Athleten im Aufgebot, die in diesem Jahr bereits internationale Erfolge feierten. Bührer gewann an der Junioren-WM drei Titel und erreichte bei seinem Elite-Weltcup-Debüt in Tschechien Rang neun über die Mitteldistanz. Polsini gewann mit der Schweizer Sprintstaffel WM-Gold und absolvierte beim Wald-Weltcup in Tschechien die erste Staffelablösung, die er an der Spitze beendete.
Das vollständige Schweizer EM-Aufgebot sowie weitere Informationen zu den Selektionen sind im Selektionsbericht zu finden.
Was braucht es für ein Schweizer OL-Fest im Baltikum?
Für Remo Ruch, Cheftrainer des Elitekaders, wird die technische Leistung entscheidend sein: «Der Kompass und die genaue Richtung sind in diesen Wäldern besonders wichtig. Es braucht vom ersten Meter weg einen klaren Plan, denn wer die Kontrolle verliert, findet nur schwer wieder in den Rhythmus. Das Gelände ist für alle ein Stück weit neutraler Boden. An den Testläufen haben viele aus unserem Team gezeigt, dass sie damit zurechtkommen. Wenn technisch alles zusammenpasst und jemand einen richtig guten Tag erwischt, könnte es neben den guten Leistungen, die wir uns vom Team erhoffen, auch die eine oder andere Überraschung aus Schweizer Sicht geben.»
Internationale Konkurrenz und Gesamtweltcup
Bei den Frauen gehört auch Tove Alexandersson zu den «härtesten» Konkurrentinnen der Schweizerinnen. Die Schwedin kehrt nach einer OL-Pause, in der sie sich anderen Ausdauersportarten widmete, auf die internationale OL-Bühne zurück. Weitere Konkurrentinnen sind die Norwegerinnen Pia Young Vik und Marie Olaussen sowie die Schwedin Sanna Fasth.
Bei den Männern zählen insbesondere die Norweger Kasper Fosser und Eirik Langedal Breivik, die Schweden Viktor und Emil Svensk sowie der Tscheche Tomáš Křivda zum Kreis der Medaillenkandidaten.
Auch im Gesamtweltcup fallen die Entscheidungen in Litauen. Simona Aebersold führt mit 560 Punkten vor Pia Young Vik (446). Bei den Männern liegt Kasper Fosser mit 467 Punkten vor Tomáš Křivda (388). Fabian Aebersold folgt mit 290 Punkten auf Rang fünf.
Selbst OL laufen und das Schweizer Team unterstützen
Eine Besonderheit des Orientierungslaufs zeigt sich auch an dieser EM: Die mitgereisten OL-Begeisterten können nicht nur die Wettkämpfe der Elite verfolgen, sondern gleich selbst mit Karte und Kompass unterwegs sein.
Parallel zu den Europameisterschaften finden in der Region die EOC-Tour-Rennen statt. Auch eine kleine Schweizer Fangemeinde ist nach Litauen gereist, um selbst OL zu laufen und das Schweizer Team bei den EM-Rennen zu unterstützen.
Welche Geschichten schreibt die EM in Litauen?
Vor genau 20 Jahren fand in derselben Region die Junioren-WM statt. Welche Verbindungen gibt es zwischen den damaligen Wettkämpfen und dem heutigen Schweizer Team? Wird Litauen die letzte EM von Daniel Hubmann sein? Und wer aus dem Schweizer Team könnte mit einem unerwarteten Resultat auf sich aufmerksam machen?
Diesen und weiteren Fragen gehen wir während der Europameisterschaften nach. Verfolgt unsere Berichterstattung auf swiss-orienteering.ch und unseren Social-Media-Kanälen. Wir liefern Hintergründe, Stimmen aus dem Schweizer Team und Einblicke in das Geschehen vor Ort – auch abseits der Wettkampfarena.
Das EM-Programm und die IOF Web-TV Zeiten
Wer die EM von der Schweiz aus miterleben möchte, kann die Wettkämpfe in den kommenden Tagen live und mit englischem Kommentar im IOF Web-TV sehen.
Alle Angaben in Schweizer Zeit (MESZ)
- Mittwoch, 23. September: Qualifikation, 09:00–13:00 Uhr; IOF Web-TV 10:00-12:50
- Donnerstag, 24. September: Langdistanz, erste Starts Frauen 08:35 Uhr, Männer 10:35 Uhr; IOF Web-TV 11:20-15:30
- Freitag, 25. September: Ruhetag
- Samstag, 26. September: Mitteldistanz, erste A-Final-Starts Männer 10:25 Uhr, Frauen 12:20 Uhr; IOF Web-TV 11:40-15:30
- Sonntag, 27. September: Staffel, Frauen 10:45 Uhr, Männer 12:45 Uhr; IOF Web-TV 10:40-14:50
Text: Ieva Simmen; Fotos: © EOC2026 / Donatas Lazauskas


