Beim Mitteldistanzrennen an der Bike-OL EM überzeugten vor allem die Schweizer Herren. Nach dem Ausfall von Flurin Schnyder präsentierte sich das Rumpfteam mit Noah Rieder (4. Rang) und Adrian Jäggi (6. Rang) in sehr starker Verfassung und mischte von Beginn an der Weltspitze mit. Und bei den Juniorinnen schnupperte Malin Röhrl an einer Sensation.

Für den relativ früh gestarteten Noah Rieder wurde es ein nervenaufreibendes Rennen. Es zeichnete sich ein enger Kampf um eine mögliche Bronzemedaille ab. Nachdem der gestrige Sieger Samuel Pokola im Ziel war, stand zunächst fest: Rieder würde sich mit dem immer noch hervorragenden 4. Rang zufriedengeben müssen. Doch kurz darauf die Meldung: Der Finne wurde disqualifiziert. Fast zeitgleich zeigte der Liveticker, dass der gestrige Silbermedaillengewinner Vojtech Ludvik bei der zweiten Zwischenzeit nach ungefähr 36 Minuten Zeit verloren hatte und 20 Sekunden hinter Rieder zurücklag. Hoffnung keimte auf.

Doch ausgerechnet auf jenem Abschnitt, auf welchem Rieder ein wenig Zeit auf seine direkte Konkurrenz verlor, drehte der Tscheche mit einer überragenden Abschnittszeit nochmals richtig auf und verdrängte den Schweizer im Ziel wieder auf Rang 4. Gleichwohl, "Megageil", fasste Rieder seine Emotionen knapp und prägnant zusammen. "Ich habe einfach ein sauberes Rennen gehabt. Ganz zu Anfang gelangen mir vielleicht zwei Routenwahlen nicht ideal. Aber sonst war das ganze Rennen extrem cool, hat mir Spass gemacht, ich konnte pushen und gut navigieren und ja, es ist aufgegangen", meinte ein glücklicher Rieder mit einem (natürlich alkoholfreien) Bier in der Hand. Das grosse Feiern wird er aber auf später verschieben, will er sich doch ganz auf den morgigen Sprint fokussieren, wo seiner Ansicht nach sicher auch noch was „drinliegen“ könnte, wie er schelmisch ergänzte.

Im Schatten dieses spannenden Rennverlaufs zeigte aber auch Adrian Jäggi ein beinahe fehlerfreies Rennen. Er belegte schlussendlich nur rund 20 Sekunden hinter dem Lysser den sehr guten 6. Rang und setzte damit die bereits gestern zwischen den Zeilen angedeutete Steigerung überzeugend um. "Ich habe ein Superrennen gehabt, eigentlich von A-Z und konnte mein vorgenommenes Konzept umsetzen: Kontrolliert fahren und nicht zu viel pushen", wusste der Zollikofer zu berichten. "Der eher einfache Start kam mir entgegen um gut auf die Karte zu kommen. Ich hatte nach gestern nicht die allerbesten Beine, dies hat aber vielleicht auch geholfen, damit die Beine nicht schneller sind als der Kopf." Seine Beine und der Kopf haben heute sehr gut zusammengepasst und dies wurde auch mit einem Diplom belohnt.

Damen mit gemischter Bilanz

Bei den Damen blieb ein absolutes Spitzenresultat aus. Ursina Jäggi konnte sich gegenüber dem Vortag klar steigern und näherte sich mit Rang 11 den Top-Ten an. Nichtdestotrotz zeigte sie sich nicht ganz zufrieden und erwähnte, dass weiterhin Luft nach oben ist. "Der Start gelang mir nicht optimal, ich konnte zwar mein Konzept umsetzen, wählte zu Posten bewusst eine einfachere, weitere Route um den Weg zu Posten 3 zu planen. Leider verwirrte mich kurz vor Posten 3 ein nicht kartierter Baum, ich stoppte, fuhr zurück, kehrte wieder und setzte dort wohl eine Minute in den Sand". Bis zum Übergang sei sie dann wohl ein wenig zu langsam gefahren, wäre dies doch der einfachere Teil gewesen. Aber auf jeden Fall sei es ein cooles Rennen gewesen, welches Spass gemacht hat.

Ein weiteres animiertes Rennen zeigte Jana Lüscher Alemany. Nach ihrem Exploit vom Vortag (Rang 8) bestätigte sie ihre über die Wintermonate erzielten Fortschritte mit einem soliden 14. Rang. "Würde man den Weg von Start zu Posten 1 streichen hätte ich ein sehr gutes Rennen gehabt. Aber ich bin wohl ein wenig nervös gewesen, habe einfach nicht so recht verstanden, wie ich zu Posten 1 fahren sollte und habe dort wohl mindestens 2 Minuten verloren." Und für morgen gelte es nun einfach, einen besseren Start zu erwischen, sich besser zu konzentrieren und langsam zum ersten Posten zu fahren.

Weniger erfreulich verlief der Wettkampf für Celine Wellenreiter. Der Steffisburgerin gelang heute wenig, entsprechend ernüchtert zeigte sie sich nach dem Rennen. "Ich habe nicht so viel zu sagen. Mir gelang eigentlich ein guter Start, ab dem Mittelteil habe ich aber immer wieder diverse "Bögen" eingebaut, welche mich immer wieder Zeit gekostet haben, dementsprechend bin ich ziemlich enttäuscht." Der 29. Rang entspricht weder ihren Erwartungen noch ihrem Potenzial. Für Morgen will sie den grundsätzlichen Plan für das Rennen beibehalten, ihn aber einfach besser umsetzen.

Die Entscheidung, welche Athletin für die Mixed-Staffel am Sonntag nominiert wird, dürfte Nationaltrainerin Christine Schaffner angesichts der bisherigen Leistungen nicht leichtfallen. Klarheit muss wohl der morgige Sprint bringen.

Juniorinnen: Malin Röhrl überzeugt mit starkem Auftritt

Bei den Juniorinnen wäre es beinahe zur ganz grossen Überraschung gekommen: Malin Röhrl lag nach rund zwei Dritteln des Rennens mit über einer Minute Vorsprung an der Spitze und schien auf dem Weg zum ganz grossen Coup. "Ich konnte zu Anfang genau das umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte: ich habe möglichst immer die einfachste und trotzdem schnellste Route gesucht, was mir sehr gut gelang". Noch vor der Hälfte des Rennens konnte sie die 2 Minuten vor ihr gestartete Französin Masson Prune aufholen und blieb einige Zeit mit dieser zusammen. Doch im letzten Drittel entschied sich die junge Ostschweizerin für eine andere Route als die Französin, wo ihr aber ein verhängnisvoller Fehler unterlief, der ihr womöglich den Sieg kostete (Anmerkung: die Französin errang mit nur sieben Sekunden Rückstand die Silbermedaille). Bei der Anfahrt zum nächsten Posten verlor ihr Reifen zudem auch merklich Luft. Zwar war er nicht ganz platt, Röhrl zog die Fahrt noch durch, aber sicher in reduziertem Tempo. Trotzdem reichte es ihr mit Rang 6 noch zu einem Diplom. "Nach gestern noch einmal ein Diplom zu erreichen ist sicher mehr, als ich im Vorfeld erwartet habe. Es ist natürlich megaschade, dass ich so an einer Medaille vorbeigefahren bin, aber morgen ist ja auch noch ein Tag", meinte sie. So oder so, Röhrl lieferte mit diesem über weite Strecken sehr gelungenen Rennen einen weiteren überzeugenden Beweis ihres grossen Potenzials.


Das weitere Programm:

  • Sa 17.05.: Sprint  (EMTBOC und EJYMTBOC)
  • So 18.05.: Mixed-Staffel (EMTBOC) und Staffel (EJYMTBOC)

GPS, Liveresults, Fotos und Karten Mitteldistanz: https://orienteering.sport/event/european-mtb-orienteering-championships-2025/middle/

Offizielle Webseite des Veranstalters:http://2025.mtbo.lt

(Text: Thomas Bossi, Bilder: Beat Schaffner)