Solider Auftakt für das Schweizer Team im Massenstartrennen: Adrian Jäggi (9.) und die überraschende Jana Lüscher Alemany (8. Rang) überzeugten mit starken Auftritten. Malin Röhrl verpasst bei den Juniorinnen in der Langdistanz Bronze nur um 14 Sekunden.
Heute fiel mit dem Massenstartrennen der Startschuss zur Bike-OL Europameisterschaft in Vilnius. Es entwickelte sich ein äusserst schnelles Rennen, welches vor allem durch lange Routenwahlen mit zahlreichen Umfahrungsmöglichkeiten geprägt war – eine echte Herausforderung für die Athlet*innen.
An der Spitze keine Überraschungen
Bei den Herren setzten sich die üblichen Favoriten aus Finnland und der Tschechischen Republik an die Spitze der Rangliste: Samuel Pokala setzte sich vor Vojtech Ludvik und dem einheimischen Jonas Maišelis durch. Auch bei den Damen blieben die grossen Überraschungen aus: die Dänin Nikoline Splittorff gewann haushoch vor den Finninnen Ruska Saarela und Ingrid Stengard.
Überraschende Jana Lüscher Alemany, sehr solider Adrian Jäggi
Aus Schweizer Sicht war Jana Lüscher Alemany sicher die grösste Überraschung. Zwar deutete sie in den Vorbereitungsrennen ihre grossen Fortschritte und gute Form schon an, ihr beachtenswerter 8. Rang durfte so aber nicht erwartet werden. „Ich bin zufrieden mit meinem Rennen und meinem ersten Top-Ten Rang. Ich konnte alles so durchziehen, wie ich es geplant habe“, meinte eine stolze Lüscher. Auch morgen werde sie alles geben, obwohl es sicher kartentechnisch anspruchsvoller und weniger physisch sein wird.
Bei den Herren zeigte auch Adrian Jäggi ein ausgeglichenes Rennen und klassierte sich mit dem starken 9. Rang so weit vorne wie bisher selten an internationalen Einzeltitelkämpfen der Elite. Nur an der EM 2023 in Portugal war er mit dem 7. Rang besser klassiert, ebenfalls im Massenstart. „Ich hatte heute sehr, sehr gute Beine und konnte vor allem in den Steigungen immer wieder Fahrer überholen“, meinte er nach dem Rennen. „Allerdings ging es manchmal ein wenig zu weit, da ich zusammengezählt mit den Routenwahlen doch einige Minuten in den Sand gesetzt habe“, ergänzte er und unterstrich dabei die in dieser Hinsicht sehr interessante Streckenanlage. Und gibt sicfh für den weiteren Verlauf der EM durchaus zuversichtlich und selbstbewusst: „Ein 9. Rang ist sicher OK und die guten Beine geben Hoffnung auf mehr in den nächsten drei Tagen.“
Ein Mittwoch für Noah Rieder am Donnerstag
Noah Rieder hätte von sich mehr erwartet als Rang 21. Auf die Frage, wie er sein Rennen einschätze meinte er lakonisch: „Jugendliche heutzutage würden sagen: Mittwoch! Also durchschnittlich, es hatte gute Teile darunter, aber auch zwei schlecht gewählte Routenwahlen.“ Die Beine fühlten sich super an, was ihm für das morgige Rennen doch auch Zuversicht gebe.
Im Vorfeld peilte Celine Wellenreiter als Optimum einen Diplomplatz an. Mit Rang 13 verpasste sie diesen zwar, war aber nicht unzufrieden mit ihrer Fahrt. Nach einem unruhigen Start fand sie sich schon bald mehr oder weniger alleine und konnte so technisch ihr eigenes Rennen durchziehen. „Ich habe zwar nicht immer die richtigen Routen erwischt, aber das ging heute wohl vielen so“, relativierte sie. Physisch war sie heute noch nicht ganz bereit „und vor allem in den ganz steilen Anstiegen habe ich es brutal hart gefunden und habe dort wohl auch noch ein wenig Zeit verloren.“
Ein nach ihren eigenen Worten “durchzogenes“ Rennen zeigte Ursina Jäggi. „Es war ein OK-Rennen, aber nicht ein wirklich gutes“, meinte die routinierten Brittnauerin. Sie hatte nicht die besten Beine und litt vor allem in den extrem steilen Passagen, wo man sogar vom Bike musste. „Ich weiss, dass mich diese Abschnitte richtig kaputt machen und davon hatte es heute einige.“ Kartentechnisch sei sie solid unterwegs gewesen, habe vielleicht nicht immer die richtige Route erwischt „aber es war oft auch sehr schwierig zum Abschätzen, welches effektiv die schnellste Route gewesen wäre.“ Nach eigener Einschätzung ein solider Start ins EM-Abenteuer, aber mit Luft nach oben.
Weniger erfreulich verlief der Auftakt für Flurin Schnyder. Er kämpfte seit Samstag mit starken Bauchschmerzen welche ihn in der Folge am Montag sogar ins Spitalbett zwangen. Für Schnyder ist die EM damit leider bereits vorzeitig zu Ende. An dieser Stelle gute Besserung, Flurin!
Starkes Debut bei den Juniorinnen von Malin Röhrl
Die Egnacherin Malin Röhrl fährt erst ihre zweite internationale Saison und trotzdem sind die Erwartungen schon hoch. Und mit einem 4. Rang in der Langdistanz bei den Juniorinnen konnte sie diese auch schon weitgehend erfüllen, insbesondere, da ihr zum Bronzeplatz nur gerade 14 Sekunden fehlten. „Ich bin ein wenig gestresst ins Rennen gestartet, da mein Badge nicht funktionierte. Zum Glück hatte ich einen Backup, welcher zwar nicht piepste aber immerhin noch blinkte“, wusste sie zu berichten. Dadurch sei sie am Start nicht ganz vorbereitet und fokussiert gewesen. Dies hat sich wohl in suboptimalen Routenwahlen zu Posten 2 und 3 ausgewirkt. „In der Folge fand ich dann aber immer besser ins Rennen. Ich habe gemerkt, dass ich physisch bereit war und Druck geben konnte“, meinte Röhrl und war sehr zufrieden mit ihrem 4. Rang in ihrem ersten Juniorinnenrennen an Titelkämpfen. Und dass sie mit Jahrgang 2007 eben gerade erst in diese Kategorie aufgestiegen ist und noch ganze drei Saisons dort mitmischen darf, lässt für die Zukunft definitiv grosses erwarten.
Morgen geht es weiter mit der Mitteldistanz. Nach allgemeiner Einschätzung wird es dabei kartentechnisch wohl schwieriger wie im Massenstart und die physische Komponente wird eine weniger entscheidende Rolle spielen. Man darf die Rennen weiterhin gespannt verfolgen.
Das weitere Programm:
- Fr 16.05.: Mitteldistanz (EMTBOC und EJYMTBOC)
- Sa 17.05.: Sprint (EMTBOC und EJYMTBOC)
- So 18.05.: Mixed-Staffel (EMTBOC) und Staffel (EJYMTBOC)
GPS, Liveresults, Fotos und Karten Massenstart und Langdistanz: https://orienteering.sport/event/european-mtb-orienteering-championships-2025/mass-start/
Offizielle Webseite des Veranstalters:http://2025.mtbo.lt
(Text: Thomas Bossi, Bilder: Beat Schaffner)
