Ein Gelände wie ein Irrgarten und steile, sandige Rampen, die den Puls in die Höhe trieben: Die Mitteldistanz-WM im Bike-OL in Warschau verlangte den Fahrer*innen alles ab. Während die Schweizer Herren mit einer geschlossenen Teamleistung in den Top-15 überzeugten, mussten die Damen nach dem Sprint-Glanztag einen kleinen Rückschlag verkraften.

Die heutige Mitteldistanz an den Weltmeisterschaften im Bike-Orientierungsfahren in Warschau stellte die Athlet*innen vor eine der wohl kniffligsten Aufgaben der Saison. Ein schwer überschaubares Labyrinth aus Wegen und Pfaden durchzog das Wettkampgelände, gespickt mit steilen, sandigen Rampen auf einer Art Düne, die mehrfach bewältigt werden mussten. Der Kurs war geprägt von unzähligen Richtungswechseln, schwierigen Routenwahlen, vielen Entscheidungspunkten und zahlreichen Loops - eine technische und physische Herausforderung erster Güte.

Wer bisweilen die Fernsehübertragungen vergangener MTBO-Wettkämpfe verfolgte, bemerkte schnell: Selbst erfahrene Teilnehmer*innen agierten heute besonders vorsichtig, manche hielten sogar an, um sich neu zu orientieren - ein klares Zeichen für die Schwierigkeit des Kurses.

Herren kompakt in den Top-15

Die Schweizer Herren zeigten bei der heutigen Mitteldistanz an den Bike-OL-Weltmeisterschaften in Warschau eine sehr geschlossene Mannschaftsleistung. Alle Athleten klassierten sich nahe beieinander in den Top-15 - ein starkes Zeichen der Teamkonstanz. Dies unterstrich auch die Nationaltrainerin Christine Schaffner: „Wenn ich mich umhöre und die Karte anschaue, war dies wohl eines der schwierigsten Bike-OL Rennen welches die meisten Athlet*innen je gefahren sind. Es war super anspruchsvoll und die Herren haben die Aufgabe mit einer coolen Teamleistung sehr gut gemeistert.“  

Noah Rieder kam zwar als Führender ins Ziel, was gemäss seinen Aussagen schon noch ein gutes Gefühl sei, aufgrund der momentan aber enorm starken internationalen Konkurrenz verpasste er am Ende die Top-Ten mit Rang elf nur knapp und war damit auch heute in der Mitteldistanz der beste Schweizer: „Eigentlich lief mir das Rennen gut. Es war mega, mega schwierig, man hatte eigentlich gar keine Zeit, etwas anderes zu denken, als: wie komme ich bloss zum nächsten Posten.“ Leider unterlief ihm zu Posten 18 ein Parallelfehler, der ihn doch ein wenig Zeit kostete. Am Ziel war er dann beinahe ein wenig sprachlos „da ich nicht so recht wusste, war es jetzt gut oder schlecht, aber offensichtlich war es doch ganz OK“.

Flurin Schnyder konnte sich über seinen 15. Rang freuen, den er zeitgleich mit Teamkollege Adrian Jäggi erreichte. Angesichts der letzten Wochen war dies für Schnyder ein besonders erfreuliches Resultat: Nach einer Salmonellen-Infektion Mitte Mai hatte er zwar das Training bald wieder aufnehmen können, wurde jedoch Anfang Juli durch einen Sturz bei hohem Tempo erneut zurückgeworfen. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Resultat. Ich habe vielleicht gesamthaft eineinhalb Minuten Fehler, bei welchen ich mich aber sehr gut auffangen konnte. Ausserdem habe ich einen sehr guten Schlussteil gehabt wo ich sicher noch einige Ränge gutmachen konnte.“ Gäbe es im Bike-OL einen „Leader-Chair“, wäre heute ein besonderer Schweizer-Tag gewesen. Auch Schnyder hätte, wie Rieder und teils auch zeitgleich mit Jäggi, auf diesem Platz nehmen können, „ein schon noch schönes Gefühl“, wie der Berner meinte. Zeitweise befanden sich alle drei Schweizer in Führung, bevor sie aber in der Rangliste, insbesondere von den überragenden Finnen (siehe unten) ein wenig zurückgespült wurden.

Für Adrian Jäggi hingegen überwog heute ein wenig die Unzufriedenheit über seinen Schlussteil. Lange Zeit lag er in den Top-Ten, rund eine Minute vor Noah Rieder. Doch im letzten Teil des Rennens unterliefen ihm einige Unsauberkeiten, welche ihm eine deutlich bessere Platzierung kosteten: „Mit dem Lauf bin ich zu grossen Teilen recht zufrieden, aber die letzten zehn Posten (von 37) gelangen mir doch sehr schlecht. Dabei verlor ich wohl mit einem grösseren und zwei, drei kleineren Fehlern rund zwei Minuten.“ Und wohl auch einen weiteren Top-Ten Platz.

An der Spitze wogte ein faszinierender Kampf, bei welchem es auf den letzten sechs der gesamthaft 37 Posten zu einigen Rangverschiebungen kam. Schlussendlich zeigten sich aber wie schon gestern die Finnen als kompaktestes Team mit einem eindrücklichen Vierfachsieg. Es gewann Andre Haga vor den zeitgleichen Miika Nurmi und dem überraschenden Altmeister Jussi Laurila. Wagt man einen Ausblick auf den Sonntag und den Staffelwettbewerb voraus, dürften die Finnen dort zu den absoluten Favoriten gehören.

Damen mit kleinem Dämpfer

Nach den hervorragenden Resultaten im gestrigen Sprint mussten die Schweizer Damen in der Mitteldistanz einen kleinen Rückschlag hinnehmen. Die beiden Medaillengewinnerinnen von gestern, Celine Wellenreiter (13. Rang) und Malin Röhrl (18. Rang), kamen mit den Bedingungen nicht optimal zurecht.

Wellenreiter gelang als frischgebackener Vize-Weltmeisterin kein Superlauf: „Am Anfang war es noch nicht so schwierig, aber der Schluss war in extrem feinen Gelände und sehr, sehr vielen Wegen, wo ich ehrlicherweise nicht nur gefordert, sondern teilweise auch überfordert war, weil alles so schnell gegangen ist und man so gut schauen musste und fast keine Karte mehr lesen konnte“, nahm sie es mit Humor.

Röhrl zeigte sich nach dem starken Rennen gestern sehr enttäuscht über ihr heutiges Resultat bei den Juniorinnen. Die Gründe erläuterte sie folgendermassen: „Es war viel schwieriger als gestern. Ich habe noch nie einen so schwierigen OL gehabt. Ausserdem schmerzte mein Rücken von Anfang an, ich war daher sicher auch nicht topfit und 100 % konzentriert.“ Schon bald habe sich auch ein erster grösserer Fehler eingeschlichen, welcher sie sehr genervt habe, gefolgt von einem nachträglich ebenso störenden Fehler, meinte eine sichtlich geknickte Röhrl. Doch Morgen folgt mit dem Massenstart schon die nächste Chance.

Ursina Jäggi hingegen konnte ihren neunten Rang vom Vortag leicht verbessern, wurde Achte und zeigte sich aufgrund der schwierigen Bedingungen durchaus zufrieden: „Ich weiss nicht, ob ich schon jemals einen so schwierigen Bike-OL gemacht habe in meinem ganzen Leben. Es war extrem fein, hatte hunderttausende von Wegen, welche man teilweise auch noch schlecht sah. Man musste immer wissen wo man ist, die Richtung kontrollieren. Denn wenn man nicht mehr wusste, wo man war und sich auffangen musste: Viel Vergnügen“, meinte die erfahrene Bike-OL Routinière. Der Einstieg gelang ihr zwar nicht wie gewünscht, sie schaffte es aber in der Folge, die Konzentration hochzuhalten und sich durch das Labyrinth durchzuhangeln.

Genau wie Jäggi konnte sich Jana Lüscher Alemany gegenüber gestern rangmässig steigern (22. Rang), fand sie doch den Fokus heute sofort und konnte diesen auch im Rennen halten: „Es hat sich gut angefühlt, war aber kartentechnisch sehr schwierig mit den vielen, teilweise schwer erkennbaren Wegen. Ich hatte doch einige kleinere und auch ein paar grössere Fehler gemacht“, meinte sie; Fehler, welche schlussendlich zu einem Rückstand von beinahe zehn Minuten auf die Siegerin Martina Tichovska aus Tschechien führte, welche allerdings deutlich vor der Schwedin Gabriella Gustaffson und der gestrigen Siegerin, Ruska Saarela aus Finnland, obenausschwang.

(Bilder im Text folgen)

Das weitere Programm

  • Do, 14.08.: Massenstart
  • Fr, 15.08.: Ruhetag
  • Sa, 16.08.: Langdistanz
  • So, 17.08.: Staffeln

Live TV, GPS und Liveresulte: https://orienteering.sport/event/cx80-world-mtb-orienteering-championships-2025/welcome/

Offizielle Webseite des Veranstalters: https://wmtboc2025.pl/en

(Text: Thomas Bossi, Interviews: Sabrina Meister, Bilder: Katrin Remund)