Daniel Hubman sowie die zeitgleichen Elena Roos und Simona Aebersold heissen aus Schweizer Sicht die Gewinner des Sprint-Selektionslaufs vom Freitagmorgen hinsichtlich der OL-Europameisterschaften. Den Re-Run entschieden Matthias Kyburz und Elena Roos für sich.

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Daniel Hubmann.


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Matthias Kyburz.


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Die Männer analysieren ihre Leistung vor dem Re-Run.

 

Daniel Hubmann konnte den Sprint-OL im Tessiner Dörfchen Novaggio für sich entscheiden. Der gebürtige Thurgauer gewann den Testlauf hinsichtlich der OL EM im Tessin mit einer Zeit von 15:56 Minuten. Hinter ihm sicherten sich Matthias Kyburz und Florian Howald die weiteren Podestplätze. Damit wussten die Routiniers im Schweizer Team auf der 3,6 Kilometer langen Bahn zu überzeugen.

Hubmann hatte grundsätzlich einen guten Lauf: «Viermal habe ich wegen Unsauberkeiten und Routenfehlern rund 5 Sekunden verloren», sagte der 34-Jährige. Der Zweitplatzierte Kyburz war im Grossen und Ganzen ebenfalls zufrieden mit seinem Wettkampf, jedoch habe er einige Routen nicht so umgesetzt, wie er es sich vorgenommen habe: «Die Gassen hier sind eng und es geht sehr schnell. Dabei erwischt man schnell einmal die falsche Abzweigung», so der Fricktaler. Herausgefordert wurde Kyburz auch physisch: «Der Sprint war eher lang und hatte viel Steigung.»

Juniorin Aebersold ganz vorne
Bei den Frauen stand am Freitagmittag mit Tove Alexandersson eine schwedische Läuferin zuoberst auf der Rangliste des EOC-Testlaufs. Die mehrfache Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin gewann mit 14:57 Minuten. Ihr am nächsten kamen die Lokalmatadorin Elena Roos sowie die Überfliegerin des Schweizer OL-Nachwuchs Simona Aebersold. Die Tessinerin und die Bernerin verloren jeweils 43 Sekunden auf die Bestzeit von Alexandersson.

Elena Roos sprach nach ihrem Sprint von einem soliden und sehr kontrollierten Lauf. Sie sei gut gestartet, habe aber am Schluss auf einigen Routen Zeit verloren. Und: «Der Rückstand auf Tove dünkt mich ein bisschen gross», sagte die 27-Jährige. Ihre Teamkollegin Julia Gross auf dem vierten Rang und damit drittbeste Schweizerin war besonders mit dem Abschnitt im Park der ortsansässigen Klinik zufrieden: «Am Anfang brauchte ich zuerst Zeit, um auf die Karte zu kommen», sagte die Zürcherin.

Pech für Judith Wyder
Der Sprint-OL durch das Dorf Novaggio stellte die Athletinnen und Athleten vor typische Herausforderungen, die es im urbanen Sprint-OL im Tessin zu bewältigen gibt. Die Strecke führe durch enge Gassen, schnelle und kurze Richtungswechsel sowie länge Routenwahlen am im Hang liegenden Dorf prägten die Bahn. «Der Wechsel zwischen Dorfkern und Klinikpark machen Novaggio zu einem spannenden Sprintgebiet», erklärte Daniel Hubmann.

Besonders Pech hatten dabei Judith Wyder und Pascal Buchs. Weil ein Fahrzeug eine schmale Gasse derart versperrte mussten sie zu einem Posten unerwartet eine andere Route wählen und verloren damit rund 50 Sekunden auf die beste Abschnittszeit. Für Judith Wyder hat das Pech im Sprint-Testlauf vorerst keine negativen Auswirkungen: Als Sprint-Europameisterin von 2016 hat sie an den Heim-EM einen Startplatz über die Sprintdistanz zugute.

Zweiter Sprint als «Re-Run»
Nach dem Sprint-Wettkampf am Freitagmittag wurde am späten Nachmittag nochmals die gleiche Strecke in Angriff genommen – beim sogenannten «Re-Run-Sprint». Kurze Zeit nachdem am Vormittag alle Athletinnen und Athleten das Ziel erreicht hatten, erhielten sie die Laufkarten zurück sowie auch die Zwischenzeiten und die GPS-Daten zur Einsicht, so dass sie ihren Lauf analysieren konnten. Während einer Stunde durften sie ebenfalls ins Gelände gehen und die Postenstandorte nochmals anschauen oder beispielsweise Routen testen. Nach dieser Analysierungsstunde galt das Gelände wieder als Sperrgebiet. Nach einer rund dreistündigen Pause wurde dann am Nachmittag zur genau gleichen Strecke gestartet wie am Vormittag.

Dabei wurden die Podestplätze neu verteilt. So ging bei den Männern Matthias Kyburz als Sieger hervor, der rund eineinhalb Minuten schneller lief als am Vormittag. Zweiter wurde Daniel Hubmann gefolgt von seinem jüngeren Bruder Martin, welcher Florian Howald um drei Sekunden auf den vierten Platz verwies.
Praktisch unverändert zum Vormittag präsentierte sich die Rangliste bei den Frauen. Elena Roos bestätigte ihre Leistung und gewann mit einer Zeit, die rund eineinhalb Minuten schneller war als am Vormittag. Judith Wyder wiederum konnte nach ihrem Pech am Morgen ihre Form beweisen und wurde gute Zweite. Dritte wurde Simona Aebersold, Vierte Julia Gross.

Die Form des «Re-Run» dient dazu die physischen Fähigkeiten eines Athleten während eines OL zu testen. «Diese sind im bei Wettkämpfen im Tessin enorm wichtig», sagt Christine Lüscher, Bereichsleiterin Leistungssport bei Swiss Orienteering. Weil der Athlet beim Re-Run die Bahn schon kennt und sich nur in zweiter Linie mit der OL-Technik befassen muss, kann er sich mehrheitlich auf das Laufen fokussieren: «Wie kommt ein Athlet mit den engen Gassen, den Treppen und der vielen Steigung zurecht?», erklärt Lüscher.
Für viele Athletinnen und Athleten war der Re-Run Neuland für einen Testlauf: «Der Re-Run war vergleichbar mit einem Crosslauf, einfach in einem Sprint-OL-Terrain», sagte beispielsweise Julia Gross. Der Lauf sei auf eine Art «lustig» gewesen und zeigte auf, wie man physisch in Form sei.

Am Wochenende werden die Testläufe des Swiss Orienteering Teams weiter geführt. Am Samstag wartet eine Mitteldistanz, am Sonntag eine Langdistanz auf die Anwärter eines EM-Startplatzes.

(Bilder: Rémy Steinegger)

Resultate Sprint (Vormittag)
Männer (3.6 km, 160 Hm, 22 Posten.): 1. Daniel Hubmann, 15:56 Minuten; 2. Matthias Kyburz, +0:18 Minuten zurück; 3. Florian Howald, +00:26; 4. Christoph Meier, +00:37; 5. Florian Schneider, +00:45; 6. Andreas Rüedlinger, +00:51.
Frauen (3.1 km, 130 Hm, 20 Po.): 1. Tove Alexandersson (SWE), 14:57 Minuten; 2. Simona Aebersold, +00:43 Minuten zurück; 2. Elena Roos; +00:43; 4. Julia Gross, +01:11; 5. Natalia Gemperle (RUS), +01:16. 6. Sarina Jenzer, +01:23.

Resultate Re-Run-Sprint (Nachmittag)
Männer: 1. Matthias Kyburz, 14:38 Minuten; 2. Daniel Hubmann; +00:34 Minuten zurück; 3. Martin Hubmann; +00:36; 4. Florian Howald, +00:39; 5. Andreas Kyburz, +00:41; 6. Fabian Hertner, +00:51.
Frauen: 1. Elena Roos, 14:10 Minuten; 1. Judith Wyder, +00:32 Minuten zurück; 3. Simona Aebersold, +00:36; 4. Julia Gross, +00:42; 5. Sarina Jenzer, +00:45; 5. Paula Gross, +00:50.

GPS