Im letzten Einzelrennen der WM in Japan gewinnt Eliane Deininger die Silbermedaille über die Mitteldistanz. Nicola Müller verpasst das Podest um wenige Sekunden und wird Vierter. Das Damenteam hat nach drei Rennen bereits einen kompletten Medaillensatz erlaufen.
Bei strahlenden Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen wurde auf der Insel Hokkaido in Japan zum letzten mal an diesen Weltmeisterschaften um Einzelmedaillen gekämpft. Die warmen Temperaturen und 30 Zentimeter Neuschnee, welcher in der Nacht auf heute fiel, führten zu enorm langsamen, klebrigen und anspruchsvollen Verhältnissen, die mit den Vortagen nicht zu vergleichen waren.
Der grosse Wachs-Poker
Ein Geheimrezept war, nur Spuren zu nutzen, die bereits von Touristen oder anderen Athletinnen und Athleten genutzt wurden. Neue Alternativen lohnten sich kaum. Da sich die Verhältnisse im Gelände nochmals von den Bedingungen im Stadion unterschieden haben, wurde die Materialwahl zu einem echten Pokerspiel.
"Ich merkte schnell, dass der Ski nicht so schnell lief, konnte aber nicht wissen, ob das bei den anderen Nationen auch so war", sagt Nicola Müller zu den Verhältnissen. Am Ende stellte sich heraus, dass das finnische Team den Wachs-Poker gewonnen hat, während das norwegische Team sehr alt aussah. Eliane Deininger schätzt ein, dass sich die Schweiz im Mittelfeld des Wachs-Klassements platziert hat: "Wir können dem Wachsteam aber keine Vorwürfe machen, es war schlicht und einfach schwierig."
Die Damen machen den Medaillensatz komplett - Silber für Deininger
Eliane Deininger läuft souverän auf den zweiten Rang, den sie sich mit der Schwedin Magdalena Olsson, auch sie eine Weltmeisterin, teilt. Um sich nach dem Weltmeistertitel wieder neu auf das nächste Rennen vorzubereiten, hat die Gallusstädterin ihre Goldmedaille symbolisch zu unterst in den Koffer gepackt und sich entschlossen, erst zuhause weiter zu feiern. So hat sie sich auf die heutige Mitteldistanz wie auf jedes andere Rennen vorbereitet. Am Start hatte sich trotzdem die Leichtigkeit und das Wissen präsent, dass ein weiterer Erfolg nur noch ein Bonus ist. Früh lief sie zur Finnin Nina Kärnä auf, mit der sie sich in der Verfolgung hart duelliert hat.
"Wir waren wieder ein richtiges Dream-Team. Wir liefen das gleiche Lauftempo und konnten viel voneinander profitieren", schwärmt Deininger. Ob sie ihre Karriere, die nun auf dem Höhepunkt angelangt ist, fortsetzt, hat sie noch nicht öffentlich kommuniziert.
Der saubere Lauf reichte heute zu WM-Silber und zur vierten Einzelmedaille des Schweizer Teams an dieser WM. Den Weltmeistertitel holt sich die Finnin Amanda Yli-Futka. Delia Giezendanner wird Zwölfte, Flurina Müller wird wegen eines falschen oder fehlenden Posten nicht klassiert.
Nicola Müller schrammt an Medaille vorbei
Im Herrenrennen verpasst Nicola Müller eine weitere WM-Medaille undankbar knapp. Der Schwyzer Medizinstudent wird Vierter, nur zwölf Sekunden hinter dem Bronzeplatz. "Ich war physisch richtig bereit, konnte voll pushen und gab nie auf", sagt Müller zu seinem Lauf. Es unterliefen ihm nur sehr kleine Fehler und die Routenwahl-Herausforderungen löste er galant. "Ich konnte mir in keinem Rennen an dieser WM etwas vorwerfen. Ich konnte immer das abrufen, was ich kann", fügt er hinzu.
Der lang ersehnte Weltmeistertitel bleibt ihm damit wieder verwehrt. Eine letzte Chance bleibt noch in der morgigen Sprintstaffel zusammen mit Eliane Deininger. "Natürlich bin ich enttäuscht, dass es nicht zur Goldmedaille reichte. Aber eine Goldmedaille bringt dich im Leben auch nicht weiter. Morgen will ich mit Eliane nochmals alles geben", sagt Nicola Müller.
Für ihn war dies das letzte Einzelrennen seiner langen und erfolgreichen Ski-OL-Karriere. Der dreifache Vize-Weltmeister ist der bislang erfolgreichste Ski-OL-Läufer, den die Schweiz je in den eigenen Reihen hatte. Müller war während mehreren Jahren der Leistungsträger des Teams und ein grosses Vorbild vieler jüngerer Athleten. Auf internationalem Niveau debütierte er 2012 an den Jugend-Europameisterschaften in der ukrainischen Stadt Sumy. Er gewann drei Jugend-EM-Goldmedaillen und einen kompletten Medaillensatz an der Junioren-WM 2019.
Grätzer mit selbstlosem Teameinsatz
Mit Corsin Boos klassiert sich ein weiterer Schweizer in den Top Ten der heutigen Mitteldistanz. Der Luzerner wird Neunter. Andri Jordi klassiert sich auf Rang 15, Gion Schnyder auf Rang 19, Corsin Müller auf Rang 20, Jan Lauenstein auf Rang 24, Gian-Andri Müller auf Rang 27 und Daniel Grätzer auf Rang 38. Grätzer hätte dabei ein weitaus besseres Resultat erlaufen können. In einer Steigung traf er jedoch auf seinen Teamkameraden Gian-Andri Müller, der fünfzehn Minuten zuvor einen Stock gebrochen hat. Grätzer gab Müller einen intakten Stock, sodass dieser nach einer guten Platzierung weiterjagen konnte.
Die WM in Japan endet morgen mit der Sprintstaffel.
Die Resultate im Detail sind hier zu finden: Resultate Mitteldistanz
Text: Swiss Ski Orienteering, Fotos: WSOC 2026
