An den Bike-OL Weltmeisterschaften in Shumen, Bulgarien, erreichte Celine Wellenreiter im Sprint mit Rang 10 bereits das dritte Top-Ten Resultat ihrer noch jungen Karriere. Nur wenig fehlte gar für ihr erstes Diplom. Und mit dem 11. Rang bei den Herren zeigte Noah Rider einmal mehr sein Flair für die kürzeste der Bike-OL Disziplinen

Nicht überraschend war der Sprint in Pliska, einer früheren Hauptstadt des bulgarischen Reiches und heute ein beschauliches Dorf in Nordostbulgarien, ultraschnell. So galt es, auf den oft asphaltierten und flachen Strassen das Tempo hoch zu halten und dabei den Fokus nicht zu verlieren. Es war auch abzusehen, dass jeder noch so kleine Fehler einer zu viel werden könnte. Unter anderem versuchte der Bahnleger, den Wettkämpfer*innen mit künstlichen Absperrungen herauszufordern, was ihm mit herausfordernden Routenwahlen vor allem zu Beginn gelang.

Wellenreiter und Jäggi gewohnt stabil, Lüscher überrascht 

Die auf den ersten Blick als Aussenstehender scheinbare Leichtigkeit der Bahnen wie das hohe Tempo hatten aber ihre Tücken, schlichen sich doch bei einigen Fahrer*innen kleine Fehler und Unachtsamkeiten ein. Nicht so bei Jana Lüscher ALemany: Sie zeigte ihre wohl bisher beste Leistung im Schweizer Teamdress mit einem beinahe fehlerlosen Lauf und sorgte mit ihrem 19. Rang für die positivste Überraschung im Schweizer Lager.

Wie eng das Rennen war, zeigt der Umstand, dass Lüscher nur 18 Sekunden auf Rang 12 fehlten. Dieser wurde von ihrer Teamkollegin Ursina Jäggi gehalten. Jäggi wählte zu Posten 2 "eine schlechte Route mit zu viel Zickzack und Ecken". Zusätzlich hatte sie zu Posten 10 einen Zusammenstoss mit einem japanischen Fahrer zu beklagen, was sie ziemlich aus dem Konzept brachte und zu einem Folgefehler führte. Trotzdem: "Ich bin vor allem froh, bin ich und mein Velo noch ganz. Ich freue mich jetzt auf jeden Fall auf ein Rennen im Wald". Die Mehrheit des Schweizer Teams betonte, das das Rennen aufgrund der Verkehrssituation nicht ganz ungefährlich war (siehe auch unten).

Die hier zwar als letzte aufgeführte aber nichtsdestotrotz beste Schweizerin, Celine Wellenreiter erreichte an ihren zweiten Weltmeisterschaften mit Rang 10 bereits ihr drittes Top-Ten- Ergebnis "und konnte sehr gut umsetzten, was ich mir vorgenommen hatte", haderte allerdings mit einer suboptimalen Routenwahlen und einem gröberen Fehler beim drittletzten Posten, welche ihr sicher die entscheidenden 17 Sekunden auf ein Diplom kosteten. "Immerhin habe ich heute gezeigt, dass meine Form besser ist als befürchtet".

Solide Schweizer Herren

Bei den Herren zeigte Noah Rieder ein weiteres Mal sein Flair für den Sprint. Im Live-Interview antwortete er auf die Frage, wie zufrieden er mit seinem Rennen sei in souveränen Englisch "I am quite satisfied but I did two smaller mistakes, so could have been better but it's OK".  Später hob er hervor, dass er vor allem auch Freude am Schweizer Frauenteam gehabt habe. "Alle drei haben richtig gut performt und haben Superrennen gehabt. Dies macht Lust auf mehr". Dies gibt ihm auch viel Energie für morgen. "Ich bin in einer sehr guten körperlichen Verfassung und an der Vorbereitung sollte es auch nicht scheitern. Ich bin recht zuversichtlich".

Mit Adrian Jäggi im 16. Rang zeigte der zweitbeste Schweizer ein solides Rennen und blieb zeitmässig durchaus in Tuchfühlung mit Rieder. "Ich hatte vor allem zu Beginn des Rennens Schwierigkeiten, den Rhythmus zu finden. Es hatte doch einige Routenwahlprobleme mit beispielsweise unregelmässigen Kreuzungsabständen". Ausserdem habe er, wie auch Rieder erwähnte, bei Kreuzungen aufgrund des vorhandenen Verkehrs nichts riskieren wollen und habe ein wenig Tempo herausgenommen. Sein gutes Resultat ist umso erfreulicher, als dass ihm die flache und schnelle Strecke nicht wirklich entgegenkam, bevorzugt er doch steileres Gelände, Gelände, welches er voraussichtlich morgen im Massenstart und am Freitag in der Langdistanz vorgesetzt bekommen wird.

Der Jungspund im Team, Flurin Schnyder, zeigte in seiner ersten WM-Sprintrennen in der Elite eine solide Leistung und klassierte sich im Rang 26 souverän in der ersten Hälfte des Starterfelds. Auch er hatte ein wenig Mühe, ins Rennen zu finden. "Ich bin schlecht gestartet und habe schon zu Posten 1 einen Weg verpasst, bin aber schlussendlich erstaunt, dass es trotzdem zu einem guten Resultat gereicht hat". Die Taktik für den morgigen Massenstart beschreibt er wie folgt: "Ich möchte sicher so viel wie möglich von den anderen Fahrern profitieren, mich aber dennoch nicht zu viel ablenken lassen".

Nicht zufrieden mit seinem Rennen kann sicher Silas Hotz sein. Der Fahrer mit dem wohl grössten Motor im Schweizer Team kassierte heute einen rabenschwarzen Tag und klassierte sich im für ihn enttäuschenden 46. Rang. Das Positive für Hotz ist zweifelsohne, dass morgen Mittwoch mit dem Massenstart ein Rennen auf dem Programm steht, bei welchem er an der letzten WM in Tschechien mit dem fünften Rang sein bisher bestes WM-Resultat erzielte.

Hier gehts zu den inoffiziellen Resultaten

Die weiteren Rennen der WM:

  • Mi 11. September Massenstart
  • Do 12. September Mitteldistanz
  • Sa 14. September Langdistanz
  • So 15. September Staffel

Wichtige Links:

(Text: Thomas Bossi, Interviews vor Ort: Marita Hotz)