Wie von Nationaltrainerin Christine Schaffner erwartet, wurde Malin Röhrl ihrer Mitfavoritinnenrolle an der Bike-OL-EM gerecht und gewann bei den Juniorinnen die Silbermedaille. Noah Rieder bei den Herren verpasste in einem engen Rennen ein Diplom nur knapp.
Entgegen den Erwartungen entwickelte sich das Rennen technisch weniger anspruchsvoll als angenommen. Zwar war die Laufanlage durchaus interessant, die ganz grossen Routenwahlentscheidungen blieben jedoch aus. Diese Einschätzung teilten auch viele Athletinnen und Athleten. Trotzdem mussten die scheinbar einfachen Passagen bei hohem Tempo präzise umgesetzt werden.
Bei den Juniorinnen gelang dies Malin Röhrl beinahe perfekt. «Ich hatte ein solides Rennen, bin bewusst kontrolliert gestartet und wollte Fehler vermeiden. Das ist mir sehr gut gelungen.» Während des gesamten Rennens agierte sie umsichtig: «Ich habe vor allem dann gepusht, wenn ich genau wusste, wo ich bin und wie es weitergeht.» Auch wenn das Rennen einfacher gewesen sei als erwartet, habe man stets genau lesen müssen «wo nun der Weg genau durchgeht, oben oder unten und wie komme ich dort rauf.» Die frischgebackene Vizeeuropameisterin musste sich einzig der Schwedin Signe Feil um 19 Sekunden geschlagen geben. Besonders stark war Röhrls Schlussteil: Kurz vor dem Ziel lag sie noch auf Rang vier, konnte sich aber auf den letzten Metern noch vor zwei Tschechinnen schieben. Entsprechend zufrieden zeigte sich die Egnacherin: «Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen. Einen kleinen Fehler gab es, aber Silber im ersten Rennen ist natürlich super.»
Auch bei den Herren war das Rennen technisch nicht aussergewöhnlich schwierig. Für Diskussionen sorgte insbesondere die Routenwahl von Posten 17 zu 18. Bis zu vier Varianten boten sich an, wobei sich die direkte Route über die Wiese als schnellste erwies. Insgesamt entwickelte sich dadurch ein stark physisch geprägtes Rennen.
Eigentlich ideale Voraussetzungen für den explosiven Noah Rieder. Der Schweizer bestätigte seine starke Form, zum ganz grossen Exploit reichte es aber knapp nicht. «Eigentlich lief es sehr gut. Bei Posten 13 las ich kurz fälschlicherweise zu 18 weiter, konnte das aber sofort korrigieren.» Auch er hatte mehr technische Schwierigkeiten erwartet: «Leider war es ziemlich einfach und sehr physisch. Trotzdem hat es Spass gemacht und gibt Zuversicht für die morgige Mitteldistanz.» Schlussendlich resultierte Rang 8. Zwei Sekunden fehlten zum Diplom, sechs Sekunden zu Rang 5. Ganz nach vorne wäre es allerdings schwierig geworden, da sich die ersten vier deutlich absetzen konnten. Eindrucksvoll war insbesondere die Leistung des Österreichers Hannes Hnilica (ausgesprochen wie man es schreibt 😉), der der Konkurrenz über 30 Sekunden abnahm. Auffällig war zudem die mannschaftliche Stärke der Franzosen mit drei Fahrern in den ersten sechs.
Flurin Schnyder konnte sich im Vergleich zu seinen Leistungen in Ungarn deutlich steigern und klassierte sich als 17. «Ich bin sehr zufrieden, wieder in den Top 20 zu sein.» Auch er hätte sich ein technisch anspruchsvolleres Rennen gewünscht: «Es war relativ einfach, bei diesem hohen Tempo musste man aber trotzdem jederzeit konzentriert bleiben.» Dank guter Vorbereitung, unter anderem mit Street View, fand er trotz kleiner Unsicherheiten gut in den Flow. Physisch sei er allerdings noch nicht ganz auf dem gewünschten Niveau, weshalb er konstant etwas Zeit verlor. Das Rennen gebe ihm dennoch längerfristig viel Zuversicht mit Blick auf die WM in Schweden.
Silas Hotz klassierte sich als 28. knapp vor Adrian Jäggi. Entscheidenden Zeitverlust handelte er sich bei der erwähnten Routenwahl von 17 zu 18 ein: «Ich hatte die Route quer über die Wiese angeschaut und war überzeugt, dass sie niemals schneller sein könnte. Dort verlor ich rund 40 Sekunden.» Hinzu kam ein kleiner Fehler im Schlussabschnitt. Ansonsten sei es ein sauberer Lauf gewesen. «Ich konnte am Limit fahren, aber dieses Limit reicht momentan noch nicht für bessere Resultate.» Mit seiner Leistung zeigte sich Hotz zufrieden, mit dem Resultat weniger.
Adrian Jäggi war lange sauber unterwegs. «Ich hatte ein gutes Gefühl und war ordentlich schnell, bis ich bei Posten 18 einen grösseren Fehler machte.» Dort erwischte er aufgrund einer wohl unsauberen Kartierung die wohl schlechteste Variante und verlor rund 40 Sekunden. Ein weiterer Fehler bei Posten 20 kostete nochmals viel Zeit: «Ich war gedanklich schon zu weit und fuhr schlussendlich in eine Sackgasse.» Abgesehen davon zeigte er sich mit seinem Rennen zufrieden, war aber überrascht, wie hoch das Tempo an der Spitze war.
Bei den Damen resultierte aus Schweizer Sicht vielleicht eine ganz leichte Enttäuschung. Celline Wellenreiter klassierte sich als beste Schweizerin gerade noch in den Top Ten. «Ich hatte ein durchzogenes Rennen. Der Start gelang gut, kurz nach dem Kartenwechsel passierte mir aber der erste Fehler.» Ihr wurde eine Mauer zum Verhängnis («oben anstatt unten»). Im Mittelteil kämpfte sie sich nochmals bis auf Rang vier nach vorne. «Beim letzten Posten in der Burg war ich durch die Sternform etwas verwirrt, verlor die Übersicht und musste umkehren.» Beide Fehler kosteten rund 30 Sekunden - in einem derart schnellen Rennen zu viel.
Jana Lüscher Alemany ging das Rennen bewusst kontrollierter an als noch beim Weltcup: «Ich wollte ruhiger starten und erst dann richtig Druck machen, wenn ich gut vorbereitet bin.» Der Plan gelang grundsätzlich, allerdings summierten sich kleine Fehler. «Beim vierten Posten dachte ich kurz, ich hätte einen Platten. Das störte wohl meine Konzentration.» Nach dem Kartenwechsel folgten zwei weitere kleine Fehler bei schwierigen Mauerdurchgängen. «Da verpasste ich jeweils eine Abzweigung und verlor zweimal rund 30 Sekunden.» Solche Fehler sind im Sprint besonders bitter. Dennoch klassierte sie sich als solide 16., wobei der Rang täuscht: der geringe zeitliche Rückstand zeigt, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre.
Ursina Jäggi hatte sich mehr erhofft als Rang 24. Zwei grössere Fehler bei Posten 2 und 17 kosteten sie jeweils rund eine Minute. Auch sie erwartete ein schwierigeres Rennen «Ich habe eigentlich immer auf Schwierigkeiten gewartet, welche dann aber doch nicht kamen und habe deshalb so während des ganzen Rennens zu wenig.» Für die Brittnauerin bleiben jedoch noch zwei weitere Einzelrennen, um ihr Potenzial zu zeigen.
Bei den Junioren absolvierte Jann Wittwer sein erstes EM-Rennen und überzeugte mit Rang 15 im ersten Juniorenjahr. «Ich bin sehr zufrieden mit diesem Resultat.» Auch er sprach von einem technisch einfacheren Rennen als erwartet: «Dadurch wurde es sehr physisch und man musste extrem schnell reagieren.» So darf sich eine Premiere durchaus sehen lassen.
In den Jugendkategorien feierten die beiden Tessiner*innen Joy Vassalli und Iacopo Zambarda ihre Premiere an internationalen Meisterschaften. Joy Vassalli (W17) hielt lange Kontakt zur Spitze und lag bei der letzten Zwischenzeit sogar auf Rang fünf. Auf den letzten Minuten verlor sie jedoch noch etwas Zeit und klassierte sich schliesslich als starke Achte.
Iacopo Zambarda (M17) hielt sich bei den Zwischenzeiten ebenfalls lange in der ersten Hälfte des Feldes. Ein Defekt zwang ihn jedoch zur Aufgabe. «Das Rennen lief super, bis mein Schalthebel kaputtging», erklärte der junge Tessiner. «Es war ein sehr schnelles Rennen mit wenigen Anstiegen - man musste richtig Gas geben.» Physisch habe er sich sehr stark gefühlt, weshalb ihn der Defekt besonders ärgerte. Aber auch für Portugal wie überall gilt: Es ist noch nicht aller Tage Abend und die nächste Chance folgt schon morgen in der Mitteldistanz.
Hier gehts zu den Resultaten: https://www.tictactiming.pt/eventos/2026/0523_EMTBOC/PR_e1.html
Das weitere Programm
- Dienstag, 26 Mai: Mitteldistanz
- Mittwoch, 27 Mai: Massenstart (Elite) / Langdistanz (Junior*innen, Jugend)
- Donnerstag, 28 Mai: Mixed-Staffel
Live TV, GPS und Liveresulte: https://orienteering.sport/event/european-mtb-orienteering-championships-2026/live/
Offizielle Webseite des Veranstalters: https://emtboc2026.fpo.pt/
(Text: Thomas Bossi)
