Das Herren-Elite-Staffelteam der Schweiz, bestehend aus Corsin Müller, Corsin Boos und Nicola Müller, sichert sich heute am Weltcup in Luleå den dritten Rang. Alle angetretenen Schweizer Teams ergattern ein Diplom – eine guttuende Genugtuung nach dem gestrigen Tag.
Weltcup
Was für ein Start von Corsin Müller! Nach dem Startschuss heftet er sich an Niklas Ekströms Rücken, der allerdings, wie sich schnell herausstellt, eine andere Gabel


mann Lars Beglinger im Hintergrund
ung zum ersten Posten hat. So führt der junge Einsiedler bereits beim ersten Posten. Seine gute Kenntnis des Geländes von den vergangenen Tagen hilft Müller, die Führung aufrechtzuhalten, auch als die anspruchsvolleren Posten anstehen. «Ich bin das ganze Rennen mein eigenes Ding gelaufen. Irgendwie hatte ich plötzlich alle distanziert. Ich bin allein vorausgelaufen, habe auch im schwierigen Teil saubere Schnittspuren genommen und bin einfach mein Rennen heimgelaufen.» Müllers Vorsprung ist da bereits beträchtlich, fast zwei Minuten werden es bis zur Übergabe. Von den Konkurrenten kriegt er nichts mehr mit. «Dann durfte ich als Erster einfahren. Ich bin mega stolz», strahlt Müller.
Corsin Boos steht in der Übergabezone bereit. Die Information über Müllers Führung macht ihn im ersten Moment etwas nervös. Doch: «Ich muss sagen, ich konnte es sehr gut handeln. Ich habe mich gut konzentrieren können und bin defensiv gelaufen.» Boos kann zu Beginn den Vorsprung aufrechterhalten und sogar etwas ausbauen, indem er gekonnt, geländeangepasst zwischen Kontrolle und Vollgas abwechselt. In den letzten anspruchsvollen Posten vor der Übergabe erwischt Boos aber eine falsche Abzweigung. Er spricht später von einem Blackout, weiss nicht mehr, wo er ist oder wie er vom vorigen Posten weggelaufen ist. Der darauffolgende Auffangversuch dauert drei Minuten und gibt den Teams aus Finnland und Schweden sowie beiden Norwegen-Teams (von denen allerdings das eine einen falschen Posten erwischt) die Chance, die Schweiz zu überholen. Corsin Boos, der schliesslich an vierter Stelle liegend mit zweieinhalb Minuten Rückstand an Schlussläufer Nicola Müller übergibt, zeigt sich über seinen Fehler etwas ratlos, kann sich über das gute Schlussresultat seines Teams aber trotzdem freuen.


Auf der letzten Strecke jagt Nicola Müller das norwegische Team zwei, das zwanzig Sekunden vor den Schweizern seinen Schlussläufer Axel Aalde losschicken konnte. Trotz seines fehlerfreien Laufs kann Müller die beiden, sich um die Führung streitenden Teams aus Schweden und Finnland, nicht einholen. Hingegen gelingt es ihm etwa in der Mitte des Laufs, seinen norwegischen Konkurrenten zu überholen und damit die Schweiz auf Kurs für den dritten Platz zu bringen. Müller lässt sich die Platzierung nicht mehr streitig machen und sichert sich und seinen Teamkollegen den hervorragenden dritten Platz. «Ich wusste, dass vorne die besten Läufer der Welt unterwegs sind. Darum habe ich gewusst, dass ich nur durch Fehler von ihnen aufschliessen kann, und bin einfach mein Rennen gelaufen. Sicher wollte ich noch das norwegische Team 2 überholen, damit wir im Fall eines Fehlstempels aufs Podest vorrücken können – so wie es glücklicherweise passiert ist. Ich konnte selbst einen sauberen Lauf zeigen, habe keine Fehler gemacht, bin im schwierigen Gelände aber auch sehr langsam gelaufen. Ein- bis zweimal hatte ich eine falsche Routenwahl, aber ich bin sehr zufrieden und super happy, mit den beiden Corsins den dritten Platz zu holen», fasst Nicola Müller zusammen.
Für die Damen stand Delia Giezendanner am Start. 30 Sekunden vor dem Startschuss bricht Giezendanners Kartengestellplatte. Die Bündnerin erhält schnell ein Ersatzkartengestell, wird von dem Vorfall aber gestresst und verliert auf ihrer Startstrecke mit einigen kleinen Fehlern drei Minuten auf die Spitze.
Eliane Deininger startet eine grosse Aufholjagd. «Ich habe einen guten Start erwischt, und auch die Routenwahlen sind mir geglückt», erzählt die St. Gallerin. Deininger merkt an den Läuferinnen, die sie einholt, dass sie gut unterwegs ist und kann trotz eines kleinen Fehlers bis auf das schwedische Team alle Konkurrentinnen überholen. An zweiter Stelle liegend übergibt sie an Flurina Müller.




Diese hat mit der brillanten Ausgangslage zu kämpfen. Sie ist sich bewusst, dass hinter ihr die beiden zurzeit weltbesten Athletinnen nur darauf brennen, sie einzuholen. Auch Gedanken an den Vortag, mit dem Müller unzufrieden war, kommen auf. Sie gibt ihr Bestes und schlägt sich tapfer mit dem nun schon öfters beschriebenen Erfolgsrezept von abwechselnder Kontrolle und Vollgas durch. Als die Finnin und Norwegerin Müller schliesslich doch einholen, versucht sie, so lange wie möglich dranzubleiben und zu profitieren. In einer Routenwahl verliert die Einsiedlerin den Anschluss und läuft das Rennen auf sich alleingestellt kontrolliert zu Ende.
Der resultierende vierte Rang sei «ein wenig schade. Aber ich hätte nicht mehr machen können», konstatiert Flurina Müller. Zusammenfassend trotzen die Elite-Athletinnen den schwierigen Voraussetzungen und zeigen, auch wenn es heute nicht zum grossen Coup gereicht hat, einmal mehr, wie viel an einem perfekten Tag möglich wäre.
EYSOC
Fiona Ehrler ist die Startläuferin für das U17-Team. Sie kommt gut weg und kann ein sauberes Rennen zeigen. Aufgrund der Gabelungen ist Ehrler grösstenteils allein unterwegs und muss sich nur von der schwedischen Startläuferin Ohlsson geschlagen geben. Teamkollegin Lynn Maissen berichtet: «Fiona hat super vorgelegt. Ich bin leider nicht so gut gestartet.» Es schleichen sich einige kleinere Fehler ein, und die Teams aus Finnland und Lettland können die Schweizerinnen überholen.
Eleni Janett auf der Schlussstrecke läuft ein einsames, konzentriertes Rennen, wird aber leider gegen Ende vom tschechischen Team überholt. Es resultiert ein fünfter Platz. «Es war wirklich cool. Auch mit diesem Team ist es natürlich immer toll», freut sich Janett, die mit ihren Teamkolleginnen auch im Fuss-OL zusammen unterwegs ist.
Bei den Jugendläufern trat kein Schweizer Team an, da nicht genügend Läufer vorhanden waren. Die U17-Athleten unterstützten stattdessen ihre Teamkollegen an der Junioren-Weltmeisterschaft.
JWSOC
Sowohl die Junioren als auch Juniorinnen sicherten sich heute Diplome, was in Anbetracht, dass einige der Antretenden noch U17-startberechtigt wären, besonders bemerkenswert ist.
Rico Maissen eröffnet das Rennen der Junioren. «Es hat mega Spass gemacht, fürs Team am Massenstart zu stehen», berichtet er. «Ich habe versucht, möglichst fehlerfrei durchzukommen, und das ist mir gelungen.» Bezahlt macht sich das mit einem schönen Zwischenresultat: Maissen kann als Drittplatzierter an Teamkollege Andri Aebi übergeben.
Aebi schlägt sich gegen die bis zu drei Jahre älteren Konkurrenten zunächst hervorragend. Beim drittletzten Posten unterläuft ihm aber ein Fehler. An einem bereits bekannten Posten kann er sich wieder auffangen, ist vom Zeitverlust aber etwas enttäuscht. Trotzdem kann er noch auf Diplomkurs an Lavio Müller übergeben.
Der Schlussläufer und gestrige Juniorenweltmeister ist mit seinem Rennen zufrieden. Das Tempo und physische Gefühl stimmen und verzeihen auch einen kleinen Fehler gegen Ende der Bahn. Müller macht zwei Plätze gut und läuft als Vierter über die Ziellinie. Er betont: «Der vierte Platz ist das, was heute für uns möglich war. Ich finde, wir können stolz auf uns sein.»
Die Juniorinnen laufen auf den sechsten Platz. Nach einem gelungenen ersten Posten lässt sich Alvina Koch auf der Startstrecke mit vielen anderen Athletinnen zu einem falschen Gabelungsposten verleiten. Nachdem sie dann ihren eigenen Posten gefunden hat, ist sie allein unterwegs. Die restliche Strecke verläuft fehlerfrei.
Nesa Schiller läuft die zweite Strecke. «Ich konnte mein Rennen machen. Es hat uu mega Spass gemacht, tolle Bahn», erzählt sie. Der Rückstand von der ersten Strecke, der dazu führt, dass Schiller grösstenteils allein unterwegs ist, ist eine mentale Herausforderung: «Ich bin manchmal etwas aus dem Flow gefallen. Man ist halt nicht gleich im Rennen drin, wenn man keinen Gegnerkontakt hat», analysiert Schiller.
Bianca Aebi ist Schlussläuferin des U20-Teams. Die U17-Athletin merkt den Schwierigkeitsunterschied der Bahn. Trotzdem: Sie kann einen gelungenen Lauf absolvieren und führt das Team als Sechstplatzierte über die Ziellinie und ergattert damit ein Diplom.
Nach diesem erfolgreichen Tag für die Schweiz steht morgen die abschliessende Langdistanz an. Liveresultate werden erneut hier aufgeschaltet: https://liveresultat.orientering.se.
Text: Lea Widmer, Fotos: Timo Mikkola
