Bei der Militär-WM im Kernwald gewinnen sowohl die Schweizer Frauen- als auch die Männerstaffel in einem herausfordernden Rennen die Goldmedaille.
Im Vergleich zum Vortag fanden die Läufer beim Staffelrennen der 53. Militär-OL-Weltmeisterschaften im Kernwald deutlich bessere Wetterbedingungen vor. Die anspruchsvollen Bahnen sorgten dennoch für spannende Rennen. Vielen Spitzenathlet*innen unterliefen zeitraubende Fehler, wodurch die Medaillenentscheidungen lange offenblieben.
«In diesem Gelände eine Bahn zu legen, machte viel Spass. Ich habe versucht, die schönen Gebiete zu nutzen und diese mit langen Teilstrecken zu verbinden, um Abwechslung in den Lauf zu bringen. Darum bin ich sehr zufrieden mit dem Endresultat und freue mich, dass ich auch die weltbesten Athlet fordern konnte», bilanzierte Bahnleger Marius Kaiser sein Werk.
Kopf-an-Kopf-Rennen um die Goldmedaille
Im Herrenrennen hielt sich Benjamin Wey für das Team Schweiz 2 von Anfang an in der Spitzengruppe. Er konnte seine Fehler klein halten und schliesslich als Führender an Pascal Schärer übergeben. «Ich bin sehr gut ins Rennen gestartet. Nach einigen Unsicherheiten merkte ich, dass ich in der Spitzengruppe war, und konnte diese Position bis ins Ziel halten», erzählte Wey zufrieden im Ziel.
16 Sekunden hinter Wey folgte Reto Egger für das Team Schweiz 1. Ihm gelang kein idealer Start, sodass er bereits bei der ersten Zwischenzeit etwas zurücklag. Mit einer starken Aufholjagd kämpfte er sich aber in die Spitzengruppe zurück und übergab an dritter Position an Riccardo Rancan.
Riccardo Rancan und Pascal Schärer liefen ab dem fünften Posten gemeinsam und schafften es, ihre letzten Konkurrenten im Kampf um die Goldmedaille abzuhängen. Mit nur fünf Sekunden Abstand übergaben sie als Führende an ihre Schlussläufer. «Ab Posten 5 konnten wir Team-OL machen. So sind wir ohne grössere Probleme durchgekommen», erzählten die beiden im Ziel.
Das Drama ereignete sich auf der Schlussstrecke. Fabian Aebersold für Schweiz 1 und Tino Polsini für Schweiz 2 machten sich nahezu gleichzeitig auf den Weg, um die Goldmedaille zu kämpfen. Da an der Militär-WM pro Nation nur eine Staffel für die Medaillenwertung berücksichtigt wird, war klar, dass nur eines der beiden Schweizer Teams Gold gewinnen konnte.
«Ich habe den ersten Posten einfach nicht gefunden!», musste Aebersold nach dem Lauf feststellen. Ein zeitraubender Fehler von Aebersold öffnete Tino Polsini und Schweiz 2 die Tür zum Sieg. Doch auch Polsini gelang kein idealer Lauf. Er verlor allerdings weniger Zeit als Aebersold und konnte sich dadurch an der Spitze absetzen. «Ich habe versucht, konzentriert zu bleiben und dennoch Vollgas zu geben, denn ich wusste nicht, wie ich im Rennen lag. Als ich beim Überlauf hörte, dass ich eine Minute Vorsprung auf Fabian hatte, hat sich gezeigt, dass das die richtige Taktik war», erzählte Polsini im Ziel.
Am Schluss sicherten sich Benjamin Wey, Pascal Schärer und Tino Polsini für das Team Schweiz 2 die Goldmedaille. Mit 1:32 Minuten Rückstand folgte das Team Schweiz 1 mit Reto Egger, Riccardo Rancan und Fabian Aebersold. Die Silbermedaille ging mit 6:27 Minuten Rückstand an Finnland, Bronze sicherte sich Österreich mit 7:29 Minuten Rückstand.
Schweizerinnen laufen überlegen zu Gold
Das Frauenrennen wurde aus Schweizer Sicht von Paula Gross eröffnet. Die Niederurnerin startete gut ins Rennen, musste aber nach einer längeren Gabelung zu Beginn bereits eine Lücke zur Spitze schliessen. «Beim achten Posten hatte ich eine kleine Unsicherheit im Postenraum, konnte mich aber schnell wieder auffangen», analysierte sie ihren Lauf. Gross liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie vertraute darauf, dass ihre Teamkolleginnen auf den nächsten beiden Strecken einen guten Job machen würden. Dieses Vertrauen gab ihr die nötige Ruhe, um ihren Lauf sauber zu Ende zu bringen.
Mit 49 Sekunden Rückstand auf die Spitze startete Lilly Graber auf die zweite Strecke. Dank eines kontrollierten Laufes konnte sie die vor ihr gestarteten Läuferinnen schnell einholen und sich an die Spitze setzen. Anschliessend baute sie ihren Vorsprung kontinuierlich aus und übergab mit 4:34 Minuten Vorsprung auf die ersten Verfolgerinnen an Simona Aebersold. «Die Taktik, sicher zu laufen, hat sich für mich heute definitiv ausgezahlt. Ich habe versucht, möglichst viel zu umlaufen und die Posten dann vom Weg aus präzise anzulaufen. Das ist mir sehr gut gelungen», bilanzierte Graber zufrieden ihren Lauf.
Mit einem vermeintlich beruhigenden Vorsprung startete Simona Aebersold auf die Schlussstrecke. Doch der erste Posten, ein Stein im dichten Grün, schien an diesem Tag kein Freund der Familie Aebersold zu sein. Denn wie ihr Bruder Fabian hatte auch Simona grosse Mühe, diesen Posten zu finden. «Ich hatte absolut keine Ahnung mehr, wo ich war. Dann habe ich Fabian gesehen und gedacht, er könne mir helfen. Als er dann auch zu fluchen begann, wusste ich, dass er ebenfalls keine Ahnung hatte, wo wir waren», erzählte Aebersold im Ziel.
Auch im weiteren Rennverlauf unterliefen ihr Fehler. Umso überraschter war sie, als ihre Teamkolleginnen sie im Zieleinlauf empfingen und ihr erklärten, dass sie noch immer einen grossen Vorsprung hatte und nicht, wie von ihr befürchtet, zurücklag. «Spätestens nach dem zweiten Fehler dachte ich, dass mich alle überholt hätten. Nun bin ich aber trotzdem froh, dass ich die gute Vorarbeit meiner Kolleginnen ins Ziel bringen konnte», meinte Aebersold nach dem Lauf erleichtert.
Grund zur Sorge gab es allerdings nie. Die anspruchsvollen Bahnen verlangten an diesem Tag allen Läuferinnen einiges ab. Am Schluss feierten Paula Gross, Lilly Graber und Simona Aebersold einen überlegenen Sieg mit 10:39 Minuten Vorsprung auf Finnland. Die Bronzemedaille ging an Frankreich.
Weniger glücklich verlief das Rennen für das Team Schweiz 2 mit Anna Gasser, Seline Sannwald und Annick Meister. Aufgrund eines fehlenden Postens wurde die Staffel nicht klassiert.
Nach einem Ruhetag am Freitag werden die Militär-OL-Weltmeisterschaften am Samstag mit dem Sprint abgeschlossen.
(Text: Severin Müller, Fotos: Sandro Anderes)


