Starke Reaktion des Schweizer Damenteams an der Bike-OL-EM in Portugal: Nach der Silbermedaille der Juniorin Röhrl am Vortag überzeugte diesmal das gesamte Frauenteam. Drei Medaillen und ein Diplom sorgten für ein herausragendes Mannschaftsergebnis. Und auch bei den Männern fehlte Noah Rieder nur wenig zu einer Medaille.
Celine Wellenreiter ist Europameisterin über die Mitteldistanz. Nachdem sie ihr Rennen am Vortag noch «als durchzogen» eingeordnet hatte, gelang der Thunerin diesmal beinahe alles. Dennoch: «Ich hatte nicht so einen guten Start, verpasste die letzte Abzweigung vor dem ersten Posten und dachte schon, dass das Rennen damit gelaufen ist», meinte die frischgebackene Europameisterin. Früh habe sie gemerkt, wie schnell und einfach die Strecke angelegt war. Umso beeindruckender war ihre Reaktion: «Ich habe keine unnötigen Bögen mehr gemacht, war immer schön im Flow, konnte pushen und leiden.» Das Gleichgewicht zwischen Vollgas und trotzdem die Kontrolle, auch bei der grossen Hitze, nicht zu verlieren, gelang Wellenreiter heute optimal. «Ich bin sehr glücklich, diese Balance gefunden zu haben und so meinen ersten Sieg an internationalen Meisterschaften feiern zu können.»
Malin Röhrl bestätigt derweil ihre beeindruckende Konstanz an internationalen Titelkämpfen. In fünf der letzten sechs Einzelrennen an EM oder WM gewann sie eine Medaille, darunter Gold über die Langdistanz an der WM 2025 in Polen. Nun kommt in Portugal bereits das sechste Edelmetall hinzu: Silber über die Mitteldistanz. Und erneut fehlten nur wenige Sekunden zum ganz grossen Coup. «Ich wusste, es wird physisch, war mir nicht sicher, wie bereit ich bin, aber als ich gestartet bin, wusste ich, dass ich es kann», beschreibt Röhrl den Einstieg in das heutige Rennen. Leider beging sie einen Fehler, welcher ihr wohl Gold kostete, liess sich davon aber nicht ablenken und pushte weiter: «Im Ziel riefen mir die anderen zu und ich wusste, es geht um Sekunden. Dass ich wieder den zweiten Rang erreichen konnte, ist ein Supergefühl.» Morgen steht bei den Junior*innen eine Langdistanz auf dem Programm, und es spricht nichts dagegen, dass Röhrls Erfolgsstory weitergehen könnte.
Und wer weiss, vielleicht steht die nächste Erfolgsgeschichte im eigenen Lager bereits in den Startlöchern. Mit der erst 15-jährigen Tessinerin Joy Vassalli scheint das nächste grosse Talent heranzuwachsen. Nachdem sie ihr Potenzial schon am Vortag angedeutet hatte, setzte sie diesmal ein noch deutlicheres Ausrufezeichen. «Heute lief es mir sehr gut, sogar noch besser als gestern, denn es gab einige lange Teilstrecken, auf denen man, nachdem man die Karte gelesen hatte, einfach so schnell wie möglich fahren musste», meinte sie. Von Beginn an mischte sie an der Spitze mit und belohnte sich mit Silber. «Ich bin sehr zufrieden und habe heute auch keine Fehler gemacht.» Dabei bestreitet Vassalli erst ihre zweite Saison im Bike-OL. Dank ihrer Erfahrung im Radsport (Rennrad und Mountainbike) und klassischen OL bringt sie jedoch ideale Voraussetzungen mit, eine Vielseitigkeit, die sich nun eindrücklich auszahlt.
Auch Ursina Jäggi und Jana Lüscher Alemany überzeugten im Sog ihrer Teamkolleginnen und rundeten das starke Schweizer Mannschaftsergebnis ab.
Ursina Jäggi zeigte nach dem schwierigen Vortag eine starke Reaktion. Mit Rang sechs sicherte sie sich ein Diplom und einen Platz an der Siegerehrung. «Ich bin sehr zufrieden und habe Freude, dass es für ein Diplom gereicht hat», meinte sie. So zeigte sie sich grundsätzlich mit einem mehr oder weniger fehlerfreien Lauf zufrieden. Mit einigen gut gewählten Querrouten liess sie auch ihre langjährige Erfahrung aufblitzen. Auf jeden Fall «habe ich alles gegeben und freue mich nun auf morgen», so Jäggi.
Jana Lüscher Alemany klassierte sich ebenfalls in den Top 15 (14. Rang) und unterstrich damit die Breite des Schweizer Teams.
Auch bei den Männern überzeugten Schweizer Athleten, allen voran Noah Rieder. In einem äusserst engen Rennen unterlief ihm auf dem Weg zum zweitletzten Posten allerdings ein kleiner Fehler, der ihn wohl die langersehnte und eigentlich längst verdiente (Bronze)medaille kostete. Am Ende blieb der undankbare vierte Rang, verbunden mit einem Diplom und der Bestätigung, mittlerweile nicht nur zur erweiterten, sondern zur absoluten Weltspitze zu gehören.
Adrian Jäggi konnte sich im Vergleich zum Vortag steigern und zeigte sich mit Rang 13 zufrieden. «Heute hatte ich ein sehr gutes Rennen ohne nennenswerte Fehler zu verzeichnen.» Die Strecke war sehr flach und die Temperaturen sehr hoch, was ihm beides nicht so entgegenkommt. «Ich verliere die meiste Zeit auf einer sehr physischen und flachen Strecke. Ich habe zwar die beste Route erwischt, verliere aber alleine auf dieser Route auf Noahs (Rieder) Bestzeit eine halbe Minute.» Mehr sei heute nicht drin gelegen. Und der Rückstand auf Bronze betrug am Ende nur 1:22 Minuten, was eindrücklich zeigt, wie gut Jäggis Leistung, aber auch wie eng das Rennen war.
Silas Hotz durfte mit seiner Leistung und insbesondere dem geringen Rückstand zufrieden sein. Obwohl er dies anders sah: «Ich bin so mittelzufrieden.» Der 27. Rang spiegelt seine Leistung nur bedingt wider, zeigt er doch vor allem die momentan enorme Leistungsdichte im internationalen Bike-OL. Hotz hatte technisch wenige Unsicherheiten zu verzeichnen und «physisch habe ich mich heute gut gefühlt und bin immer wieder am Limit gefahren». Nun ist er gespannt auf seinen ersten Massenstart am Mittwoch, seinem ersten seit seinem Comeback. Daher muss er relativ weit hinten starten, will aber versuchen, direkt zu Beginn weiter nach vorne zu kommen, also «offensiv zu starten, aber nicht zu offensiv». Hoffen wir, dass ihm dies gelingt!
Flurin Schnyder musste hingegen einen kleinen Rückschlag hinnehmen und zeigte sich etwas enttäuscht: «Heute war es sehr physisch, zu physisch für mich in meiner aktuellen Verfassung.» Die Kurssetzung sei zwar erneut nicht besonders schwierig gewesen, dennoch habe man «bei jeder Kreuzung bereit sein müssen». Nicht jede Routenwahl sei optimal gewesen, entscheidender sei momentan jedoch die fehlende Power nach dem Übertraining im Frühling. So habe er alles versucht, verliere aber konstant zu viel Zeit. Nun geht es für Schnyder primär darum, die EM trotz Hitze und schweren Beinen möglichst gut abzuschliessen, sich anschliessend zu erholen und danach frisch in die Vorbereitung auf die WM zu starten.
Bei den Junioren war Jann Wittwer gar nicht zufrieden mit seinem Rennen. Schon der Start misslang, wodurch er bereits bis zur ersten Zwischenzeit viel Zeit verlor. «Ich habe schon zum ersten Posten einen Fehler gemacht und in der Folge häuften sich kleinere Fehler.» Auch physisch fühlte er sich nicht auf der Höhe. Schlussendlich wurde ihm einer von drei Kartenwechseln zum Verhängnis. Sei es wegen der Hitze, Müdigkeit oder Unkonzentriertheit - er vergass beim letzten Kartenwechsel einen Posten und wurde so nicht klassiert. «Heute war ein wenig für nichts», meinte Wittwer, der sich aber immerhin über die guten Resultate des gesamten Schweizer Teams freuen konnte.
Iacopo Zambarda, der am Vortag im Sprint noch durch einen Defekt ausgebremst worden war, brachte heute sein erstes internationales Meisterschaftsrennen ins Ziel. Auch bei ihm gilt: Der 27. Rang bei den M17 täuscht etwas über die gezeigte Leistung hinweg, hielt er den Rückstand doch in Grenzen.
Hier gehts zu den Resultaten: https://www.tictactiming.pt/eventos/2026/0523_EMTBOC/OR_e2.html und den Zwischenzeiten: https://www.tictactiming.pt/eventos/2026/0523_EMTBOC/Splits_e2.htm
Das weitere Programm
- Mittwoch, 27 Mai: Massenstart (Elite) / Langdistanz (Junior*innen, Jugend)
- Donnerstag, 28 Mai: Mixed-Staffel
Live TV, GPS und Liveresulte: https://orienteering.sport/event/european-mtb-orienteering-championships-2026/live/
Offizielle Webseite des Veranstalters: https://emtboc2026.fpo.pt/
(Text: Thomas Bossi)
