Nach starken Frühjahrsresultaten und Podestplätzen im Weltcup reist das Schweizer Bike-OL Team selbstbewusst an die EM in Almeida (Portugal). In den voraussichtlich technisch anspruchsvollen Wettkämpfen erwartet auch Nationaltrainerin Christine Schaffner Topresultate. Besonders grosse Hoffnungen ruhen auf Celine Wellenreiter, Noah Rieder und Junioren-Weltmeisterin Malin Röhrl. 

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Blaupause für die EM 2026? Podestplätze
für Celine Wellenreiter und Noah Rieder am WC in Ungarn

Früh richtete das Schweizer Bike-OL-Kader den Fokus auf die Europameisterschaften vom 24. bis 28. Mai in Almeida, Portugal. Bereits im März absolvierte fast das gesamte Elitekader ein Trainingslager (beinahe) vor Ort (siehe Hinweis unten und «Ein gelungenes TL in Portugal»). Neben intensiven Kartentrainings standen an zwei Wochenenden wichtige Selektionsrennen in Portugal und Spanien auf dem Programm. Dabei überzeugte das Team mit mehreren Siegen und Podestplätzen in Sprint- und Mitteldistanzrennen. Die starken Resultate im Frühjahr sowie zuletzt an der ersten Weltcuprunde in Ungarn (siehe «Weltcup-Podestplätze für Noah Rieder und Celine Wellenreiter in der Langdistanz») zeigen: Die Schweiz reist bestens vorbereitet zum nächsten internationalen Saisonhöhepunkt nach Portugal. Neben der Elite kämpfen in Almeida auch die Junior*innen- und Jugendkategorien um Medaillen.

Nationaltrainerin Christine Schaffner erwartet in Portugal schnelle und technisch anspruchsvolle Wettkämpfe. Der ursprünglich geplante EM-Austragungsort Ourem musste nach schweren Frühlingsstürmen kurzfristig durch Almeida ersetzt werden, weshalb das Schweizer Team im Frühling nur teilweise in relevantem Gelände trainieren konnte. Besonders der urbane Sprint zum Auftakt dürfte laut Schaffner anspruchsvoll werden: «Beispielsweise können grosse Zeitverluste drohen, sollte man oben anstatt unten an einer Mauer stehen.» Unter anderem in einer historischen Festungsanlage mit engen Durchgängen und schnellen Richtungswechseln werde präzises und sicheres Kartenlesen entscheidend sein. «Für uns ist das Navigieren in urbanem Gelände immer eine Herausforderung, da wir dies in der Schweiz kaum so trainieren können», meint Schaffner.

Die Waldrennen (Mitteldistanz und Massenstart [Elite] / Langdistanz [Jugend und Junior*innen], Mixed-Staffel) führen durch offene Oliven- und Korkeichenwälder mit zahlreichen Steinmauern und Zäunen. Querfahren ist erlaubt, verlangt aber viel Übersicht und Flexibilität: «Die Athletinnen müssen immer auch Queroptionen planen und sehen, aber auch wissen, dass diese möglicherweise nicht umgesetzt werden können.» Insgesamt erwartet Schaffner in allen Rennen ein hohes Tempo: «Gut auf der Karte vorbereitet zu sein, um keinen Speed zu verlieren, wird bei allen Rennen zentral sein.»

Während im Eliteaufgebot die bekannten Namen um Edelmetall kämpfen, rücken im Nachwuchsbereich neue Athlet*innen ins Rampenlicht.

Bei den Herren präsentierte sich Noah Rieder in Ungarn in beeindruckender Form. Der in den Juniorenkategorien bereits hochdekorierte Athlet scheint endgültig in der Elite angekommen zu sein und bereit für den nächsten grossen Schritt. Wenn bei ihm alles zusammenpasst, ist vieles möglich.

Teamsenior Adrian Jäggi gehört seit Jahren zur erweiterten Weltspitze. Zwar fehlt ihm bei der Elite an internationalen Meisterschaften noch das ganz grosse Einzelresultat, doch an guten Tagen liegt ein Diplomrang jederzeit in Reichweite.

Flurin Schnyder, Überflieger der vergangenen Jahre in den Junioren- und U23-Kategorien, hatte in dieser Saison bislang mit seiner körperlichen Verfassung zu kämpfen. Nun hofft er, rechtzeitig auf die Titelkämpfe in Portugal wieder in Bestform zu sein.

Nach einer Auszeit im vergangenen Jahr ist auch der Aargauer Silas Hotz auf die internationale Bühne zurückgekehrt. Sein Aufwärtstrend seit Beginn der Saison wurde zuletzt an der Weltcup-Langdistanz in Ungarn mit Rang 12 belohnt.

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Gute Vorbereitung als Schlüssel zum Erfolg: Kartenstudium von
Ursina Jäggi, Malin Röhrl und Celine Wellenreiter

Bei den Frauen gilt Celine Wellenreiter als grösste Schweizer Medaillenhoffnung. Wie Rieder überzeugte sie in Ungarn mit starken Leistungen und sicherte sich in der abschliessenden Langdistanz ihren ersten Weltcup-Podestplatz. War ihre Sprint-Silbermedaille an den Weltmeisterschaften 2025 in Polen noch eine Überraschung, zählt sie inzwischen klar zum erweiterten Favoritenkreis.

Ursina Jäggi hat ihre Klasse international bereits mehrfach bewiesen. Zuletzt gewann die Brittnauerin an der WM 2025 Bronze über die Langdistanz. In dieser Saison zeigte sie konstant solide Leistungen. Wer Jäggi kennt, weiss jedoch, dass ihr auch im Spätherbst ihrer Karriere jederzeit ein Spitzenresultat zuzutrauen ist.

Jana Lüscher Alemany liess ihre Klasse in dieser Saison mehrfach aufblitzen. Nachdem sie im vergangenen Jahr leistungsmässig zu ihren beiden Kolleginnen aufgeschlossen hatte, darf auch in dieser Saison einiges von ihr erwartet werden. Gelingt es ihr, mehr Konstanz in ihre Rennen zu bringen, darf man auf ihre Auftritte gespannt sein.

Auch Nationaltrainerin Schaffner blickt nach den starken Weltcupresultaten in Ungarn optimistisch auf die Titelkämpfe: «Die sehr starken Resultate von Ungarn zeigen, dass verschiedene Athletinnen und Athleten kartentechnisch und physisch sehr stark sein werden. Ich erwarte mehrere Topresultate. Auch bei den Juniorinnen traue ich Malin (Röhrl) viel zu.»

Bei eben diesen Juniorinnen zählt Malin Röhrl längst nicht mehr zu den Newcomerinnen. Die international bereits sehr erfahrene Athletin ist reich dekoriert, unter anderem als Weltmeisterin 2025 über die Langdistanz sowie Europameisterin 2025 im Sprint. Entsprechend ambitioniert wird die Thurgauerin auch in diesem Jahr um die Medaillen mitkämpfen.

Bei den Junioren mit Jann Wittwer und der Jugend mit Joy Vassalli (W17) und Iacopo Zambarda (M17) rücken neue Gesichter in den Fokus. Sie alle haben noch keine grossen internationalen Erfahrungen sammeln können, sorgten aber schon national für Aufsehen: So konnte beispielsweise Joy Vassalli 2025 an den Langdistanzmeisterschaften der Juniorinnen auf der physisch anspruchsvollen Strecke sogar Malin Röhrl hinter sich lassen.

Die Erwartungen für diese jungen Athlet*innen sollten dennoch realistisch bleiben: Wie Nationaltrainerin Schaffner betont, gehe es bei den Nachwuchsathlet*innen ohne internationale Erfahrung vor allem darum, «internationale Wettkampfluft zu schnuppern und das Optimum ihres Könnens abzurufen».

Zeit, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, bleibt ihnen noch genügend. Zu diesen höheren Aufgaben zählen natürlich auch die Weltmeisterschaften: Die diesjährige WM der Elite und Junior*innen findet vom 26. bis 30. August 2026 im schwedischen Mora statt (https://www.mountainbikeorientering.se/wmtboc26). Zwischen Europa- und Weltmeisterschaften bleibt somit ausreichend Zeit, Lehren aus den bisherigen Wettkämpfen zu ziehen, sich gegebenenfalls vom EM-Feiermarathon zu erholen und sich gezielt auf den letzten Saisonhöhepunkt vorzubereiten - mit dem Ziel, die starken Resultate des Vorjahres zu bestätigen.

Das Programm

  • Montag, 25 Mai: Sprint
  • Dienstag, 26 Mai: Mitteldistanz
  • Mittwoch, 27 Mai: Massenstart (Elite) / Langdistanz (Junior*innen, Jugend)
  • Donnerstag, 28 Mai: Mixed-Staffel

Live TV, GPS und Liveresulte: https://orienteering.sport/event/european-mtb-orienteering-championships-2026/live/

Offizielle Webseite des Veranstalters: https://emtboc2026.fpo.pt/

(Text: Thomas Bossi, Bilder: zvg. und Katrin Remund)