Die Krönung einer rund ein Jahrzehnt andauernden Entwicklung im Schweizer Ski-OL-Sport: Erstmals geht der Titel an einer Weltmeisterschaft an die Schweiz. Verantwortlich dafür zeichnet die St. Gallerin Eliane Deininger im Verfolgungsrennen, ausgetragen im japanischen Rusutsu.

Dieses Rennen dürfte den Teilnehmenden, insbesondere den Schweizerinnen und Schweizern unter ihnen, sehr lange in Erinnerung bleiben. Zum einen waren da die Bedingungen: Sehr steiles Gelände um mehrere, rund 100 – 150 Meter hohe Hügelzüge mit tief eingeschnittenen Tälern sowie grossen Nasen und Mulden, welches zu atemraubenden Anstiegen und rasanten, technischen Abfahrten führte. Dazu Harst-Bedingungen, so dass es problemlos möglich war, neben den präparierten Spuren durch den Wald zu laufen. Also so, wie im Fuss-OL. Und zum anderen war da die sehr starke Schweizer Teamleistung, gekrönt vom ersten WM-Titel für die Schweiz.

Überrumpelt sei sie, meinte die frischgebackene Weltmeisterin Eliane Deininger im Ziel. Gestartet als Sechste mit dem im Sprint eingehandelten Rückstand von 1:37 min auf die Führende kämpfte sich die 25-jährige Platz für Platz nach vorne. «Ich bin mega zufrieden mit meinem Lauf. Auf der ersten Runde lief ich gemeinsam mit der Schwedin Magdalena Olsson, zusammen kraxelten wir die Hänge hinauf und rasten sie wieder hinunter. Auf der zweiten Runde war dann mit Linda Lindkvist stets eine andere Schwedin in meiner Nähe, welche allerdings vor dem Überlauf einen kleinen Fehler machte», gewährt Deininger Einblick in ihren Lauf. «Im Überlauf hörte ich dann, dass ich gemeinsam mit der Finnin, welche mit mir unterwegs war, in Führung lag. Einmal war sie vorne, das andere Mal ich. Der Entscheid folgte im Zielsprint», so die Geografie-Studentin. Und dort hatte Deininger das höhere Tempo und setzte sich knapp vor Nina Karna durch. Damit geht zum ersten Mal in der Geschichte WM-Gold an die Schweiz. «Sicherlich zum Erfolg beigetragen hat meine ehemalige Karriere als OL-Läuferin, denn eigentlich war es wie Fuss-OL. Oft ging es darum quer durch den Wald die Höhe zu halten oder zu wissen, hinter welcher Nase der Posten folgte», analysiert Deininger im Ziel. Und auch die weit bekannten Abfahrtsqualitäten von Deininger dürften ein wichtiges Puzzleteil zum Grosserfolg gewesen sein.

Etwas im Schatten von Deininger aber ebenfalls sehr erfreulich lief Delia Giezendanner auf den 6. Rang. Sie habe am Anfang einen grösseren Fehler zu verzeichnen gehabt, habe aber danach immer besser ins Rennen gefunden, berichtete die Medaillengewinnerin vom Vortag. Nach einem Fehler am Ende habe sie dann das Diplom noch knapp ins Ziel retten können. Sehr zufrieden mit ihrem 10. Rang ist Flurina Müller. Dies trotz Materialturbulenzen vor dem Start (Stöcke verschwunden) und auch während des Rennens (ausgeliehenen Stock gebrochen).

Knapp Rang 2 für Nicola Müller

Auch bei den Herren kam es zu einer Entscheidung im Zielsprint. Im Gegensatz zu den Frauen ging diese zu Ungunsten des involvierten Schweizers aus. Nicola Müller lag hinunter zum letzten Posten noch einige Meter vor seinem norwegischen Konkurrenten Jørgen Baklid. Dieser machte im Zieleinlauf allerdings kontinuierlich Distanz gut und fing Müller ganz kur vor der Ziellinie noch ab. Für den Einsiedler Nicola Müller, welcher mit dem Ziel «Weltmeister» an diese WM gereist ist, eine herbe Enttäuschung: «Heute lief alles perfekt, darum schmerzt es nun umso mehr, das Ziel um rund 20 cm verpasst zu haben.». Im Stile eines Champions fügt Müller aber hinzu: «Ich werde bald wieder bereit sein, um in den nächsten Rennen mein Ziel zu erreichen.»

Auf den starken 8. Rang lief Corsin Müller. Er sei schon relativ bald zusammen mit Gion Schnyder gelaufen, sie hätten praktisch nie andere Routenwahlentscheidungen getroffen und hätten viel voneinander profitiert. Dazu habe er am Ende noch zwei Norweger distanzieren können, auch, weil er sich physisch gut gefühlt habe, resümiert der junge Einsiedler. Für Altmeister Gion Schnyder resultierte schliesslich der 11. Rang, Jan Lauenstein platzierte sich auf Rang 17.

Eine beachtliche Aufholjagd zeigte der Schwyzer Daniel Grätzer. Gestartet von Rang 35 lief er, auch dank einer guten Routenwahl zum ersten Posten, bis auf Platz 18 vor. Dies direkt vor Corsin Boos, welcher allerdings gemäss eigener Einschätzung kein optimales Rennen zeigte. Gian-Andri Müller und Andri Jordi klassierten sich auf den Rängen 29 und 30.

Sämtliche Resultate sind hier zu finden: https://orienteering.sport/event/world-ski-orienteering-championships-2026/live/

In der Nacht auf Donnerstag steht als nächster Wettkampf die Mitteldistanz an.

WSOC 2026 Spurt Damen
Knappe Entscheidung zugunsten von Eliane Deininger (Bild: WSOC 2026).
WSOC 2026 Spurt Herren
Ein sehr enges Rennen auch bei den Herren (Bild: WSOC 2026).
WSOC 2026 Podest Damen
Die neue Weltmeisterin, die erste aus der Schweiz: Eliane Deininger (Bild WSOC 2026).
WSOC 2026 Medaillengewinner
Nicola Müller, Eliane Deininger und Delia Giezendanner (Bild: zvg).

(Text: Sven Aschwanden; Bilder: WSOC 2026)