Simona und Fabian Aebersold gewinnen an der OL-EM in Litauen Silber über die Langdistanz. Beide liefern sich ein enges Rennen mit den späteren Europameister*innen Tove Alexandersson und Kasper Harlem Fosser. Während Simona Aebersold die Führung im Gesamtweltcup nicht mehr zu nehmen ist, verbessert sich Fabian Aebersold mit seiner ersten EM-Einzelmedaille auf den dritten Zwischenrang der Gesamtwertung.
Dichte Vegetation und herbstliche Wetterbedingungen
Bei rund 10 Grad und stark bewölktem Himmel startete Corina Hüni um 8.39 Uhr Schweizer Zeit als zweite Läuferin ins Frauenrennen. Sie musste sich ihren Weg durch die dichte Vegetation teilweise selbst bahnen. «Ich musste sogar umkehren, weil so viele Baumstrünke im Weg waren, dass man gar nicht mehr durchkommen konnte», erzählte sie im Ziel. Nach ihrem Lauf freute sie sich darauf, ihre Teamkolleg*innen anzufeuern.
Auf den 13,7 Kilometern der Frauen und 16,9 Kilometern der Männer verlangte der Petroškai-Wald den Athlet*innen sowohl physisch als auch technisch einiges ab. Die dichte Vegetation erschwerte das Vorwärtskommen, während die feinen Geländeformen und die teilweise eingeschränkte Sicht eine präzise Navigation erforderten. Matthieu Bührer beschrieb nach seinem Lauf, wie schwierig es gewesen sei, bei den vielen Vegetationswechseln ständig die Karte zu lesen und die Richtung zu halten. Zeitweise habe er das Gefühl gehabt, kaum vorwärtszukommen.
Simona Aebersold gewinnt Silber und Selbstvertrauen
Das erwartete Duell zwischen Simona Aebersold und Tove Alexandersson hielt, was es versprach. Am ersten TV-Posten lag die Schweizerin 34 Sekunden vor der Schwedin. Danach übernahm Alexandersson die Führung und baute ihren Vorsprung zwischenzeitlich auf 1:05 Minuten aus. Aebersold verkürzte den Rückstand nochmals und gewann mit 49 Sekunden Rückstand Silber. Bronze ging an Sanna Fast, die bereits 4:25 Minuten auf ihre schwedische Landsfrau verlor.
Obwohl Aebersold im Ziel zunächst die Führung übernommen hatte, war sie im ersten Moment etwas enttäuscht. Während des Rennens hatte sie sich immer wieder verunsichert gefühlt. «Im Grossen und Ganzen habe ich mega gut OL gemacht. Ich habe die Posten gut gefunden, keine Fehler am Posten, aber auf der Route vielleicht mehrmals nicht die optimale Variante gewählt.»Nach Alexanderssons deutlichem Sieg an den schwedischen Meisterschaften hatte sich Aebersold gefragt, ob sie überhaupt mit ihr mithalten könnte. «Jetzt bin ich nur eine Minute hinter ihr. Das ist cool und gibt sehr viel Selbstvertrauen.»
Für Natalia Gemperle verlief die Langdistanz weniger erfreulich. Sie hatte Schwierigkeiten, die Karte im Massstab 1:15 000 zu lesen, und unterlief früh ein grösserer Fehler. Daraufhin gab sie das Rennen auf, um ihre Kräfte für die weiteren Wettkämpfe zu sparen.
Sofie Bachmann erreichte als zweitbeste Schweizerin Rang 34, gefolgt von Inès Berger (36.) und Alina Niggli (37.). Corina Hüni klassierte sich auf Rang 39, Sanna Hotz auf Rang 44 und Annick Meister auf Rang 51.
Fabian Aebersold holt seine erste EM-Einzelmedaille
Bei den Männern entwickelte sich ein enges Rennen um die Medaillen. Fabian Aebersold lag beim zweiten TV-Posten nur drei Sekunden hinter Kasper Harlem Fosser. Der Norweger setzte sich danach ab und sicherte sich mit 1:09 Minuten Vorsprung EM-Gold. Aebersold war unterwegs auf Anton Johansson und seinen Teamkollegen Tino Polsini aufgelaufen. Als er die Geduld verlor, weil er die Führung in der Gruppe nicht richtig übernehmen konnte, entschied er sich, das Tempo selbst zu erhöhen. Dabei unterlief ihm am eigentlich einfachen Posten 22 ein Fehler von rund einer halben Minute. Am Posten 23 lag Viktor Svensk noch 19 Sekunden vor Aebersold. Der Schweizer machte auf den letzten Posten entscheidend Zeit gut und erreichte das Ziel elf Sekunden vor dem Schweden. «Es ist definitiv eine gewonnene Silbermedaille und keine verlorene Goldmedaille», sagte Aebersold nach seiner ersten EM-Einzelmedaille. Er habe sich viel vorgenommen und freue sich, dass er seine Leistung habe abrufen können.
Mit seinem zweiten Rang verbessert er sich im Gesamtweltcup vom fünften auf den dritten Zwischenrang. Vor der abschliessenden Mitteldistanz liegt er vor Eirik Langedal Breivik und hat das Gesamtweltcup-Podest in den eigenen Händen. Fosser sicherte sich mit seinem Sieg bereits vorzeitig den Gesamtsieg.
Die weiteren Schweizer demonstrieren die grosse Dichte des Schweizer Männer-Teams
Tino Polsini erreichte als zweitbester Schweizer Rang 13. Matthieu Bührer zeigte auf der langen Teilstrecke nach dem Arenadurchlauf eine der schnellsten Routenwahlen, verlor jedoch später bei Posten 19 rund zweieinhalb Minuten. Er klassierte sich auf Rang 16. «Es war physisch und technisch sehr hart. Man musste ständig die Karte lesen und die Richtung halten», erklärte Bührer im Ziel. Durch die vielen Vegetationswechsel habe er zeitweise das Gefühl gehabt, kaum vorwärtszukommen. Martin Hubmann belegte Rang 18, Daniel Hubmann Rang 20. Dahinter folgten Timo Tantanini (24.), Reto Egger (26.) und Riccardo Rancan (41.).
Schweizer Fans auf den Spuren der Elite
Auch Schweizer OL-Fans sind nach Litauen gereist. Im Rahmen der EOC- Tour können sie auf denselben Karten laufen wie die internationale Elite. Eine Möglichkeit, die nur die allerwenigsten Sportarten bieten. Senioren-Vize-Weltmeisterin Priska Gautschi freut sich auf diese Gelegenheit: «Das ist sehr speziell und eine besondere Aufgabe an uns Läufer, die nie Elite gelaufen sind. Ich freue mich auf die Herausforderung und habe sehr grossen Respekt vor der Aufgabe.»
So geht es weiter
Nach dem Ruhetag am Freitag steht am Samstag die Mitteldistanz auf dem Programm. Auch am wettkampffreien Tag gibt es auf den Social-Media-Kanälen von Swiss Orienteering weitere Einblicke in die EM und das Schweizer Team.
Samstag, 26. September: Mitteldistanz, erste A-Final-Starts Männer 10:25 Uhr, Frauen 12:20 Uhr;
IOF Web-TV 11:40-15:30
Sonntag, 27. September: Staffel, Frauen 10:45 Uhr, Männer 12:45 Uhr; IOF Web-TV 10:40-14:50
Resultate Langdistanz
Frauen: 1. Tove Alexandersson (SWE), 1:29:40; 2. Simona Aebersold, 1:30:29; 3. Sanna Fast (SWE), 1:34:05. Weitere Schweizerinnen: 34. Sofie Bachmann, 1:53:14; 36. Inès Berger, 1:53:52; 37. Alina Niggli, 1:54:11; 39. Corina Hüni, 1:56:07; 44. Sanna Hotz, 2:00:26; 51. Annick Meister, 2:09:41. Natalia Gemperle (aufgegeben).
Männer: 1. Kasper Harlem Fosser (NOR), 1:34:03; 2. Fabian Aebersold, 1:35:12; 3. Viktor Svensk (SWE), 1:35:23. Weitere Schweizer: 13. Tino Polsini, 1:42:12; 16. Matthieu Bührer, 1:43:21; 18. Martin Hubmann, 1:43:46; 20. Daniel Hubmann, 1:44:02; 24. Timo Tantanini, 1:45:22; 26. Reto Egger, 1:45:25; 41. Riccardo Rancan, 1:50:43.
Text: Ieva Simmen; Interviews: Severin Müller; Fotos: Simon Buser


